26. Oktober 2018

Steuerfalle Praxisfahrzeug: Nützliche Tipps für Ärzte

Häufiges Problem bei Betriebsprüfungen in Arztpraxen ist der Firmenwagen, insbesondere wenn es sich um einen PKW der Oberklasse oder gar um einen Sportwagen handelt. Der Steuerberater Dennis Balharek gibt hier praktische Tipps für die optimale Besteuerung.

Lesedauer: 4 Minuten

Der folgende Beitrag wird vertreten durch den Steuerberater Dennis Balharek und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH.

Praxisfahrzeug: Umfang der betrieblichen Nutzung nachweisen

Um ein Kraftfahrzeug dem Betriebsvermögen zuordnen zu können, muss zunächst der Umfang der betrieblichen Nutzung nachgewiesen bzw. glaubhaft gemacht werden. Denn im Steuerrecht gehört bei Ärzten (Einnahme- Überschussrechnung) ein Fahrzeug nur dann zum Betriebsvermögen, wenn die betriebliche oder berufliche Nutzung über 50% der gesamten Fahrzeugnutzung liegt.

Ein solcher Nachweis kann in jeder geeigneten Form (z. B. Eintragungen im Terminkalender, handschriftliche Fahrtaufstellungen usw.) geführt werden.  Für die Aufzeichnungen sollte ein repräsentativer, zusammenhängender Zeitraum von mindestens drei Monaten gewählt werden.

Hierbei ist zu beachten, dass auch die Fahrten zwischen Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte (üblicherweise Praxisstandort) sowie Familienheimfahrten (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 EStG) zum Bereich der betrieblichen Nutzung gehören.

Privatnutzung des Fahrzeugs besteuern: 2 Methoden im Vergleich

Wurde der Umfang der betrieblichen Nutzung glaubhaft dargelegt und liegt dieser bei mehr als 50%, besteht ein Wahlrecht zwischen der Besteuerung der Privatnutzung nach der sogenannten 1%-Regelung (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG) oder nach der Fahrtenbuchmethode (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG). Die Entscheidung, welches System gewählt wird, muss für das jeweilige Wirtschaftsjahr einheitlich getroffen werden.

1%-Regelung

Bei dem typisierenden Ansatz des privaten Nutzungsanteiles nach der 1%-Regelung wird für die Berechnung von der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers (Bruttolistenneupreis) ausgegangen. Dies gilt auch für Gebrauchtwagen. Mit diesem vereinfachten pauschalen Wertansatz will der Gesetzgeber die im betrieblichen Bereich anfallenden Gesamtkosten zu einem Teil der persönlichen Sphäre des Arztes zuordnen.

Beispiel

Neupreis (unverbindliche Preisempfehlung): 112.000 Euro

Kaufpreis / Anschaffungskosten nach Rabattabzug – tatsächlich: 99.000 Euro

1% von 112.000 Euro pro Monat der Nutzung = 1.120 Euro x 12 Monate = 13.440 Euro

Zu diesem Wert kommt noch zusätzlich der pauschale Wertansatz für die einfache Strecke für die Fahrten zwischen Wohnung und Praxis. Denn hier darf der selbstständige Arzt – wie jeder angestellte Arbeitnehmer auch – nur die 0,30 Euro pro einfache Entfernung (Wohnung – Praxis) im Monat steuerlich absetzen.

Fahrtenbuchmethode

Ermittlung des privaten Nutzungsanteils anhand des tatsächlichen Privatanteils durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch.

Beispiel

Jahresfahrleistung laut Fahrtenbuch gesamt: 15.000 Km

Km Privatfahrten laut Fahrtenbuch: 3.000 Km

Prozentualer Anteil für die Privatnutzung somit: 20%                                                 

Privatanteil: 20%

Kaufpreis (wie im vorherigen Beispiel): 99.000 Euro

AfA 99.000 Euro / 6 Jahre Nutzungsdauer = 16.500 Euro

Laufende Kosten: 5.000 Euro

Summe der Betriebsausgaben: 21.500 Euro x 20 % Privatanteil = 4.300 Euro

Aus dem dargestellten Beispiel ergibt sich bei dem Ansatz der 1%-Regelung ein Betriebsausgabenabzug in Höhe von 8.060 Euro (= 21.500 Euro Gesamtausgaben – 13.440 Euro Privatanteil). Bei der Fahrtenbuchmethode dagegen – ein Betriebsausgabenabzug in Höhe von 17.200 Euro (Gesamtausgaben 21.500 – 4.300 Euro Privatanteil).

