21. Februar 2017

Vitamin C, Knoblauch und Echinacea: Was hilft bei der Prävention von Atemwegsinfekten?

Durchschnittlich erkrankt jeder Erwachsene 2-3 mal jährlich an einer akuten respiratorischen Erkrankung (ARE), Kinder sogar noch häufiger. Zur Vorbeugung werden oftmals Vitamine, Mineralien oder pflanzliche Arzneimittel eingenommen. Doch was hilft aus wissenschaftlicher Sicht wirklich und was ist überflüssig?

Dieser Artikel beruht auf einer Publikation in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift 2017; 142(03): 217-224 1 und wurde von Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, für Sie aufbereitet.

Vitamin C: Nur in manchen Situationen vorteilhaft

Seit Jahrzehnten wird Vitamin C zur Prävention von Erkältungskrankheiten eingenommen, auch der Nobelpreisträger Linus Pauling vertraute darauf. Ein Cochrane-Review konnte eine signifikante Reduzierung der Dauer der Symptome zeigen.2 Allerdings betrug diese bei der Einnahme von hochdosiertem Vitamin C (>1 g/Tag) weniger als einen Tag. Die Inzidenz von Atemwegserkrankungen wurde bei gesunden Probanden nicht beeinflusst. Allerdings profitieren Personen, die unter hoher körperlicher Belastung stehen oder stressigen Situationen ausgesetzt sind, von der Einnahme. Ihr Risiko für Erkältungskrankheiten war bei einer Dosis von >200 mg/Tag halbiert.

Bei einer Dosis von >4 g/Tag können Nebenwirkungen wie Diarrhö und gastrointestinale Störungen auftreten. Ergebnisse zur Langzeitwirkung liegen noch nicht vor. Ob für eine relativ geringe Reduzierung der Krankheitsdauer potenzielle Nebenwirkungen in Kauf genommen werden sollten, ist fraglich.

Zink: Nebenwirkungen bedenken

Als präventives Mittel wird häufig Zink angewendet, da dieses die Bildung proinflammatorischer Zytokine hemmt. In einem Review der Cochrane Collaboration konnte gezeigt werden, dass die Einnahme von Zink (75 mg/Tag) 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome die Erkältungsdauer signifikant verminderte.3 Eine prophylaktische Zinksupplementierung war jedoch ohne Wirkung auf die Inzidenz von ARE. Zudem kam es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Diarrhö, Obstipation und Mundtrockenheit.

Bei gesunden Kindern konnte jedoch gezeigt werden, dass eine präventive, mehrmonatige Zinkeinnahme (10-15 mg/Tag) sich positiv auf die Inzidenz auswirkte. Allerdings war der Nutzen eher gering und sollte den Nebenwirkungen kritisch gegenübergestellt werden.

Echinacea: Wenn, dann purpurea

Sonnenhüte sollen als Arzneipflanzen das Immunsystem positiv beeinflussen. Auch aufgrund der verschiedenen eingesetzten Präparate (u.a. Echinacea angustifolia, Echinacea purpurea und Echinacea pallida) sind die Studienergebnisse sehr heterogen und die Evidenzlage gering. Ein signifikanter Nutzen in der Prävention konnte in einem Cochrane-Review nicht gezeigt werden.4 Jedoch scheint es einen positiven Einfluss auf die Dauer und Schwere der Symptome zu geben.

Eine randomisierte, placebo-kontrollierte Studie mit Echinacea purpurea konnte bei viermonatiger, präventiver Einnahme die Häufigkeit von Atemwegsinfekten und auch die Zahl der Krankheitstage reduziert werden.5 Nebenwirkungen sind bei Echinacea-Präparaten nicht bekannt. Daher kann eine Einnahme über mehrere Monate empfohlen werden, am effektivsten scheint Echinacea purpurea zu sein.

Knoblauch: Effektiv, aber unangenehmer Geruch

Auch der Knoblauchknolle werden antivirale und antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben. Die Wirkung von Knoblauch auf ARE wurde ebenfalls in einem Cochrane Review untersucht.6 Dabei zeigte sich, dass eine dreimonatige Einnahme von Knoblauch-Tabletten (180 mg/Tag) die Infektionsrate signifikant reduzierte. Kommt es jedoch zu einer Ansteckung, wird die Dauer der Erkrankung durch Knoblauch nicht verändert.

Signifikante Effekte auf die Dauer, Schwere und Variabilität der Symptome konnte eine Studie für die dreimonatige Einnahme von Aged Garlic Extract finden.7 Zudem waren im Blut der Studienteilnehmer natürliche Killerzellen und γ-δ-T-Zellen mit einer erhöhten Proliferationsrate und Aktivität meßbar. Beobachtete Nebenwirkungen waren Hautausschläge und ein gelegentlicher unangenehmer Geruch.

Physikalische Maßnahmen: Einfach und wirkungsvoll

Die wirksamste Schutzmaßnahme, um Infektionen vorzubeugen, ist, die Übertragung der Erreger zu verhindern. Regelmäßiges Händewaschen, die Verwendung von Desinfektionsmitteln und das Tagen von Handschuhen oder Gesichtsmasken reduziert die Verbreitung von ARE-Erregern, wie Rhino-, Corona- und Influenzaviren, signifikant.8 Besonders Kinder profitieren von derartigen Maßnahmen, die weder mit Nebenwirkungen noch mit hohen Kosten verbunden sind.

Die Aufklärung über die Bedeutung des Händewaschens führte in der PRIMIT-Studie zu selteneren Infekten und weniger Krankheitstagen.9 Das erhöhte Hygienebewusstsein war außerdem mit weniger Ansteckungen von Familienmitgliedern, einer geringeren Intensität der ARE-Symptome und deutlich weniger gastrointestinalen Infektionen verbunden.

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  1. Voß S et al. Prävention von Infekten der oberen Atemwege. Dtsch Med Wochenschr 2017; 142: 217-224.
  2. Hemilä H et al. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2013. DOI: 10.1002/14651858.CD000980.pub4
  3. Singh M et al. Zinc for the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2011; 2. DOI: 10.1002/14651858.CD001364.pub3
  4. Karsch-Völk M et al. Evaluation of echinacea for the prevention and treatment of the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2014. 10.1002/14651858.CD000530.pub3
  5. Jawad M et al. Safety and Efficacy Profile of Echinacea purpurea to Prevent Common Cold Episodes: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Evid Based Complement Altern Med 2012: 841315.
  6. Lissiman E et al. Garlic for the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2014. DOI: 10.1002/14651858.CD006206.pub4
  7. Percival SS. Aged Garlic Extract Modifies Human Immunity. J Nutr 2016; 146: 433-436.
  8. Jefferson T et al. Physical internventions to interrupt or reduce the spread of respiratory viruses. Cochrane Database Syst Rev 2011. DOI: 10.1002/14651858.CD006207.pub4
  9. Little P et al. An internet-delivered hand-washing intervention to modify influenza-like illness and respiratory infection transmission (PRIMIT): a primary care randomised trial. Lancet 2015; 386: 1631-1639.

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