17. Januar 2017

Pruritus: Mögliche Auslöser im Überblick

Chronischer Juckreiz ist ein Symptom, dem viele Erkrankungen zugrunde liegen können und das für die Betroffenen unangenehme bis quälende Ausmaße annehmen kann. Erfahren Sie mehr über mögliche Auslöser und welche Befunde zur Differenzialdiagnose führen.

Dieser Beitrag basiert auf einer Veröffentlichung in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift und wird von Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, für Sie zusammengefasst.

Eine interdisziplinäre Aufgabe

Während bei jüngeren Menschen vor allem chronische dermatologische Erkrankungen zum dauerhaften Juckreiz führen, überwiegen bei älteren Patienten systemische Erkrankungen, neurologische Veränderungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten.

Aufgrund der Vielfalt an möglichen Auslösern (Tabelle) kann die Ursache des chronischen Pruritus oftmals nur interdisziplinär identifiziert werden.

Internistische Erkrankungen, bei denen chronischer Juckreiz auftreten kann
OrgansystemErkrankungen
Renales System
  • Chronische Niereninsuffizienz
Hepatobiliäres System
  • Primär biliäre Cholangitis
  • Primär/sekundär sklerosierende Cholangitis
  • Medikamentöse/toxische Cholestase
  • Leberzirrhose
  • Obstruktive Cholestase
Hämatopoetisches System
  • Polycythaemia vera
  • Essentielle Thombozythämie
  • Morbus Hodgkin
  • Non-Hodgkin-Lymphome
  • Hypereosinophilie-Syndrome
  • Mastozytose
Endokrines System
  • Diabetes mellitus
  • Hypothyreose, Hyperthyreose
  • Hyperparathyreoidismus
  • Karzinoidyndrom
Malassimilationssyndrome
  • Fruktose- und Laktoseintoleranz
  • Eisenmangel
  • Zöliakie
  • Anorexia nervosa
  • Vitamin-B/D-Mangel
Infektionskrankheiten
  • Chronische Infektionen mit HBV/HCV/HIV/HSV
  • VZV-Reaktivierung
  • Helicobacter-pylori-Infektionen
  • Parasitosen
Solide Tumore
  • Solide Tumore aller Organe

Nicht nur innere Ursachen

Neben inneren Ursachen kann auch eine Reihe von Medikamenten den Pruritus auslösen. Dabei gilt es nicht nur die aktuelle, verordnete Medikation zu beachten, sondern auch Bedarfsmedikation wie Beruhigungs-, Schlaf- oder Abführmittel. Ebenso sollten Sie verwendete Salben und Cremes bedenken, die möglicherweise eine Kontaktallergie auslösen können.

Ein weiterer Auslöser kann eine chronische Affektion der Wirbelsäule sein, welche zum neuropathischen Pruritus führt. Treten außerdem begleitend Empfindungen wie Brennen, Stechen oder Beißen auf, kann dies auf neuropathische Komponenten oder eine Polyneuropathie hinweisen.

Auch psychosoziale Gründe können ein chronisches Jucken auslösen. Bei Veränderungen im sozialen Umfeld kann es besonders bei älteren Menschen zu psychosomatischen Erkrankungen kommen. Schwerwiegende psychiatrische Erkrankungen, wie ein Dermatozoenwahn, die Pruritus verursachen, sind sehr selten.

Dem Auslöser auf der Spur

Erste Anhaltspunkte zur Differenzialdiagnose bietet der zeitliche Aspekt. Tritt der Juckreiz plötzlich auf und gibt es sonst keine anamnestischen Hinweise, deutet dies auf ein allergisches Kontaktekzem, eine Urtikaria, eine Arzneimittelreaktion oder eine Scabies hin. Der genaue Zeitpunkt des Auftretens kann mit Zusammenhängen, z.B. einem Medikamentenwechsel, korreliert sein. Hingegen spricht ein langsamer Beginn häufig für eine systemische Ursache oder für eine länger bestehende Hauttrockenheit (Xerosis cutis).

Keine aussagekräftigen Hinweise auf die Ursache liefert die Lokalisation des Pruritus. Lange war man davon ausgegangen, dass ein generalisierter Pruritus systemisch bedingt ist, doch konnte dies in Studien nicht belegt werden. 

Bei der körperlichen Untersuchung sollten Sie die gesamte Haut untersuchen und dabei auch Schleimhäute, Kopfhaut, Haare, Nägel und die Genitoanalregion inspizieren. Typisch für chronischen Pruritus ist das „Schmetterlingszeichen“ auf dem Rücken der Patienten. Krätzläsionen finden sich im gesamten Rückenbereich, mit einer schmetterlingsförmigen Aussparung in der Mitte der Schulterblätter.

Abhängig von den Untersuchungsbefunden der Haut und weiterer Differentialdiagnosen sollten Sie im Verdachtsfall bakteriologische und mykologische Untersuchungen veranlassen. Wenn alle diagnostischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und die zugrundeliegende Erkrankung nicht identifiziert werden konnte, sprechen sich die Autoren bei Persistenz des Hautjuckens für eine erneute Untersuchung nach zwölf Monaten aus.

Weisshaar E et al. Rationale Diagnostik bei Pruritus. Dtsch Med Wochenschr 2016; 141: 1711-1716.

Bildquelle: ©Voyagerix-istockphoto.com

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