Bereits anhand dieser beiden vereinfachten Beispiele ist zu erkennen, dass der Ansatz der 1%Regelung im Einzelfall zu erheblich höheren Werten für den Ansatz der privaten Nutzung führen kann. Dies gilt insbesondere für die angesprochenen Luxus und Sportwägen, vor allem dann, wenn diese als Gebrauchtfahrzeuge angeschafft werden.

Des Weiteren bleibt festzuhalten, dass die 1%-Regelung steuerlich umso ungünstiger ist, je niedriger der tatsächliche private Nutzungsanteil ist.

Fahrtenbuchmethode: Vorsicht geboten

Im Rahmen einer Betriebsprüfung wird der Prüfer das Fahrtenbuch genau unter die Lupe nehmen und prüfen, ob es sich um ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch im Sinne der Rechtsprechung handelt. Hier wird insbesondere auf die Einzeleintragungen geachtet. Denn es müssen sowohl der Km-Stand zu Beginn des Jahres als auch der Km-Stand am Ende des Jahres vermerkt und für den Nutzungszeitraum jede einzelne Fahrt genau aufgezeichnet werden. Die Angabe der nur betrieblich angefallenen Fahrten alleine kann nicht als ausreichend angesehen werden.

Sollte der Prüfer zu dem Schluss kommen, dass das Fahrtenbuch nicht ordnungsgemäß ist, wird er es verwerfen und es kommt doch wieder zur Anwendung der 1%-Regelung. Schade für die Zeit, die für die Fahrtaufzeichnungen angefallen ist.

Dieses Szenario ist im Rahmen der Betriebsprüfungen gerade bei den genannten Luxuswagen immer mehr vorzufinden. Im Ergebnis kommt es dann nicht nur zu Steuernachzahlungen, sondern auch zu Nachzahlungszinsen (derzeit in Höhe von 6% pro Jahr), da die Außenprüfungen in der Regel erst drei Jahre nach Abgabe der Steuererklärung erfolgen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, grundsätzlich die 1%-Regelung anzuwenden, um Rechtssicherheit zu haben.

Tipp: Lassen Sie Ihr Fahrtenbuch zeitnah von Ihrem Steuerberater durchsehen, damit bei Auffälligkeiten gleich gegengesteuert werden kann.

Bei Betriebsprüfungen droht weiteres Ungemach

Die praktische Steuerberatungsarbeit zeigt, dass in letzter Zeit bei Luxusfahrzeugen mit Anschaffungskosten deutlich oberhalb von 100.000 Euro ein weiteres Problem aufgeworfen wird.

Die Finanzverwaltung maßt sich selbstherrlich an, die Angemessenheit solch hochpreisiger Fahrzeuge im Einzelfall zu beurteilen, zweifelt diese an und geht davon aus, dass der Repräsentationscharakter nicht gegeben ist und die private Lebensführung deutlich überwiegt.

Zwar sind auch bei der Finanzrechtsprechung entsprechende Tendenzen in diese Richtung zu erkennen, doch sollte hier durch den Steuerberater klar gegengesteuert und Betriebsausgabenkürzungen nicht in jedem Fall hingenommen werden. Die Angemessenheit von Fahrzeugen soll sich unter anderem an den nachfolgenden Kriterien orientieren:

  • Größe, Umsatz und Gewinn der Praxis
  • Fachrichtung
  • Art und Ausmaß von möglichen Repräsentationspflichten des Arztes
  • Betriebliche Jahresfahrleistung des Fahrzeugs

Bei diesen „weichen Faktoren“ gibt es mit Sicherheit Ermessens- und Handlungsspielraum. Grundsätzlich gilt jedoch, je höher die Gewinne der Praxis, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch hochpreisige Praxisfahrzeuge noch als angemessen angesehen werden.

Dennis Balharek studierte Betriebswirtschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Danach arbeitete er acht Jahre bei einer mittelständischen Steuerberatungsgesellschaft. Nebenberuflich ist er seit 2014 als Dozent für die Gießener Private Steuerfachschule e.V. tätig. Seit 2018 ist Dennis Balharek Teamleiter und Steuerberater bei der alpha Steuerberatungsgesellschaft mbH in Gießen.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Bildquelle: © istock.com/baona

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653