15. September 2016

Linsenbäder & Co: Auf diese Hausmittel schwören Ihre Kollegen

Nicht für jedes Hausmittel liegen evidenzbasierte Studien zur Wirksamkeit vor – dennoch schwören auch viele Ärzte bei kleineren Wehwehchen auf altbewährte Rezepturen, wie eine spannende Frage zu diesem Thema auf coliquio zeigte. Erfahren Sie hier, zu welchen Naturmitteln Ihre Kollegen bei Magenproblemen, Insektenstichen oder Erkältungen greifen.

Lesedauer: 3,5 Minuten

Der folgende Text basiert auf einer Diskussion zum Thema „Hausmittelchen und deren Wirkung“^1^, eingestellt vom coliquio-Nutzer „rolraus“. Die zahlreichen Empfehlungen und Ratschläge Ihrer Kollegen und das große Interesse an diesem Thema haben uns dazu veranlasst, das Spannendste aus diesem Thread für Sie in übersichtlicher Form zusammenzufassen. Bitte beachten Sie jedoch, dass die Liste keine Gewähr auf Vollständigkeit geben kann.

Analer Juckreiz

  • Ein Blatt Toilettenpapier oder ein Taschentuch zusammengefaltet in die Rima ani einlegen und möglichst in den Anus einführen, so lautet ein Tipp zur Linderung von analem Juckreiz. Dies trocknet den dort vorhandenen Schweiß und damit die zum Juckreiz führenden Keime aus.
  • Eine Anamnese bezüglich Histaminintoleranz empfiehlt „Steamboatwillie“ und nennt als mögliche Auslöser für einen juckenden Anus Rotwein, dunkle Schokolade, alter Hartkäse, Geräuchertes, Salami oder getrocknete Tomaten.

Arthrose & Rheuma

  • Linsenbäder nennt „rolraus“ als wirksames Mittel bei aktivierter Fingergelenkarthrose oder in Rheumaschüben. Sein Rezept: Man fülle eine große Salatschüssel mit getrockneten Linsen, werfe einen Hemdknopf hinein und suche diesen für zehn Minuten mit den Fingern ohne hin zu schauen. Die Hände sollten ganz von Linsen bedeckt sein. Durch die lockeren Bewegungen gegen leichten Widerstand klingen die Beschwerden rascher ab. Der Massageeffekt führt zu besserer Durchblutung und damit reduzierter Regenerationsphase. Erwärmt oder kühlt man die Linsen vorher erzielt man zusätzlich eine thermische Wirkung.

Erkältung, Halsschmerzen & Husten

  • Knoblauch und Ingwer lautet ein Tipp von Nutzer „kosmas“: Eine kleine Knoblauchzehe und die gleiche Menge an frischen Ingwer fein gehackt mit einer Tasse heißen Wasser aufbrühen. Den Trunk etwas abkühlen lassen und den Saft einer Zitrone sowie Honig (quantum satis) hinzufügen. Heiß trinken und die Ingwerstückchen kauen. Der Ingwer hebt den unangenehmen Knoblauchgeruch auf.
  • Schokolade empfiehlt „dudeldoc“ bei Husten und Halsschmerzen: Langsam lutschen, nicht zerkauen! Je dunkler die Schokolade desto besser.
  • Hochprozentiges gegen Halsschmerzen (nur für Erwachsene!) oder Gingivitis: Mit etwa 20 ml Rum, Whisky oder Cognac lange gurgeln und möglichst wieder ausspucken (muss aber nicht sein).
  • Eichenrindentee gurgeln bei Rachenentzündungen.

Harnwegsinfekte

  • Cranberries zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten nennt die „Benutzerin“: Cranberries enthalten eine Substanz, welche die Adhesion von Fimbrien der uropathogenen Keimen (zB uropathogene E. coli) ans Uroepithel verhindern.

