14. September 2016

So gelingt die erfolgreiche Praxisübergabe!

Irgendwann kommt für jeden niedergelassenen Arzt die Zeit, seine Praxis an einen Nachfolger zu übergeben. Bei der Abgabe der eigenen Praxis gilt es eine Vielzahl von steuerlichen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten zu beachten. Daher sollte mit der Planung bereits rund fünf Jahre vor der geplanten Übergabe begonnen werden.1

Lesedauer: 3,5 Minuten

Nachfolger gesucht

Eine Arztpraxis wird stark vom Inhaber geprägt und oft bestehen Patientenverhältnisse seit vielen Jahren. Bei der Suche nach einem Nachfolger sollte darauf geachtet werden, dass dieser nicht nur über die entsprechende Facharztbezeichnung verfügt, sondern auch in fachlicher, persönlicher und wirtschaftlicher Hinsicht seinem Vorgänger ähnelt. Bei der Suche kann man auf Praxisbörsen zugreifen, Inserate schalten oder mit Hilfe eines Maklers gezielt nach einem passenden Bewerber suchen.

Im Rahmen einer Übergabe bieten sich Job-Sharing-Modelle für einen fließenden Übergang an. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Der übernehmende Arzt ist als angestellter Arzt in der Praxis beschäftigt. Beide Ärzte arbeiten auf einer Zulassung. Dies muss von der Kassenärztlichen Vereinigung genehmigt werden. Der abgebende Arzt hat so die Möglichkeit, kürzer zu treten, während der übernehmende Arzt die Praxis kennenlernen und eine Bindung zu den Patienten aufbauen kann.
  • Alternativ kann es sinnvoll sein, eine halbe Zulassung an den übernehmenden Arzt zu übertragen. Dabei wird dieser an den Gewinnen und Verlusten der Praxis beteiligt; die stillen Reserven und materiellen Werte gehen jedoch noch nicht auf ihn über. Nach einer Probezeit kann auch der verbliebene Teil der Praxis auf den neuen Eigentümer übertragen werden.
  • Ebenfalls möglich ist die Beschäftigung eines Weiterbildungsassistenten, der nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung die Praxis übernimmt. Stellengesuche und -angebote finden sich z.B. bei den Kassenärztlichen Vereinigungen.

Steuerliche Folgen an einem Beispiel

Kommt es schließlich zur Praxisabgabe, gibt es steuerliche Aspekte zu beachten. Steuerpflichtig ist der sogenannte Veräußerungsgewinn, der sich nach Abzug von steuerlichen Restbuchwerten und Veräußerungskosten vom Verkaufspreis ergibt.

Verkaufspreis200.000 Euro
- steuerliche Restbuchwerte40.000 Euro
- Veräußerungskosten10.000 Euro
= Veräußerungsgewinn150.000 Euro

Unter Umständen kann noch ein Freibetrag von bis zu 45.000 Euro abgezogen werden. Allerdings reduziert sich dieser Freibetrag um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn 136.000 Euro übersteigt.

- Freibetrag31.000 Euro
= steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn119.000 Euro

Der verbleibende Betrag wird mit 56 % des durchschnittlichen Steuersatzes versteuert. Diese Vergünstigung kann jedoch nur einmal im Leben beansprucht werden und ist erst ab einem Alter von 55 Jahren oder im Fall einer dauerhaften Berufsunfähigkeit möglich.

Der laufende Gewinn aus dem Betrieb der Praxis beträgt im obigen Beispielfall 50.000 Euro. Die Einkommenssteuerbelastung (nicht verheiratet, keine Kinder, ohne Kirchensteuer und abzüglich 10.000 Euro abzugsfähiger Posten) liegt im Jahr 2016 bei 8.884 Euro. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Steuersatz von 22,21 %.

Daher würde der Steuersatz, mit dem der Veräußerungsgewinn zu versteuern wäre, 12,45 % betragen. Allerdings schreibt das Gesetz einen Mindeststeuersatz von 14 % vor. Die Steuer auf den Veräußerungsgewinn beträgt somit:

119.000 Euro x 14 %       =             16.660 Euro.

Bei einer regulären Versteuerung, selbst mit Gewährung des Freibetrags, würde sich eine Steuer von 45.400 Euro ergeben. Erfolgt die Praxisübergabe im Rahmen einer Schenkung, wird kein steuerlicher Veräußerungsgewinn erzielt. Eine Buchwertfortführung durch den Praxisübernehmer ist jedoch zwingend vorgeschrieben.

Dieses Beispiel zeigt, dass mit einer guten Planung ein erheblicher Steuergewinn erzielt werden kann. Es ist ratsam, erfahrene und kompetente Berater zu Rate ziehen, um die Praxisübergabe optimal zu gestalten und für alle Seiten den größtmöglichen Gewinn zu erzielen.

Unterstützung beim Praxismanagement

Weiterführende Informationen und Hinweise über rechtliche, steuerliche und betriebswirtschaftliche Aspekte der Praxisübergabe – darunter auch eine Übergabe-Checkliste – finden Sie im Jahrbuch für Ärzte und Zahnärzte und auf der Plattform www.atlas-arztinfo.de.

Gerne stellt Ihnen coliquio weitere Themen rund um die effiziente Führung einer Praxis aus dem Jahrbuch für Ärzte und Zahnärzte vor. Wählen Sie hierfür Ihr Wunschthema, ganz nach Ihren eigenen Interessen.

Dieser Beitrag wird vertreten von Dr. Bernd Rebmann, REBMANN RESEARCH.
Dr. lic. oec. Bernd Rebmann ist Gründer und Geschäftsführer der REBMANN RESEARCH GmbH & Co. KG. Das Unternehmen arbeitet im Bereich Marktanalyse und Informationstechnologien für namhafte Unternehmen. Es betreibt ATLAS-MEDICUS®, eine Onlineplattform für wirtschaftliche Informationen rund um das Gesundheitswesen. REBMANN RESEARCH ist zusammen mit dem Deutschen Sparkassen Verlag auch Herausgeber des Jahrbuchs für Ärzte und Zahnärzte 2016. 

  1. Bernd Rebmann, Jahrbuch für Ärzte und Zahnärzte 2016, 7. Auflage 12/2015, S. 689-728
Kapitel “Praxisabgabe” Autor: Dietmar Sedlaczek, Kanzlei SPS Steuern & Recht, Berlin

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