03. September 2015

Resilienz im Arztberuf

So bleiben Sie in Ihrem Arbeitsalltag gesund

Ärzte müssen täglich eine Vielzahl emotionaler und physischer Herausforderungen bewältigen. Die Gefahr von andauernder Erschöpfung bis hin zum Burnout ist daher vor allem unter Medizinern besonders hoch. Gleichwohl schaffen es viele Ärzte inmitten dieser Anforderungen und Rahmenbedingungen Gesundheit und Freude zu erhalten. Lesen Sie hier, wie Resilienz im Arzt­beruf gelingen kann.

Der Frage danach, wie es Ärzte schaffen, trotz überfordernder Belastungen gesund zu bleiben, gingen Heidelberger Psychologen unter Leitung der Diplom Psychologin Dr. Julia Zwack nach: Im Auftrag der Bundesärztekammer führten sie Interviews mit über 200 Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen und Hierarchieebenen, um Strategien und Haltungen zu identifizieren, die sich sowohl in der Klinik als auch in der Niederlassung bewährt haben.

Antrittsmotive und Gratifikationsquellen: Was motiviert Ärzte?

Viele der Befragten gaben an, ihre Motivation im Wesentlichen aus folgenden Quellen zu ziehen:

  1. Arzt-Patienten-Beziehung: Unter den Befragten empfanden vor allem diejenigen ihre Arbeit als abwechslungsreich und befriedigend, die bewusst für eine qualitativ hochstehende Beziehung mit ihren Patienten eintreten. Auch der offene und proaktive Umgang mit Behandlungsfehlern und Komplikationen zählt dazu.
  2. Erfahrung medizinischer Wirksamkeit: Leiden zu kurieren, Symptome zu lin­dern und Leben zu retten ist für viele Ärzte eine zentrale Gratifikationsquelle. Hierfür investieren sie in stete Weiterbildung, etwa durch die Teilnahme an Austauschforen und Fortbildungsangeboten oder durch eigene Vortragstätigkeit.
  3. Unterstützendes, kollegiales Umfeld: Der direkte Kontakt mit Kollegen ist jedem zweiten Arzt sehr wichtig. Lieber einmal zu viel als zu wenig zum Hörer zu greifen und kollegiale Rücksprache zu halten, reduziert fachliche Unsicherheiten und hin­terlässt das Gefühl, professionell eingebunden zu sein und wertgeschätzt zu werden.

Resiliente Ärzte: Woher nehmen sie die Kraft?

Auch resiliente Ärzte schaffen nicht das Unmögliche. Sie weisen aber folgende Gemeinsam­keiten und Strategien auf, um die alltäglichen Herausforderungen gut zu meistern:

  1. Pflege außerberuflicher Interessen: 80% der befragten Ärzte legen Wert auf eine Ausgleichsbeschäftigung. Sportliche und kulturelle Aktivitäten – auch nach einem 12-Stunden-Tag – helfen besser abzuschalten und und fördern das Gefühl innerer Unabhängigkeit und Selbstbestimmt­heit. Wer seine Kräfte so erneuert, kann sich leichter gegenüber beruflichen Stressoren abgrenzen. Wer sich hingegen nach dem Arbeitstag zurückzieht, könne in einer Abwärtsspirale landen, so Zwack.
  2. In Partnerschaft, Familienleben und Freundschaften investieren: Mehr als die Hälfte der Ärzte pflegen ihre sozialen Beziehungen. So beschreibt ein Oberarzt, dass sein wirkliches Leben zu Hause stattfindet, mit den Menschen, für die er sich entschieden hat. Auch das regelmäßige Treffen mit echten Freunden sei ihm sehr wichtig. TIPP: Um die notwendigen zeitlichen Ressourcen für Hobbies und soziale Kon­tak­te zu schaffen, helfen fest verankerte Rituale. Denn alles was ritualisiert ist, ist be­reits entschieden und muss nicht mühsam innerlich und äußerlich verteidigt werden.
  3. Pausen einplanen und Arbeitszeit bewusst begrenzen: Für die Gesunder­hal­tung sind diese beiden Faktoren wesentlich. Freizeit sollte deshalb genauso wie wichtige Arbeitszeit in den Termin­kalender eingetragen werden. Zwack erläutert, dass für die mittel- und langfristige Leistungsfähigkeit und Motivation nicht alleine Urlaube, sondern vor allem kurze, über den Tag oder die Woche verteilte Auszeiten innerhalb des beruflichen Alltags, z.B. in Form kurzer Trinkpausen, Powernaps, oder einem ritualisierten Rückzug entscheidend sind. Auch ein kurzer Besuch auf coliquio kann eine solche Pause sein.
  4. Urlaub zu Beginn des Jahres verbindlich planen: Durch eine frühzeitige Urlaubsplanung entstehen verlässliche Vorfreuden und Auszeiten.
  5. Tipp, um sich die Urlaubserholung zu erhalten: Fahren Sie lieber ein, zwei Tage eher heim und bummeln Sie langsam in den Arbeitsalltag hinein, als sich sofort in die Arbeit zu stürzen. Versuchen Sie Bedürfnisse, die Ihnen im Urlaub deutlich geworden sind, auch weiterhin zu erfüllen, z.B. die Tasse Cappuccino am Nachmittag.
  6. Selbstbestimmte, bewusste Entscheidungen treffen: Resiliente Ärzte entschei­den selbst, worauf oder auf wen sie ihre Zeit und Aufmerksamkeit richten. Dies setzt ein Minimum an achtsamer Selbstwahrnehmung und bewusster Grenz­zieh­hung bzw. Hinwendung aus. Man sollte sich immer wieder fragen: Was ist mir wich­tig? Wofür will ich einstehen? Welche Priorität will ich setzen? Nimmt man sich z.B. mehr Zeit für einen besonders bedürftigen Patienten als eingeplant, be­kommt man etwas zurück, zum Beispiel Dankbarkeit. Diese positive Erfahrung gibt wiederum Kraft für andere, schwierige Situationen, etwa um auch mal „Nein“ zu sagen.
  7. Eigene Ziele und Grenzen kennen: Ärzte, die mit den eigenen Ressourcen bewusst umgehen, reflektieren regelmäßig: Was treibt mich? Wo will ich hin? Warum bin ich unzufrieden? In welchen Situationen bin ich leicht verführbar, eigene Grenzen zu überschreiten? Was erlaube ich mir nicht – obwohl es mir und meiner Arbeit mittel- und langfristig dienlich wäre? Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Fragen trägt zu einem Mehr an Selbstbestimmung bei.

Bewusst entscheiden und handeln = Schlüssel zum selbstbestimmten Arbeitsalltag

Der Ärztliche Geschäftsführer Götz Mundle der Oberbergkliniken betont: „Es gibt nicht gesunde und kranke Ärzte, sondern Krankheit und Gesundheit hängen wesentlich vom bewussten und gestaltenden Umgang mit Herausforderungen im Arbeits- und Lebensalltag ab. Wir tragen alle die Fähigkeit und Verantwortung in uns, bewusst und gesund zu handeln. Wir tragen aber auch destruktive Muster in uns, die zu einer Krankheitsspirale führen können.“

Weitere Beiträge zum Thema Arzt-Alltag:

  1. Zwack, Julia; Hessisches Ärzteblatt 2/2013, Wie Ärzte gesund bleiben – Resilienz im Arztberuf.

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