07. Februar 2017

Reanimation in der Praxis: Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

Wiederbelebungsmaßnahmen in Arztpraxen gehören nicht zu den Routinenotfällen. Eine gute Vorbereitung des Praxisteams ist daher für eine effektive Reanimation von großer Bedeutung.

Dieser Beitrag beruht auf einer Publikation aus der Deutschen Medizinischen Wochenschrift 2017; 142: 58-61, die von Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, für Sie zusammengefasst wurde.

Notruf und Basismaßnahmen

Wenn ein Patient oder Mitarbeiter kollabiert, müssen sofort Bewusstsein und Atmung überprüft werden. Ist keine normale Atmung messbar oder reagiert der Patient nicht, muss umgehend der Notarzt alarmiert werden.

Thoraxkompressionen: Als erste Maßnahme vor Ort beginnt die Reanimation mit 30 Thoraxkompressionen, im Wechsel mit zwei Beatmungen, da eine Wiederherstellung einer ausreichenden Blutzirkulation entscheidend ist. Die Frequenz der Thoraxkompressionen sollte 100-120/Minute betragen. Wenn keine durchgehende manuelle Herzdruckmassage (HDM) möglich ist, sollten mechanische Reanimationsgeräte angewendet werden.

Sauerstoff: Für die zwei Beatmungen darf die Thoraxkompression nicht länger als 10 Sekunden unterbrochen werden. Wenn möglich, soll zudem Sauerstoff frühzeitig und hoch dosiert gegeben werden.

Atemwegssicherung: Die optimale Methode zur Atemwegssicherung ist die endotracheale Intubation. Diese sollte jedoch nur von ausgebildeten und in der Anwendung erfahrenen Helfern durchgeführt werden. Alternativ können Sie supraglottische Atemwegshilfen (SAD) anwenden, z.B. Larynxtuben, Larynxmasken oder i-gel®-Masken.

Defibrillator nutzen

Steht in Ihrer Praxis ein automatischer externer Defibrillator (AED) zur Verfügung, sollte dieser unverzüglich eingesetzt werden, um den Herzrhythmus zu analysieren. Für die Anwendung werden idealerweise selbstklebende Defibrillator-Pads verwendet, die in anteriorer und linkslateraler/apikaler Position angebracht werden.

Herzschrittmacher: Wenn der Betroffene einen Herzschrittmacher hat, muss ein Mindestabstand von 8 cm zum implantierten Gerät eingehalten werden.

Bei folgenden Herzrhythmen kann mit einem biphasischen AED defibrilliert werden:

  • Kammerflimmern (VF)
  • Pulslose ventrikuläre Tachykardie (pulslose VT)

Sie sollten den ersten Schock mit einer Energie von 150 J geben, die weiteren mit 150-360 J. Dabei sollte die Herzdruckmassage nicht länger als 5 Sekunden unterbrochen werden.

Dreischocktherapie: Wird am Monitor ein Kreislaufstillstand beobachtet, kann eine Dreischocktherapie ohne HDM angewandt werden. Dabei werden in direkter Folge drei Defibrillationen abgegeben und nach jedem Mal kurz kontrolliert, ob sich der Herzrhythmus normalisiert und der Spontankreislauf wiederkehrt (Return of spontaneous circulation, ROSC).

Zu den nicht defibrillierbaren Herzrhythmen gehören:

  • Asystolie
  • pulslose elektrische Aktivität (PEA)

Medikamentengabe

Medikamente werden in Abhängigkeit vom vorliegenden Herzrhythmus verabreicht:

Defibrillierbarer HerzrhythmusKammerflimmern, bestehend nach DreischockstrategieNicht defibrillierbarer Herzrhythmus
Nach drei erfolglosen Defibrillationen Gabe von 1 mg Adrenalin und 300 mg AmiodaronWährend der anschließenden Herzdruckmassage 300 mg AmiodaronSobald ein Zugang etabliert ist, Gabe von 1 mg Adrenalin
Nach der fünften erfolglosen Defibrillation wieder 1 mg Adrenalin und weitere 150 mg AmiodaronNach zwei weiteren Defibrillationen 1 mg Adrenalin und 150 mg AmiodaronAlle 3-5 Minuten weiter Adrenalin, bis ein ROSC eintritt

Tabelle 1. Medikamentengabe zur Reanimation (modifiziert nach Meißner WCG et al. 1)

Wenn ein intravenöser Zugang nur schwer zu legen ist, kann die Injektion alternativ intraossär erfolgen.

Notwendige Ausstattung

Für eine Reanimation in der Praxis werden folgende Utensilien benötigt:

  • Automatischer externer Defibrillator (AED)
  • Materialen zur Atemwegssicherung: Beatmungsbeutel, Sauerstoffflasche, Larynxtuben
  • Venenverweilkanülen
  • Infusionen
  • Notfallmedikamente

Leitlinien zum Download

Hier können Sie die aktualisierten Leitlinien zur Reanimation des German Resuscitation Councils (GRC) herunterladen.

Weitere Beiträge zum Thema Notfallmanagement finden Sie hier:

Bewusstloser Patient: Die wichtigsten Erstmaßnahmen

Erfahren Sie hier, wie Sie das Ausmaß einer Bewusstseinsstörung schnell abschätzen und die wichtigsten Erstmaßnahmen einleiten. Hier zum Beitrag>>

Notfallkoffer: So stellen Sie das Wichtigste zusammen

Die Frage „Was gehört eigentlich in den Notfallkoffer?“ ist auf coliquio im vergangenen Sommer auf großes Interesse gestoßen. Deshalb haben wir für Sie die wichtigsten Tipps Ihrer Kollegen zusammengefasst und nun um aktuelle Empfehlungen der Notfallmediziner ergänzt. Hier zum Beitrag>>

von Meißner WCG et al. Notfallmanagement: Reanimation in der Arztpraxis. Dtsch Med Wochenschrift 2017; 142: 58-61.

Bildquelle:©Pixel_away-istockphoto.com

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653