01. Juni 2018

Als Arzt in China: Status, Einkommen & Anforderungen

Die ärztliche Tätigkeit bedeutet in China eine hohe Zahl an Patienten und besondere Krankheiten, ein überschaubares Einkommen, aber gute Forschungsmöglichkeiten. Erfahren Sie mehr über die Arbeitsbedingungen in Ostasien.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag aus unserer Reihe “Als Arzt ins Ausland” stammt aus dem Buch “Das Gesundheitswesen in China” und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft. Redaktion: Christoph Renninger.

Status & Einkommen: Keine reichen Halbgötter in Weiß

Im modernen China gelten Macht und Verdienst als Statussymbole, weshalb die meisten Ärzte wenig Ansehen genießen. Der Großteil arbeitet als Staatsbeamte in öffentlichen Kliniken und verdient dort relativ wenig. Ein Arzt aus Shanghai berichtet von einem monatlichen Einkommen von umgerechnet rund 450 Euro für Berufseinsteiger, nach einigen Jahren Berufstätigkeit seien es etwa 1.500 Euro.2

Die Reputation hängt jedoch auch vom familiären Hintergrund ab und ist höher, wenn mehrere Generationen ärztlich tätig gewesen sind. Außerdem tragen die Institution, an der man tätig ist, Auslandsaufenthalte, Forschungsergebnisse oder TV-Auftritte zum Ansehen bei.

Da die staatlichen Einkommen limitiert sind, versuchen viele Ärzte Zusatzeinkünfte zu generieren. Seit zwei Jahren ist es möglich, an mehreren Stellen gleichzeitig tätig zu sein. Über die Mitwirkung an Privatkliniken, Beratungstätigkeit oder Vorträge kann das Einkommen verbessert werden. Renommierte Ärzte können zudem höhere Honorare verlangen, welche jedoch zwischen ihnen und der Klinik aufgeteilt werden.

“Allrounder” sind selten anzutreffen

Aufgrund der hohen Patientenzahl ist ein effizienter, routinierter Ablauf in den Kliniken notwendig. Selbst innerhalb ihrer Fachdisziplin spezialisieren sich Ärzte auf ein spezielles Gebiet. Häufig ist ein Mitarbeiter nur für eine Art der Untersuchung oder Behandlung zuständig. “Allrounder” sind eher selten anzutreffen.

Lungenkrebs, Niereninsuffizienz & Leberschäden häufiger als in Europa

Bestimmte Krankheiten kommen in China häufiger vor als in Europa. Aufgrund der Schadstoffbelastung der Luft in Städten und des weitverbreiteten Rauchens ist Lungenkrebs die häufigste Form von Krebserkrankungen. Ein weiterer Grund für Tumoren sind Formaldehyd-Lösungen, mit denen Gemüse eingesprüht werden, damit es frischer erscheint. Auch Niereninsuffizienzen und Leberschäden treten häufiger auf, Ursachen sind u.a. der Konsum giftiger Kräuter (Xi Xin), der Verzehr von Fischen aus belasteten Gewässern und die übermäßige Anwendung von Insektiziden.

Besonders in Großstädten kommt es oft zu verkehrsbedingten Verletzungen, zudem funktioniert das Notrufsystem nicht ausreichend und die Rettungswägen sind nicht immer entsprechend ausgestattet. Auch Arbeitsunfälle sind aufgrund unzureichender Arbeitsschutzvorkehrungen häufig.

Traditionelle Medizin: Bestandteil jeder Klinik

Rund ein Drittel der Behandlungen erfolgen nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), in speziellen TCM-Kliniken sogar zwei Drittel. Es werden jedoch nur Methoden angewandt, deren Wirkung untersucht und nachgewiesen werden konnte. Beispielsweise werden Kräutermixturen in der post-operativen Wundversorgung oder zur Schmerzlinderung eingesetzt.

TCM gilt als Ergänzung und Unterstützung der westlichen Medizin, weshalb in den meisten Kliniken auch zwei Apotheken zu finden sind, eine für moderne Medikamente und eine weitere für traditionelle Rezepturen, z.B. Salben und Tees. Außerdem kommen u.a. Qigong, Musiktherapie oder Räucherstäbchen zum Einsatz.

Für welche Ärzte sich ein Aufenthalt in China lohnen könnte und wie die Arbeit in der Klinik organisiert ist, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

Zum Buch: „Das Gesundheitswesen in China“ schildert die systembedingten und kulturellen Hintergründe des Umgangs mit Gesundheit und Krankheit in China. Das Buch zeigt Medizinern, wie der chinesische Gesundheitsmarkt „tickt“, worauf sie sich einstellen müssen und was chinesische Kollegen anders machen. Erfahrungsberichte und Praxistipps machen das Buch zu einem wertvollen Ratgeber für alle, die mit chinesischen Gesundheitspartnern oder Kunden verhandeln bzw. mit Patienten kommunizieren.

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Dauer: 3 Minuten

  1. Reisach U (Hrsg.). Das Gesundheitswesen in China. Strukturen, Akteure, Praxistipps. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Berlin 2017.
  2. Wurzel S. Wo Ärzte durchs Krankenhaus gejagt werden. Deutschlandfunk, 25.07.2015

Bildquelle: © istock.com/chinaview

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