07. August 2018

Terminservice- und Versorgungsgesetz

Sprechstunden, Vergütung und Landärzte: Das soll sich ändern

Das „Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung” bringt einige Änderungen für Ärzte mit sich. Erfahren Sie mehr über die Regelungen zu Sprechzeiten, die Vergütung und neue Kassenleistungen.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf dem Referentenentwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG), den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Mehr und offene Sprechstunden

Das Mindestangebot an Sprechstunden für gesetzlich versicherte Patienten wird von 20 auf 25 Stunden erhöht. Außerdem sollen offene Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung bei grundversorgenden Ärzten (Hausärzte, Kinderärzte, Gynäkologen, Augenärzte, HNO-Ärzte) auf mindestens fünf Stunden pro Woche ausgebaut werden.

Die Einhaltung der Sprechzeiten wird von den Kassenärztlichen Vereinigungen überwacht. Diese informieren zudem auf ihren Internetseiten über die Sprechstundenzeiten der Vertragsärzte.

Zusatzangebote werden besser vergütet

Durch extrabudgetäre Vergütung oder eine erhöhte Bewertung können Ärzte durch verschiedene Angebote profititeren. Dazu zu zählen unter anderem:

  • Hausarztbesuche als anerkannte Praxisbesonderheit,
  • Behandlung von neuen Patienten in der Praxis,
  • Leistungen während der offenen Sprechstunden,
  • Behandlung von Patienten, die über Terminservicestellen vermittelt werden,
  • “Sprechende Medizin”.

Unterstützung für Ärzte auf dem Land

Ärzte in wirtschaftliche schwachen und unterversorgten ländlichen Regionen werden über regionale Zuschläge besonders unterstützt. Zudem werden insbesondere Hausbesuche gefördert.

Für die Kassenärztlichen Vereinigungen werden Strukturfonds verpflichtend und auf bis zu 0,2% der Gesamtvergütung verdoppelt. Zudem wird der Verwendungszweck erweitert, z.B. für Investitionskosten nach einer Praxisübernahme.

In Regionen, die unterversorgt sind, werden die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet eigene Praxen zu eröffnen oder Versorgungs-Alternativen anzubieten. Dies können beispielsweise mobile Praxen, digitale Sprechstunden oder Patientenbusse sein.

Terminservicestellen jetzt rund um die Uhr erreichbar

Unter der bundesweit einheitlichen Notdienstnummer 116117 sind Terminservicestellen jeden Tag und zu jeder Zeit erreichbar.

Nicht nur Termine bei Fachärzten, sondern auch bei Haus- und Kinderärzten werden nun von den Stellen vermittelt. Zudem werden Patienten bei der Suche nach einem dauerhaft behandelnden Haus- oder Kinderarzt unterstützt.

Die Vermittlung soll nicht nur telefonisch, sondern auch online oder über eine App möglich sein. Im Notfall werden die Patienten an Arztpraxen oder Notfallambulanzen vermittelt.

Neue Leistungen der Krankenkassen

Eine Präexpositionsprophylaxe (PrEP) wird bei Versicherten mit einem erhöhten Risiko einer HIV-Infektion künftig von den Kassen erstattet. Zum Leistungsumfang gehören die erforderliche ärztliche Beratung, Untersuchungen und Medikamente.

Bei einer Krebserkrankung, die zum Verlust der Fertilität führen könnte, ist eine Kryokonservierung von Keimzellgewebe, Ei- und Samenzellen möglich. So besteht nach der Genesung die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung.

Im Bereich der Pflege werden reine Betreuungsdienste (Haushaltshilfen, Einkaufen, Vorlesen) mit aufgenommen.

  1. Entwurf eines Gesetzes für schnellere Termine und bessere Versorgung (Terminservice- und Versorgungsgesetz – TSVG). Bundesministerium für Gesundheit, 23.07.2018

Bildquelle: © istock.com/SARINYAPINNGAM

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