14. Februar 2017

Erhöhte Leberwerte: Übersicht für eine schnelle Diagnostik – Transaminasen

Erhöhte Leberwerte kommen häufig im Praxisalltag vor. Das Muster der Veränderungen kann Ihnen wichtige Hinweise zur Differentialdiagnose liefern. In dieser Übersicht finden Sie erste Einordnungen und Hinweise für eine weiterführende Diagnostik. 

Zentrale Punkte der Übersichtsarbeit „Erhöhte Leberwerte“, erschienen in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, fasst Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, hier für Sie zusammen.

Lebererkrankungen lassen sich – im Zusammenhang mit einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung – vor allem anhand zweier Gruppen von Serumenzymen nachweisen:

Transaminasen, die vorwiegend bei Schädigung der Hepatozyten verändert sind und die eher zum Ausschluss als zum Nachweis einer Erkrankung geeignet sind:

  • GOT (Glutamat-Oxalazetat-Transaminase)
  • GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase)

Cholestaseenzyme, die eine Galleabflussstörung anzeigen:

  • γ-GT (γ-Glutamyltranspeptidase)
  • AP (alkalische Phosphatase)

Mehr über die möglichen Ursachen von Veränderungen der Cholestaseenzyme finden Sie im zweiten Teil des Artikels.

Veränderungen dieser Enzyme können drei verschiedenen Entitäten von Erkrankungen zugeordnet werden:

Leberwerte und differentialdiagnostische Abklärung, nach (1)
GOTGPTγ-GT APDifferentialdiagnose
Hepatozellulärer Schaden↑↑↑↑(↑)Virale Hepatiden,
autoimmune Hepatitis,
metabolische Störungen
Cholestase↑↑↑↑Intrahepatische Cholestase,
extrahepatische Cholestase
Toxisch/Infiltration(↑)↑↑Alkohol,
Tumor,
NASH

Erkrankungen mit vorwiegender Transaminaseerhöhung

1. Virale Hepatitis
Hinweise für eine Hepatitis-Virusinfektion können sich aus der Anamnese ergeben. Wichtige Risikofaktoren sind Auslandsaufenthalt, sexueller Kontakt mit möglicherweise infizierten Personen, Drogenkonsum oder etwa für Hepatitis E der Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Fleisch (Wild, Schwein). Zur Primärdiagnostik gehört der Nachweis der entsprechenden Antikörper im Blut. Hepatitis D ist nur bei Nachweis von HBsAg möglich und weiter abzuklären.

2. Autoimmunhepatitis (AIH)
Diese Erkrankung ist besonders bei jungen Frauen eine häufige Ursache für Transaminasenerhöhungen. Als Beweis gilt das gleichzeitige Vorliegen folgender Kriterien:

  • Nachweis von Autoantikörpern (ANA, antinukleäre Antikörper; ASMA, Antikörper gegen glatte Muskulatur)
  • Erhöhung der γ-Globuline
  • Ausschluss einer viralen Genese
  • Passende Histologie

Erhöhte Transaminasen und AIH tritt auch bei Zöliakie auf. Eine diagnostische Klärung durch den Nachweis von Antikörpern gegen Gewebstransglutaminase sollte daher auch ohne typische Symptome einer Zöliakie durchgeführt werden.

3. Primäre Hämochromatose
In seltenen Fällen kann eine genetische Erkrankung des Eisenstoffwechsels ebenfalls Lebererkrankungen auslösen. Der Verdacht aufgrund klinischer Symptome (Transaminasenerhöhung, Bronze-Diabetes, Hautpigmentierung) kann durch folgende serologischen Untersuchungen bestätigt werden:

  • Eisen (Fe)
  • Transferrin (TF)
  • Transferrinsättigung [%] (= Fe[µg/dl]/TF[mg/dl] x 70,9)
  • Ferritin

Erhöhte Eisenparameter sind allerdings auch bei Alkoholexposition und einer nicht alkoholischen Fettleber zu beobachten. Erst nach Ausschluss dieser Ursachen, sollte eine genetische Untersuchung des HFE (High Iron Fe)-Gens erfolgen.

4. Hypoxische und vaskulär bedingte Schäden
Eine ischämische Schädigung der Leber kann ebenfalls einen Anstieg der Transaminasen zur Folge haben. Mögliche Ursachen sind eine schlechte Oxygenierung des Blutes, eine Rechtsherzinsuffizienz und ein Blutdruckeinbruch. Sehr selten tritt das Budd-Chiari Syndrom auf, bei dem es zum Verschluss der Lebervenen kommt.

Weitere mögliche Ursachen für erhöhte Transaminasespiegel sind eine hyperkalorische Ernährung über einen längeren Zeitraum oder eine schlechte Blutzuckereinstellung bei Typ 1 Diabetes

5. Arzneimittelschäden
Eine Reihe von Medikamenten kann zu medikamentös-toxischen Leberschädigungen führen. Ein wichtiger Hinweis ist ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Transaminasenerhöhung und der Einnahme des Medikaments. Ebenso wenn das Auslassen des Medikaments zu einer raschen Normalisierung der Laborwerte führt.

Informationen zu Leberschädigungen bei über 650 Medikamente bietet die Seite LiverTox der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA

Lesen Sie hier im zweiten Teil des Beitrags Erhöhte Leberwerte: Übersicht für eine schnelle Diagnostik über mögliche Ursachen einer Erhöhung der Cholestaseenzyme.

  1. Holstege A. Erhöhte Leberwerte. Dtsch Med Wochenschr 2016; 141: 1640-1646

Bildquelle: © interphasesolution- istockphoto.com

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653