10. März 2018

Teil 2

Herzstillstand an Bord: Empfehlungen für Ärzte

In medizinischen Notfällen ist unter Umständen eine Zwischenlandung indiziert. Erfahren Sie hier, in welchen Fällen die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin (DGLRM) e.V. zu einer solchen außerplanmäßigen Landung rät und welche Risiken abzuwägen sind.1,2 (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag wird vertreten von Prof. Dr. Jochen Hinkelbein, Klinik für Anästhesiologie und Operative Medizin am Universitätsklinikum Köln. Redaktion: Dr. Nina Mörsch.

Außerplanmäßige Zwischenlandung: Sofort nach ROSC durchführen

Bei medizinischen Problemen und Notfällen muss gelegentlich eine außerplanmäßige Zwischenlandung (Diversion) durchgeführt werden. Diese ist jedoch mit einem hohen Aufwand assoziiert, weiß Prof. Hinkelbein. Auch muss die Diversion gegen potenzielle Risiken wie Notablassen von Treibstoff, Landung mit zu hohem Ladegewicht oder entstehenden Folgekosten abgewogen werden. Dennoch sprechen sich europäische und deutsche Reanimationsleitlinien für eine baldige Landung bei medizinischen Notfällen aus.

Reanimation während der Landung fortführen

Ob eine Diversion sofort nach Erkennen des Herz-Kreislauf-Stillstands oder erst nach stattgehabten Wiedererlangen des Spontankreislaufs (ROSC Return of Spontaneous Circulation) durchgeführt werden soll, wird noch kontrovers diskutiert. Unumstritten ist jedoch, dass eine außerplanmäßige Landung spätestens nach einem ROSC erfolgen sollte. Wenn für die Helfer vertretbar, empfiehlt die aktuelle S2e-Leitlinie der DGLRM, die Reanimationsbemühungen auch während des Landeanflugs weiterzuführen. Bei erfolgloser Reanimation kann nach 20 bis 30 Minuten ein Abbruch der Maßnahmen in Erwägung gezogen werden, so Prof. Hinkelbein. 

Die Entscheidung über den Zeitpunkt und den Zielort einer Diversion liegt indes in letzter Instanz beim Flugkapitän.

Besatzung und Crew muss regelmäßig trainiert werden

Die Zeitdauer bis zu einer möglichen Zwischenlandung und dem Eintreffen bodengebundener Hilfe kann bei einem medizinischen Notfall bis zu mehreren Stunden reichen. Unter Umständen muss dieser Zeitraum von der Flugbesatzung überbrückt werden, bis qualifizierte medizinische Hilfe eintrifft. Die Besatzung sollte deshalb mindestens einmal – besser zwei Mal – im Jahr in Basismaßnahmen zur Reanimation trainiert werden, heißt es in der Leitlinie.

“Niemals zögern, Hilfe zu leisten”

Abschließend erklärt Prof. Hinkelbein: “Im Notfall sollte man als Arzt an Bord eines Luftfahrzeugs niemals zögern Hilfe zu leisten. Die vielerorts aufgeführten Haftungsprobleme sind in den allermeisten Fällen völlig unbegründet. Im Notfall geht die Hilfe stets vor.”

Zur Person: Prof. Dr. med. Jochen Hinkelbein ist Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Köln. Seine Forschungsschwerpunkte sind Proteinbiochemie, Biomarker, Atemwegsmanagement und notfallmedizinische Fragestellungen. Er ist außerdem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin (DGLRM) e.V., Fellow of the Aerospace Medical Association (FAsMA) sowie Schatzmeister der European Society of Aerospace Medicine (ESAM). Folgen Sie Prof. Dr. Hinkelbein hier.

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Videodauer: 2 Minuten.

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1. Hinkelbein, J., Adler, C., Bernhard, M. et al. Empfehlungen der S2e-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin zu Herz-Kreislauf-Stillstand und kardiopulmonaler Reanimation während Linienflügen. Notfall Rettungsmed (2018) 21: 49

2. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin e.V.: In-flight Cardiopulmonary Resuscitation during Commercial Air Transport, 08/2016

Bildquelle: istockphoto.com, Bildnachweis: Flightlevel80

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