10. März 2018

Aus dem Kollegenkreis

Herzstillstand an Bord: Empfehlungen für Ärzte

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand im Flugzeug ist ein sehr seltener Notfall. Allerdings hängt dessen Ausgang extrem von der Versorgung innerhalb der ersten Minuten ab. Ziel der aktuellen S2e-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin e.V. (DGLRM) ist es, Ärzte bei solchen lebensbedrohlichen Ereignissen zu unterstützen. (Lesedauer: 2 Minuten)

Der folgende Beitrag wird vertreten von Prof. Dr. Jochen Hinkelbein, Klinik für Anästhesiologie und Operative Medizin am Universitätsklinikum Köln. 1,2 Redaktion: Dr. Nina Mörsch.

Mit fortschreitendem demografischen Wandel steigt auch der Anteil von Flugpassagieren mit erheblichen Vorerkrankungen: Bis zu 64 % der älteren Passagiere berichten über eine vorbestehende Erkrankung. „Auch wenn der Herz-Kreislauf-Stillstand nur einen Anteil von 0.3 % an allen Notfällen an Bord aufweist, so liegt die Mortalität doch bei 86 %“, erläutert Prof. Hinkelbein, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin (DGLRM) e.V. und Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Köln. Kommt es zu einem solchen schwerwiegenden Ereignis, stehen mitfliegende Ärzte und die Besatzung daher vor erheblichen Herausforderungen.

Neue Leitlinie mit 28 evidenzbasierten Empfehlungen

Die neuen Empfehlungen der S2e-Leitlinie der DGLRM zu Herz-Kreislauf-Stillstand und kardiopulmonaler Reanimation haben deshalb zum Ziel, Ärzte, Flugbegleiter und auch Airlines besser auf den Ernstfall an Bord vorzubereiten und so auch das Behandlungsergebnis bei betroffenen Passagieren zu verbessern. Die Leitlinie enthält insgesamt 28 evidenzbasierte Empfehlungen zur optimalen Vorgehensweise im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstands. Prof. Dr. Jochen Hinkelbein fasst einige der wichtigsten Empfehlungen im Folgenden zusammen:   

Medizinische Ausrüstung: Das sollte im Flieger vorhanden sein

Es besteht starker Konsens darüber, dass folgende Geräte und Medikamente während eines Fluges an Bord verfügbar sein sollten:

  • EKG
  • Defibrillator
  • Intravenöser Zugang
  • Epinephrin, Amiodaron, Lidocain, Glukose und Midalozam
  • Pulsoximeter
  • Blutdruckmessgerät
  • Supraglottische Hilfsmittel, z.B. Larynxmaske oder- tubus

Notfallequipment: Jeder sollte über den Standort informiert sein

Weil prinzipiell alle Crew-Mitglieder und auch Passagiere potenzielle Helfer bei der Reanimation sind, sollte jeder an Bord über den Aufbewahrungsort des Notfallequipments als auch über dessen Inhalt Bescheid wissen. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, diese Informationen zu Beginn des Fluges über die Sicherheitsansage bekannt zu geben und auf den Notfallkarten am Sitzplatz sichtbar anzubringen.

Reanimation: Im Idealfall zu zweit durchführen

Das Ausrufen von professionellen Helfern mittels Borddurchsage ist nach wie vor unabdingbar, um schnell bestmöglich qualifizierte Hilfe leisten zu können, erklärt Prof. Hinkelbein. Auch wenn die Durchsage unter Umständen andere Passagiere beunruhigen kann, sollte darauf nicht verzichtet werden.

Für die Durchführung von Basic Life Support und Advanced Life Support stehen im Idealfall zwei Helfer zur Verfügung, von denen einer aus dem professionellen medizinischen Bereich kommt. Aber auch in Basismaßnahmen der Reanimation trainierte Mitglieder der Cabin Crew und erfahrene Laien können Thoraxkompressionen durchführen. Die Helfer sollten sich alle 2 Minuten abwechseln, um auch in den engen Umgebungsbedingungen an Bord nicht zu schnell zu ermüden (siehe auch ERC guidelines).

Lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags, zu welchem Zeitpunkt eine außerplanmäßige Zwischenlandung durchgeführt werden sollte und welche Risiken dabei abzuwägen sind.

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Welche Fachärzte behandeln die meisten Patienten? Pflegekräfte sollen ärztliche Aufgaben übernehmen – diese und andere Themen der Woche finden Sie in unserem 2-minütigen News-Video:

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Videodauer: 2 Minuten.

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1. Hinkelbein, J., Adler, C., Bernhard, M. et al. Empfehlungen der S2e-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin zu Herz-Kreislauf-Stillstand und kardiopulmonaler Reanimation während Linienflügen. Notfall Rettungsmed (2018) 21: 49

2. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin e.V.: In-flight Cardiopulmonary Resuscitation during Commercial Air Transport, 08/2016

Bildquelle: istockphoto.com, Bildnachweis: damircudic

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