28. Dezember 2017

GOÄ: So können Sie Ihre Einnahmen steigern

Arztpraxen verlieren viel Geld bei der Abrechnung gegenüber Selbstzahlern, weil sie bestimmte Gegebenheiten der GOÄ übersehen. Die abrechnungsrelevante Definition eines Quartals aus dem GKV-Bereich entpuppt sich dabei als häufige Fehlerquelle. (Lesedauer: 2 Minuten)

Der folgende Beitrag wird vertreten durch Dieter Jentzsch, Referent für ärztliches Honorarwesen bei der Ärztlichen Verrechnungsstelle Büdingen GmbH. Redaktionelle Umsetzung: Marina Urbanietz.

Behandlungsfall: Am Folgetag des Folgemonats neu berechnen

Für die Liquidation nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist vor allem die Definition des Behandlungsfalls wichtig. Dabei beginnt ein Behandlungsfall für eine und dieselbe Krankheit am Folgetag des Folgemonats von Neuem. Wird also ein Patient am 03.01.2018 erstmals wegen einer Krankheit behandelt, beginnt für dieselbe Krankheit der neue (oder der nächste) Behandlungsfall am 04.02. 2018. Auch eine neue Diagnose innerhalb dieser Monatsfrist löst einen neuen Behandlungsfall aus. Damit können Leistungen, die in der GOÄ „nur einmal im Behandlungsfall“ gemeinsam mit weiteren GOÄ-Positionen berechnet werden dürfen, wieder miteinander angesetzt werden.

Quartalsirrtum: Vor allem bei Beratungsgesprächen & Untersuchungen

Ziffer 1 und 3: Häufig glauben Ärzte, im Quartal würden Beratungsgespräche und körperliche Untersuchungen grundsätzlich nur ein- oder zweimal anerkannt. Das zieht unnötige Honorarverluste nach sich. Dagegen sind die Beratungsgespräche – hauptsächlich nach den Ziffern 1 und 3 – ebenfalls mit dem Begriff „Behandlungsfall“ verbunden.

Ziffer 1, 5, 6, 7 und 8: Ziffer 1 und/oder 5 können gemeinsam mit weiteren Positionen aus den Abschnitten C bis O der GOÄ nur einmal im Behandlungsfall berechnet werden. Diese Kombination ist nicht zwingend für den ersten Behandlungstag reserviert. Stehen 1 und 5,6,7 oder 8 allein, können sie so oft berechnet werden, wie medizinisch notwendig und vollständig erbracht.

Ziffer 3: Die Ziffer 3 (Beratung ab 10 Minuten) kann im selben Behandlungsfall nur dann mehrmals berechnet werden, wenn dies in der Rechnung nachvollziehbar begründet wird. Die Folge des Quartalsirrtums ist, dass Selbstzahlern und Privatpatienten erbrachte Leistungen manchmal überhaupt nicht berechnet werden.

GOÄ benennt nur wenige Abrechnungsausschlüsse

Nicht nur der Behandlungsfall ist durch die GOÄ anders definiert. Die GOÄ gilt nämlich für alle beruflichen Leistungen der Ärzte, „soweit nicht durch ein Bundesgesetz etwas anderes bestimmt ist“. In diesem Halbsatz steckt die gesamte vertragsärztliche Versorgung.

Ein Budget, das im GKV-Bereich zur Honorarmengenbegrenzung eingesetzt wird, gibt es im GOÄ-Sektor nicht. Jede erbrachte Leistung wird bezahlt, wenn das in der GOÄ so vorgesehen ist. Die GOÄ benennt nur wenige Abrechnungsausschlüsse. So sind unter anderem (und hier nur beispielsweise genannt) – Beratungen und Untersuchungen am gleichen Tag neben der Vorsorge nach Ziffer GOÄ 29 ausgeschlossen.

Schnelle Liquidation oft sinnvoll

Manche Ärzte warten mit ihrer Liquidation immer das Ende eines Quartals ab. Dies hemmt jedoch einen raschen Zahlungsfluss. Die Honorare können gegenüber Selbstzahlern jederzeit berechnet werden und sind fällig, sobald der Patient eine den Formvorschriften des § 12 GOÄ genügende Rechnung erhält. Viele hochspezialisierte Praxen (z.B. M III/IV-Labor, Histologie pp.) liquidieren innerhalb einer Frist von 10 – 15 Tagen, nachdem sie ihre Leistung erbracht haben. Privathonorare können grundsätzlich berechnet werden, wenn eine Leistung vollständig erbracht wurde.

Viele Patienten sind für eine schnelle Liquidation sogar dankbar, weil sie die verauslagten Medikamente ihren Kostenträgern gemeinsam mit der dazu gehörenden Arztrechnung vorlegen können.

Dieter Jentzsch ist als Referent für ärztliches Honorarwesen bei der Ärztlichen Unternehmensgruppe Büdingen tätig. Er leitete mehr als 16 Jahre die Geschäftsstellen in Mainz und Frankfurt. Parallel dazu hält und entwickelt er für Büdingen Med Themen- und zielgruppenspezifische Seminare zur GOÄ.

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