31. Januar 2017

Aggressive Patienten: So schützen Sie sich und Ihre Mitarbeiter

Ob in der Notaufnahme, im Bereitschaftsdienst oder in der Arztpraxis: Ärzte werden immer häufiger Opfer von verbalen oder körperlichen Attacken. Lesen Sie hier in einem unserer Topbeiträge, wie Sie sich und Ihr Team schützen können.

Den folgenden Beitrag hat Dr. Nina Mörsch, coliquio-Redaktion, für Sie erstellt.

Spezielle Gefahrensituationen: Notdienst, Ambulanz, Hausbesuche

Neben Psychiatern, Nervenärzten und Psychotherapeuten sehen sich auch Hausärzte sowie Ärzte in Bereitschafts- und Notdiensten bzw. in der Notambulanz häufiger mit bedrohlichen Situationen konfrontiert. Auch viele coliquio-Nutzer berichten von Erfahrungen mit aggressiven Patienten. Demnach fühlen sich sowohl Ärztinnen als auch ihre männlichen Kollegen bei Hausbesuchen unsicher, insbesondere nachts und bei Besuchen in sozialen Brennpunkten oder bei Suchtkranken.

Tipps zur Gewaltprävention: So lässt sich Eskalation vermeiden

Ein Patentrezept zur Vermeidung von Gewalt gibt es bislang nicht. Dennoch: Deeskalation ist möglich, wenn man weiß wie. Die folgenden Tipps und Stategien tragen dazu bei, gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern:

Mentale Vorbereitung: Sich der Gefahr bewusst sein

  • Risikoplan bzw. Leitfaden erstellen: Besprechen Sie mit Ihren Kollegen oder Mitarbeitern, was im Ernstfall zu tun ist. Spielen Sie gegebenenfalls eine Situa­tion durch und vereinbaren Sie ein „Codewort“, das den Risikoplan in Kraft setzt. Das Nürnberger Klinikum etwa informiert sein Personal mittels Leitfaden über den richtigen Umgang mit Gewalt und Aggression und zeigt auf, wie sich die Mitarbeiter wehren und an wen sie sich wenden können.

Praktische Maßnahmen in Praxis und in Klinik: Vorbeugen schützt

  • Alarmknöpfe einbauen: Über Alarmknöpfe zum Beispiel im Telefon organisieren Sie schnell Hilfe. Auch der Warnton selbst kann den Angreifer ablenken.
  • Fluchtwege sichern: Sorgen Sie für Rückzugsmöglichkeiten innerhalb der Behandlungsräume und für offene Fluchtwege aus der Gefahrenzone.
  • Potenzielle „Wurfgeschosse“ entfernen: Achten Sie darauf, dass keine gefährlichen Gegenstände im Wartebereich und in den Behandlungszimmern vorhanden sind.
  • Videoüberwachung einbauen: Kameras können zu einem gesitteteren Verhalten der Patienten oder Angehörigen führen. Außerdem lässt sich nach einem Vorfall dieser später rekonstruieren bzw. belegen.
  • Fortbildungen und Kurse: Einige Kliniken bieten für ihre Mitarbeiter Seminare zur Deeskalation und zur richtigen Kommunikation mit schwierigen Patienten an. Auch ein Selbstverteidigungskurs stärkt das selbstbewusste Auftreten und trainiert, wie man sich effektiv und “patientenschonend” wehren kann.

Nächtlicher Bereitschaftsdienst: Gut vorbereitet sein

  • Gefährliche Einsätze vorbereiten: Nehmen Sie, wenn Sie sich unsicher fühlen, bei nächtlichen Hausbesuchen eine weitere Person mit. Auch ein Hund kann Sicherheit bringen. Ist das nicht möglich, informieren Sie jemanden über Ihren Einsatzort oder nehmen Sie gegebenenfalls ein Taxi und lassen Sie den Fahrer warten. Achten Sie auf einen freien Fluchtweg.
  • Sichern der Praxis: Licht und Bewegungsmelder vor den Praxisräumen helfen gegen Personen, die sich im Dunkeln verstecken. Ein Türspion erlaubt einen ersten Überblick über Zahl und Verhalten der Besucher. Lassen Sie von außen nicht erkennen, wenn Sie nachts allein in der Praxis sind (Vorhänge, Jalousien).
  • Taschenalarm: Tragen Sie einen Taschenalarm bei sich. Das Warnsignal kann Angreifer verunsichern.

Im Ernstfall: Kommunikation ist das A und O

Ist man mit einem aggressiven Patienten konfrontiert, spielt die Kommunikation eine große Rolle. Erst wenn mit Worten nichts mehr zu erreichen ist, sollten weitere Maßnahmen erfolgen. Wichtig: Handeln Sie möglichst niemals allein!

  • Setzen Sie Grenzen: Vergreift sich ein Patient im Ton, weisen Sie ihn höflich aber bestimmt darauf hin, dass Sie sein Benehmen nicht tolerieren.
  • Sprechen Sie mit dem Angreifer: Geben Sie dem Angreifer das Gefühl, dass sein Anliegen gehört und als wichtig empfunden wurde. Bieten Sie ihm Lösungen an. Manchmal hilft auch das Angebot einer Tasse Kaffee, um die Situation zu entschärfen.
  • Lenken Sie ihn ab: Wenn die Situation bedrohlich wird, versuchen Sie es mit Ablenkung, etwa indem Sie einen Telefonanruf vortäuschen oder ihn durch laute Geräusche (Schreien, Warnsirene) erschrecken.
  • Im schlimmsten Fall – Flüchten: Wenn nichts mehr hilft, bringen Sie sich und Ihre Mitarbeiter in Sicherheit!

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