Magenprobleme & Durchfall

  • Kamillen- und Pfefferminztee
  • Salzstangen und Cola bei Gastroenteritits: Allerdings lehnen einige Ärzte Cola aufgrund der „teils geheimen“ Chemikalien ab. Gerade deshalb, so „Silhouette“, sei der Genuss von Cola aber gut geeignet bei verdorbenen oder grenzwertigen Lebensmitteln, vor allem auf Reisen.
  • Natron gegen Sodbrennen
  • Dünner, lang gezogener schwarzer Tee eventuell mit Traubenzucker.
  • Schokolade gegen Seekrankheit vor dem „ersten Opfergang“.
  • Gegen Durchfall getrocknete Heidelbeeren oder Cranberries (Gerbstoffe binden an Eiweiße und ziehen die Schleimhäute zusammen), feingeriebene Äpfel(Apfelfaser bindet Flüssigkeit und Toxine) oder gut gesalzene Möhrensuppe.

Sonnenbrand, Verbrennungen & Insektenstiche

  • Quarkumschläge: Die kühle Masse zieht die Wärme aus dem Gewebe (Alternative zu coolpacks).
  • Aloe Vera bei Sonnenbrand und Verbrennungen.
  • „Spucke“ bei Mücken- und Bremsenstichen, sowie Ameisenbisse und Brennesselquaddeln, und hilft laut „dudeldoc“ sogar gegen Quallen-Quaddeln: Die Wirkung erfolge aufgrund der Kühlung durch Verdunstungskälte, sekretorisches IgA und einem alkalischen pH-Wert der die Ameisen- und Oxalsäure neutralisiert. Weitere Empfehlungen bei Insektenstichen sind aufgetupfter Salmiakgeist (9,6 – 9,8 %) sowie Essig und angefeuchtete Seife.

Wunde Haut, Hautentzündungen & Verletzungen

  • Zinksalbe auf wunde Babypopos und wunde Stellen zwischen den Zehen. Wichtig: Nicht bei Pilzinfektionen anwenden!
  • Süßes auf infektionsgefährdete Verletzungen empfiehlt „mandoep“, z.B. Zucker oder Honig.
  • Eichenrindenumschläge bei intertriginösem Ekzem - alternativ schwarzer Tee oder der chemische Gerbstoff Tannosynt.
  • Heiße Kernseifenbäder bei Nagelwallentzündungen an Zeh oder Finger.

Zahnschmerzen & Entzündungen im Mund- und Rachenbereich

  • Nelken: Die getrockneten Blütenknospen enthalten Eugenol, ein ätherisches Öl, das das Wachstum von Bakterien, Pilzen und Viren hemmt und leicht schmerzstillend, örtlich betäubend und antientzündlich wirkt. Bei Zahnschmerzen kann zur Linderung eine Nelke zwischen die Backe und dem betreffenden Zahn geschoben werden. Leichtes Kauen der Gewürznelke setzt zusätzlich ätherisches Öl frei.
  • Salbeitee, Kamillentee, Grüntee: Trinken beziehungsweise spülen.
  • Kontinuierliches Kühlen„Steamboatwillie“ empfiehlt zur Schmerzlinderung und zum Abschwellen nach zahnchirugischen Eingriffen (Implantantsetzung) einen sauberen Haushaltseimer mit kaltem Leitungswasser zu befüllen und 2-3 Kühlakkus aus der Tiefkühltruhe hineinzugeben. Ein Handtuch mit dem Eiswasser nass machen, auswinden, falten und auf das OP-Gebiet von außen auflegen. Bei Implantaten im Bereich der Unterkieferzähne sollen die Patienten auf eine “eiswassergekühlte Handtuchwurst” beißen. Die Eiswassermethode helfe natürlich auch an anderen Körperregionen.
  • Getrocknete Cranberries oder Heidelbeeren gegen Parodontalerkrankungen.

Übrigens: Auch der Glaube an die Wirkung zählt

Für einige Naturmittel liegen Studien zur Wirksamkeit vor – doch nicht für alle. Gleichwohl betonen einige Ärzte bei der Anwendung von Hausmitteln auch die Wichtigkeit des Glaubens an deren Wirkung – dieser könne durchaus unterstützend wirken.

  1. coliquio-Thread vom 5. August 2016: „Hausmittelchen und ihr medizinischer Hintergrund“

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