22. März 2017

Als Arzt in die Schweiz

Durchschnittsgehalt & Genehmigungsformalitäten

Gute Verdienste, ein lukratives Abrechnungssystem und nicht zuletzt der Ärztemangel locken viele Kollegen in das schöne Nachbarland. Doch bis zu welchem Alter darf man in der Schweiz praktizieren? Und wie hoch ist das Durchschnittsgehalt? Die Schweizer Vermittlungsagentur B-plus project AG gibt Antworten.

Redaktionelle Umsetzung: Marina Urbanietz, coliquio-Redaktion.

Durchschnittsalter von Hausärzten & Internisten steigt

Für Ärzte, die in einer Privatklinik arbeiten, existiert keine Altersgrenze. Auch niedergelassene Ärzte können in der Schweiz solange praktizieren, bis der Kanton die Genehmigung zurückzieht. Derzeit arbeiten in der Schweiz insgesamt circa 2500 Ärzte im Alter von 65 bis 90 Jahren, und es kommen jährlich 500 Kollegen in dieser Altersgruppe dazu.

Abb. 1: Berufstätige Ärzte nach Altersgruppe (Allgemeine Innere Medizin, ambulanter und stationärer Sektor).2

Das Problem mit dem Ärztenachwuchs in der Schweiz macht sich in der Altersstruktur bemerkbar: Die meisten Kollegen aus dem allgemeinmedizinischen und internistischen Bereichen sind zwischen 60 und 64 Jahre alt (Abb. 1).

Wer erteilt die Genehmigungen?

Die Schweiz hat insgesamt 26 Kantone und 26 unabhängige Staatsräte mit unterschiedlichen Gesundheitsgesetzen. Die Genehmigungen für Ärzte zu praktizieren und die Leistungen den Krankenversicherungen in Rechnung zu stellen, werden von den jeweiligen Kantonen einmalig und lebenslang erteilt. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Ärzte in Voll- oder Teilzeit arbeiten.

Welche Fachrichtungen werden gesucht?

Die Vermittlungsagentur B-Plus Project AG berichtet coliquio gegenüber, dass in allen Kantonen vor allem Allgemeinmediziner, Gynäkologen und Pädiater gesucht werden. Doch in der Schweiz, wie auch hierzulande, gibt es erhebliche Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen, die man beachten sollte: Die Kantone mit den höchsten Ärztedichten sind allesamt städtisch geprägt (Ärzte pro 1.000 Einwohner):

  • Basel-Stadt: 10,0
  • Genf: 6,2 
  • Zürich: 5,0

Am anderen Ende der Skala stehen ländliche Kantone:

  • Uri: 1,6
  • Appenzell Innerrhoden: 1,8
  • Obwalden: 2,1

Allerdings ist Ärztedichte nicht gleich Ärztedichte: In Zentren gibt es fast doppelt so viele Fachärzte wie Grundversorger. In ländlichen Gemeinden präsentiert sich hingegen die umgekehrte Situation, dort gibt es deutlich mehr grundversorgende Ärzte als Spezialisten.

Niedergelassene Ärzte: Das verdienen sie im Durchschnitt

Das durchschnittliche Einkommen der privat praktizierenden Ärzte in der Schweiz kann anhand der Alters- und Hinterbliebenenversicherung ermittelt werden. Es beträgt danach zwischen 214.500 EUR und 224.000 EUR jährlich. Diese Zahl beinhaltet nicht den Verkauf von Medikamenten, berücksichtigt jedoch die in der Praxis durchgeführten Laboranalysen.

Zusätzlicher Verdienst: Medikamentenverkauf & Laboranalysen

Ärzte in der Schweiz können ihr Einkommen durch folgende zusätzliche Tätigkeiten aufbessern:

Praxiseigene Apotheke: In einigen Kantonen ist es Ärzten erlaubt, selbst Medikamente zu verkaufen. Durchschnittlich verkauft ein Arzt Medikamente für 290.000 EUR. Nach Berechnungssimulationen beliefen sich die Betriebskosten inklusive der Gehälter von Praxismitarbeitern und Labor auf 25.000 EUR. Abzüglich der Kosten für den Erwerb erwirtschaftet der Arzt im Durchschnitt einen Reingewinn von 53.000 EUR, was 7.50 EUR pro Medikament entspricht.

Laboranalysen: Viele Ärzte führen die Analysen in ihren Praxen durch. Da aber Umsatz und Einkommen bei dieser Tätigkeit allerdings eher sinken, beauftragen viele Ärzte immer häufiger spezialisierte Labore.

Beschwerde vom Patienten? So werden Arzt-Patient Konflikte gelöst

Patienten können grundsätzlich eine Beschwerde gegen ihren Arzt vor Gericht einreichen. Doch bevor ein Fall vor Gericht kommt bietet die kantonale Ärztegesellschaft den Parteien kostenlos den Dienst eines Vermittlers an. Dieser prüft die Beschwerde und versucht die Streitigkeiten zwischen Patienten und Ärzten zu lösen. Erst wenn dies ihm misslingt, kommt die Beschwerde vor Gericht. Die Schweizer Patientenorganisation hat dabei nur wenig Einfluss.

Dieser Beitrag wird vertreten durch die Firma B-Plus Project AG, die sich auf die Vermittlung von Ärzten in der Schweiz spezialisiert hat. Wenn Sie Interesse an einer Tätigkeit in der Schweiz haben, freut sich B-plus über die Zusendung Ihres Lebenslaufes.

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  1. B-plus project SA: Führendes Schweizer Unternehmen für die Kaderrekrutierung von Ärzten.
  2. Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH).
  3. Santé: Taschenstatistik 2016. Bundesamt für Statistik, Schweizerische Eidgenossenschaft, 01.12.2016.
  4. Frauen- und Ausländeranteil als Schlüsselfaktoren, Gefälle bei Ärztedichte. Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), Medienmitteilung, 23. 03. 2016.
  5. Die SPO: Ihr starker Partner im Gesundheitswesen. Schweizerische Stiftung SPO Patientenschutz.
  6. La FMH veut réagir face aux abus sexuels commis par des praticiens. RTS INFO, 2012.
  7. Der TARMED. Berufsverband der Haus- und Kinderärztinnen Schweiz.
  8. Les pédiatres de Marisa, morte à 11 mois, condamnées. 24 heures, 2015.
  9. Déontologie et médiation. Société vaudoise de médecine (SVM).

Titelbild: iStock. Bildnachweis: xenotar.

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