26. August 2017

Aus dem Kollegenkreis

Arztgehälter in den USA: Lohnt sich der Gang ins Ausland?

Bessere Lebensqualität und die Hoffnung auf ein höheres Einkommen locken viele deutsche Ärzte ins Ausland. Dabei sind vor allem die USA hoch im Kurs. Doch was verdienen Kollegen aus Ihrer Fachrichtung in den USA wirklich? Und für wen lohnt sich der Wechsel? Die Antworten auf diese und andere Fragen gibt Ihr Kollege Dr. Peter Niemann, der den Umzug in die USA vor acht Jahren gewagt hat. (Lesedauer: 2 Minuten)

Der folgende Beitrag wird vertreten durch Dr. Peter Niemann, Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie, Mayo Clinic (USA). Redaktionelle Aufbereitung: Marina Urbanietz.

Am Anfang spielte das Einkommen keine Rolle

Seit nunmehr acht Jahren arbeite ich in den USA, zunächst als Assistenz-, mittlerweile als Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie. Finanzielle Gründe waren zwar nicht die Ursache meines beruflichen Umzugs in die USA, spielen aber eine Rolle, warum ich weiterhin in den USA lebe und als Arzt sehr zufrieden bin.

Als ich mich vor vielen Jahren für den Arztberuf entschloss, spielte das Einkommen keine Rolle, wie übrigens bei den meisten Medizinstudenten in Deutschland.1 Ich war von der medizinischen Wissenschaft fasziniert, wollte den menschlichen Körper und damit Gesundheit und Krankheit verstehen und ja, Menschen helfen.

Gründe für den Wechsel: Arbeitszeiten, Bürokratie & Co.

Doch die meisten Menschen werden pragmatischer, wenn sie älter werden und Lebenserfahrung sammeln. Als ich täglich 12 oder 14 Stunden arbeitete, 24- oder 36-Stunden-Dienste hatte, Kontakt mit Krankheit und Tod nicht nur mich forderten, sondern zu Frustration und Wut bei Patienten und Angehörigen führten, ich mit z.T. hohen bürokratischen Hürden und Hierarchien konfrontiert war, wurde mir bewusst, dass ein Arzt wichtige Aufgaben erfüllt, vieles hierfür aufgibt und gerade deshalb seine Bedürfnisse nicht vernachlässigt werden sollten.

Neun Euro Stundenlohn, mein Anfangslohn als Assistenzarzt in Frankreich und später dann 23-24 Euro Stundenlohn als Stationsarzt in Weiterbildung in Deutschland, waren zwar ausreichend, aber schienen mir nicht üppig angesichts hoher Anforderungen.

Das verdienen Ihre Kollegen in den USA: Arztgehälter nach Fachrichtungen

Es gibt jährlich genaue Zahlen zum ärztlichen Einkommen in den USA. Der Medscape-Verlag ermittelt diese, indem er Ärzte in den USA anschreibt und via Internetanfrage um Informationen zu ihrem Einkommen bittet. Auch ich nehme regelmäßig an diesen Befragungen teil, kann also ihre Authentizität aus erster Hand bestätigen.

Im Zeitraum Dezember 2016 bis März 2017 fand die jüngste dieser Umfragen statt, an der 19.270 Ärzte (von knapp 860.000 aktiv arbeitenden Ärzten in den USA) teilnahmen. Die Umfrageergebnisse decken sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen. Die Durchschnittsgehälter der meisten Fachrichtungen finden Sie in der folgenden Tabelle.

FachrichtungJährliches Durchschnittsgehalt (in Euro)
1. Orthopädie418.000 Euro
2. Plastische Chirurgie376.000 Euro
3. Kardiologie350.000 Euro
4. Urologie342.000 Euro
5. HNO-Arzt340.000 Euro
6. Radiologie338.000 Euro
7. Gastroenterologie334.000 Euro
8. Dermatologie330.000 Euro
9. Anästhesie311.000 Euro
10. Allgemeinchirurgie301.000 Euro

Die Durchschnittsgehälter weiterer Fachrichtungen (die Plätze 11 bis 27) sowie Informationen zu den regionalen Unterschieden finden Sie im zweiten Teil des Beitrags.

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1. Umfrage – warum Medizin studieren? 2005. Forum MEDI-LEARN.
2. Grisham S. Medscape Physician Compensation Report 2017. Medscape, April 2017.
3. Real Median Personal Income in the United States. Economic Research, Federal Reserve Bank of St. Louis.

Titelbild: iStock. Bildnachweis: utah778.

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