13. April 2017

Antibiotika bei Epilepsie-Patienten: Das sollten Sie beachten

Immer wieder kommt es zu Todesfällen, wenn Patienten nach der Gabe von Antibiotika in einen Status Epilepticus fallen. Nun ist die Auswahl von Antibiotika wegen zunehmender Resistenzen immer schwieriger geworden.

Erfahren Sie in diesem Beitrag von der Schweizerischen Epilepsie-Liga, welche Medikamente bei Patienten mit Epilepsie empfehlenswert sind und welche vermieden werden sollten.

Anfallsgefahr nach Einnahme von Antibiotika

Penicillin: Bei bekannter Niereninsuffizienz oder vorherigen epileptischen Anfällen wird die Gefahr von wiederholten Anfällen auf bis zu zehn Prozent geschätzt.

Carbapenemen der vierten Generation, speziell Imipenem (Tienam®); Ciprofloxacin: Ist die Gabe eines dieser Antibiotika bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Hirnläsionen oder Epilepsie unvermeidlich, sollte sein Spiegel im Blut sorgfältig überwacht werden, um eine Vergiftung zu verhindern.

Wichtig: Die substituierten Penicilline wie Ampicillin, Amoxycillin, Floxacillin sind unbedenklich.

Norfloxacin und Ciprofloxacin: Bei bekannter Epilepsie in der Anamnese sind diese Antibiotika nach Möglichkeit zu vermeiden.

Gefährliche Wechselwirkungen mit Antiepileptika!

nsbesondere mit dem beliebten Valproat (Orfiril®, Depakine®) sind Wechselwirkungen bekannt: Carbapeneme wie Meropenem, Imipenem oder Ertapenem sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Durch komplexe Mechanismen fallen die Spiegel innert 48-72 h weitgehend unabhängig von der zugeführten Dosis auf unter 10 Prozent ab.

Auch die ansonsten empfehlenswerten Bactrim®, Klazid®, Furadantin® können mit einzelnen Antiepileptika zu Interaktionen führen (siehe Tabelle).

Antibiotikum oder KlasseMassnahmen bei Patienten mit Epilepsie
Hochdosiertes Penicillin Risikofaktoren Niereninsuffizienz,
Kleinkinder, Betagte, epileptische Anfälle in der Anamnese
Möglichst vermeiden
Carbapeneme (Meronem® -Meropenem, Tienam® -Imipenem, Invanz® -Ertapenem)Möglichst vermeiden, insbesondere in Kombination mit Valproat. Abfall Valproinsäure-Spiegel (Orfiril®, Depakine®). Wenn Carbapeneme verabreicht werden müssen, ist eine engmaschige Kontrolle der Plasmawerte der Valproinsäure durchzuführen oder besser auf ein anderes Antiepileptikum zu wechseln
Noroxin® (Norfloxacin) Risikofaktor: NSAR,
epileptische Anfälle in der Anamnese
Möglichst vermeiden
Ciproxin® (Ciprofloxacin) Risikofaktor: NSAR,
epileptische Anfälle in der Anamnese
Möglichst vermeiden
Cefepim® (Cefepime) Risikofaktor: Niereninsuffizienz,
epileptische Anfälle in der Anamnese
Möglichst vermeiden
Erythrocin® (Erythromycin)Wegen Enzymhemmung durch Erythromycin können erhöhte Plasmakonzentrationen von Carbamazepin, Valproinsäure und/oder Benzodiazepinen auftreten. Messung der Antiepileptika-Spiegel empfohlen.
Bactrim®(Trimethoprim/Sulfamethoxazol)Wegen Enzymhemmung durch Trimethoprim können erhöhte Phenytoinkonzentrationen auftreten. Messung der Phenytoin-Spiegel empfohlen.
Augmentin®(Amoxicillin/Clavulansäure)Kann relativ sicher eingesetzt werden
Tazobac®(Piperacillin/Tazobactam)Kann relativ sicher eingesetzt werden
Amikin® (Amikacin),Garamycin® (Gemtamycin),
Obracin® (Tobramycin)
Kann relativ sicher eingesetzt werden
Klazid® (Clarithromycin)Wegen Enzymhemmung durch Clarithromycin können erhöhte Plasmakonzentrationen von Carbamazepin, Phenytoin, Valproinsäure und Benzodiazepinen auftreten. Messung der Antiepileptika-Spiegel empfohlen.
Dalacin® (Clindamycin)Kann relativ sicher eingesetzt werden
Rocephin® (Ceftriaxon)Kann relativ sicher eingesetzt werden
Furadantin® (Nitrofurantoin)Nitrofurantoin kann die Plasmakonzentrationen von Phenytoin erniedrigen. Keine Interaktion mit anderen Antiepileptika
RifampicinWegen Enzyminduktion durch Rifampicin ist einen Spiegelabfall der Antiepileptika bei Patienten mit Epilepsie, die mit Lamotrigin, Phenytoin, Lacosamid, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Topiramat, Zonisamid, Valproinsäure behandelt sind zu erwarten.

Wichtig: Nicht immer sind die Anfälle tonisch-klonisch und somit auf den ersten Blick als epileptisch zu erkennen. Aus diesem Grund sollten gefährdete Patienten, insbesondere wenn sie nicht bei völligem Bewusstsein sind, besonders gut überwacht werden. In bestimmten Fällen empfiehlt sich ein Dauer-EEG, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können.

Dieser Beitrag wird vertreten durch die Schweizerische Epilepsie-Liga - eine gesamtschweizerisch tätige Fachorganisation und zugleich Schweizer Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie (International League Against Epilepsy ILAE).

Die Epilepsie-Liga bietet Betroffenen, Angehörigen und Ärzten Auskünfte und Beratungen, vertiefende Publikationen und Fachveranstaltungen rund ums Thema Epilepsie und vermittelt den Kontakt zu Spezialisten.

  1. Arzneimittelkompendium der Schweiz 2012, Drugdex®, Micromedex®, Thomson Healthcare USA
  2. St. Rüegg, Neurologie und A. Taegtmeyer, Klinische Pharmakologie März 2012. Seizures as adverse events of antibiotic drugs: A systematic review.
  3. Sutter R, Rüegg S, Tschudin-Sutter S.: Neurology. 2015 Oct 13;85(15):1332-41
  4. Mancl EE, and Gidal BE. The effect of carbapenem antibiotics on plasma concentrations of valproic acid. Ann Pharmacother 2009 ; 43 : 2062-7.

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