01. August 2017

Rückenschmerzen & Adipositas: Ärzte übersehen tödliche Erkrankung

Bei einem adipösen Patienten wird trotz verschiedener Symptome und mehrerer Besuche bei Haus- und Fachärzten die infauste Diagnose erst sehr spät gestellt. Die Ärzte hatten sich fälschlicherweise auf die Gewichtsproblematik fokussiert. (Lesedauer: 2 Minuten)

Der Vorfall wurde im Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen “Jeder Fehler zählt”1 gemeldet und von Christoph Renninger für Sie aufbereitet.

Adipös mit Rückenschmerzen: Keine weiteren Untersuchungen nötig?

Der stark übergewichtige Juan A.* stellt sich mit Rückenschmerzen und einer schmerzhaften Schwellung im Bein bei seinem Hausarzt vor. Da er bereits an einer Thrombose gelitten hatte, fragt er in gebrochenem Deutsch, ob es sich erneut um eine Thrombose handeln könnte. Der Hausarzt verneint diese Vermutung und weist auf die Adipositas hin. Im weiteren Verlauf überweist er Juan A. an eine orthopädische Praxis. Doch auch der Facharzt betont die offensichtlichen Gewichtsprobleme des Patienten und nimmt keine weiteren Untersuchungen vor.

Als die Schmerzen sich akut verschlechtern, wendet sich der Mann erneut an seinen Hausarzt. Doch dieser untersucht das Bein nicht genauer und verweist wieder auf einen Facharzt für Orthopädie. Da der Patient zudem über Luftnot klagt, wird ein Test der Lungenfunktion durchgeführt. Der Orthopäde empfiehlt Rehasport und überweist den Patienten an einen Facharzt für Chirurgie. Dabei veranlasst er keine Röntgenuntersuchungen des betroffenen Beins.

Bronchialkarzinom & Lungenarterienembolie: Doch nicht einfach nur dick?

Erst beim Chirurgen beginnt eine adäquate Behandlung. Juan A. wird mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht, erst dort wird bei weiteren Untersuchungen klar, wie schwer Juan A. eigentlich krank ist. Es wird ein Bronchialkarzinom mit Metastasen in der Leber, an der gesamten Wirbelsäule und am Becken diagnostiziert. Die Metastasen sind für die zunehmenden Schmerzen im Rücken und in den Beinen verantwortlich. Zudem liegt eine Fraktur des Beckens vor. Die Atemprobleme sind auf eine Thrombose und eine Lungenarterienembolie zurückzuführen, welche ebenfalls vom Hausarzt nicht diagnostiziert worden sind.

Expertenkommentar: Immer über den ersten Gedanken hinwegsehen

Das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt kommentiert den Fall auf der Fehlerberichtsseite und betont, wie wichtig es sei, bei der Diagnose über den ersten Gedanken hinweg zu sehen. Ein Patient stellt sich mit Rückenschmerzen vor: Warum ist eine Röntgenaufnahme des Thorax zur Untersuchung nicht vorgenommen worden?

Auch eine weitergehende Diagnostik ordnen die behandelnden Ärzte nicht an. Stattdessen mahnen sie den Patienten aufgrund seines Übergewichts an. Selbst der beginnende Aszites wird als adipös wahrgenommen. Auch wenn die Diagnose offensichtlich sei, gilt es zu überlegen, welche Ursachen für die Symptome eines Patienten neben dem augenscheinlichen Grund noch in Frage kommen könnten.

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  1. “Nicht immer ist das Offensichtliche das Richtige”. Jeder Fehler zählt, Reportnummer: 879.

  • Name von der Redaktion geändert.

Bildquelle: © Artsanova-istockphoto.com

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