29. März 2016

Ärzte in der Schweiz: Das sind die Vorteile des Abrechnungssystems

Die Schweiz leidet unter akutem Ärztemangel. Dabei sind die Bedingungen im Vergleich zu den Nachbarländern äußerst verlockend: 98 Prozent der Ärzte, die sich in der Schweiz niedergelassen haben, wollen bleiben, so der Schweizer Headhunter Jean-Paul Buchmann. Ein Grund dafür sei das einfache Abrechnungssystem. Wie es funktioniert und welche Vorteile es birgt, erläutert er im folgenden Beitrag.

Jean-Paul Buchmann ist Gründer der Firma B-Plus Project AG, die sich auf die Vermittlung von Ärzten in der Schweiz spezialisiert hat. Wenn Sie Interesse an einer selbstständigen Tätigkeit in der Schweiz haben, freut B-plus sich auf die Zusendung Ihres Lebenslaufes.

Buchmann kennt die Sorgen der Praxisinhaber in den Nachbarländern der Schweiz nur zu gut. Aber das Lächeln komme, beruhigt er. Als einige Vorteile des Schweizer Abrechnungssystems nennt er:

  • Abrechnung von verpassten Terminen: Der Arzt entscheidet selbst, ob er den verpassten Termin verrechnen will oder nicht. Bei Stammpatienten wird häufig in der Praxis von einem Ausfallhonorar abgesehen. Außerdem kann der verrechnete Betrag variieren. Dem Arzt steht ein großer Ermessensspielraum zu.
  • Keinen Bargeldverkehr in den Praxen, wie z.B. in Frankreich üblich.
  • Bonitätsprüfung des Patienten vor dem Arztbesuch (Ausnahme: Notfall).
  • Keine Verpflichtung, den Patienten zu behandeln (außer es besteht Lebensgefahr).

„Tiers garant“:  Ärzte stellen den Patienten eine Rechnung    

Fast alle Unfall- und Krankenversicherungen in der Schweiz sind privat. Entsprechend ist in den allermeisten Kantonen das System des „Tiers garant“ für Arztrechnungen üblich. In dessen Rahmen stellt der Arzt dem Patienten die Rechnung zu. Der Patient kann die Rechnung prüfen und diese anschließend an seine Krankenkasse weiterleiten. Er muss aber die Arzt-Rechnung direkt selbst begleichen.

Die Krankenkasse prüft die Arzt-Rechnung und erstattet dem Patienten nach Abzug der Kostenbeteiligung den Rechnungsbetrag. In diesem Fall „garantiert“ die Krankenkasse sozusagen die Rückzahlung an den Patienten.

Nur Krankenhäuser, Apotheken und einige andere Leistungserbringer rechnen direkt mit den Kassen ab („Tiers payant“). Auch mit den gesetzlichen Unfallversicherern wird direkt abgerechnet.

Abrechnung: Schweizer Abrechnungstarif TARMED

Der Arzt rechnet die Zeit, die er für den Patienten benötigt, im 5-Minutentakt unter Anwendung des in der Schweiz einheitlichen Tarifsystems TARMED (tarif médical) ab. Tarmed umfasst mehr als 4600 Positionen, nahezu sämtliche ärztlichen und arztnahen Leistungen in der Arztpraxis und im ambulanten Krankenhausbereich. Dabei unterscheidet das System zwischen der ärztlichen und der technischen Leistung.  Jeder Leistung ist je nach zeitlichem Aufwand, Schwierigkeit und erforderlicher Infrastruktur eine gewisse Anzahl sogenannter „Taxpunkte“ zugeordnet. In den einzelnen Kantonen gelten unterschiedliche Taxpunktwerte. Das heißt, je nachdem in welchem Kanton der Arzt ansässig ist, wird der schweizweite Tarif mit den jeweils gültigen Taxpunktwerten multipliziert. Beispiele: Kanton Genf x 0.96, Kanton Zürich x 0.89, Kanton Luzern x 0.82.

Die Position 00.0010 ist die wichtigste Position des TARMED. Sie beinhaltet die ersten 5 Minuten einer Konsultation und umfasst:

Begrüßung, Verabschiedung, nicht besonders tarifierte Besprechungen und Untersuchungen, nicht besonders tarifierte Verrichtungen (z.B.: bestimmte Injektionen, Verbände usw.), Begleitung zu und Übergabe (inkl. Anordnungen) an Hilfspersonal betreffend Administration, technische und kurative Leistungen, Medikamentenabgabe (in Notfallsituation u/o als Starterabgabe), auf Konsultation bezogene unmittelbar vorgängige/anschließende Akteneinsicht/Akteneinträge.

Verrechneter Durchschnittsbetrag pro Arztbesuch liegt zwischen 100 und 120 CHF

Der Verrechnungsbetrag pro Arztbesuch bei Hausärzten oder Internisten beträgt durchschnittlich CHF 100 bis CHF 120 (82 bis 110 Euro). Diese Rechnungsbeträge können je nach Zeitaufwand und Behandlung variieren.

TARMED Datenbank:  Anwendung erfordert Übung

Die TARMED Basis ist eine für jedermann zugängliche Datenbank mit 4600 Abrechnungspositionen sowie 10.000 Regeln. Für einen Arzt ohne Ausbildung ist es unmöglich, diese Datei anzuwenden. B-plus und deren Partner bieten deshalb Kurse an, um die Verwendung dieser zur Verfügung gestellten Informatiktools zu erleichtern und die notwendigen und geeigneten Positionen je nach Bedarf und Spezialgebiet auszuwählen.

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