30. März 2021

10 häufige Fehler bei Überweisungen

Wer als Arzt eine bestimmte Leistung für den Patienten selbst nicht erbringen kann, stellt eine Überweisung aus. Dabei gibt es allerhand zu beachten. Der Virchowbund klärt über 10 häufige Fehler bei Überweisungen auf und gibt Tipps, wie sie sich vermeiden lassen.

Lesedauer: 3 Minuten

Der folgende Beitrag wird vertreten vom Virchowbund.

Dass Hausärzte eine Überweisung zu Fachärzten ausstellen, ist sicher der häufigste Fall. Aber auch Überweisungen von Facharzt zu Facharzt, von Facharzt zu Hausarzt und sogar innerhalb desselben Fachbereichs kommen vor.
Diese Arten der Überweisung sind möglich:

  • Auftragsleistung
  • Konsiliaruntersuchung
  • Mitbehandlung
  • Weiterbehandlung

Egal, ob Sie eine Überweisung ausstellen oder einen überwiesenen Patienten annehmen, diese Regeln zu Überweisungen sollten Sie kennen und einhalten:

1. Nur bei medizinischer Notwendigkeit überweisen

Manche Patienten kommen nur in die Praxis, um sich eine Überweisung zu holen. Als Arzt dürfen Sie die Überweisung aber nur bei medizinischer Notwendigkeit stellen.

Für diese Ärzte brauchen Patienten immer eine Überweisung:

  • Facharzt für Radiologie (Ausnahme: Früherkennung von Brustkrebs durch Mammographie-Screening)
  • Facharzt für Strahlentherapie
  • Facharzt für Nuklearmedizin
  • Facharzt für Transfusionsmedizin
  • Facharzt für Labormedizin
  • Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie
  • Facharzt für Pathologie
  • Ggfs. ermächtigter Krankenhausarzt

Eine Überweisung ist auch nötig, damit Patienten sich für einen Facharzttermin an die Terminservicestelle wenden können.

2. Keine Blanko-Überweisung, prophylaktische Überweisung oder Rückdatierung

Ohne direkten Kontakt zum Patienten dürfen Sie keine Überweisung schreiben. Während der Corona-Pandemie gibt es allerdings befristete Ausnahmen von dieser Regel. Um direkte Kontakte zu vermeiden, können Überweisungen auch per Post an die Patienten versendet werden.

Seit 2.11.2020 werden die Kosten für den Post-Versand von bestimmten Folgeverordnungen und Überweisungsscheinen übernommen, die im Rahmen eines Telefonates oder einer Videosprechstunde ausgestellt werden. Verwenden Sie die mit 90 Cent bewertete Pseudo-GOP 88122.
In den Corona-FAQ des Virchowbundes finden Sie einen Überblick über weitere Sonderregelungen.

3. Überweisungen sind nur im Original gültig

Patienten müssen immer die Original-Überweisung vorlegen können. Auch Sie als Arzt dürfen eine Überweisung an einen Kollegen nicht per E-Mail oder Fax senden.
Für Überweisungen nutzen Sie das Muster 6, für Labor-Überweisungen das Muster 10.

4. Fachgleich nur in Ausnahmefällen überweisen

An einen Vertragsarzt derselben Fachgruppe dürfen Sie nur dann überweisen, wenn:

  • der Patient dort besondere Untersuchungs- und Behandlungsmethoden in Anspruch nimmt, die Sie nicht erbringen
  • der Patient umzieht und der Vertragsarzt am neuen Ort die Behandlung übernimmt
  • die Behandlung abgebrochen wurde und nun fortgesetzt werden soll

5. Nicht zur Spezialsprechstunde im Krankenhaus überweisen

Spezialsprechstunden sind ambulante Behandlungen, für die Sie als niedergelassener Arzt keine Überweisung ausstellen dürfen. Ausnahme: die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) nach §116b SGB V und Spezialsprechstunden bei ermächtigten Krankenhausärzten (siehe Punkt 1).

6. Bei Auftragsüberweisung keinen Originalschein anlegen

Kommt ein Patient mit einer Überweisung zu Ihnen, legen Sie das in der Abrechnung auch als Überweisungsschein an. Einen Original-Abrechnungsschein dürfen Sie in der Regel nur bei Überweisung innerhalb derselben Fachgruppe anlegen, wenn keine besonderen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden angefordert wurden.

7. Überweisungen sind quartalsübergreifend gültig

Die Überweisung stammt noch aus dem vorigen Quartal? Kein Problem! Wichtig ist nur, dass der Patient in beiden Quartalen eine gültige Versichertenkarte vorlegt.

8. Halten Sie sich an den Inhalt der Überweisung

Als weiterbehandelnder Arzt sind Sie an das gebunden, was der überweisende Arzt auf der Überweisung angefordert hat. Wollen Sie mehr oder andere Leistungen abrechnen, brauchen Sie dafür eine neue Überweisung. Achtung: Sie dürfen nicht einfach einen Abrechnungsschein anlegen!

9. Informationen zwischen Kollegen austauschen

Als Erstbehandler müssen Sie dem nachbehandelnden Arzt die bisher erhobenen Befunde und/oder getroffenen Behandlungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Überweisung mitteilen.

Der Arzt, der den überwiesenen Patienten weiterbehandelt, muss ebenso die erhobenen Befunde und Behandlungsmaßnahmen an den Erstbehandler zurückmelden, wie z. B.:

  • Diagnose
  • Ausgeschlossene Diagnosen
  • Therapie
  • Vorschlag zur weiteren Diagnostik
  • Wiedervorstellung wann/in welchen Fällen

10. Überweisungen 4 Quartale aufbewahren

Sie sind verpflichtet, Überweisungsscheine mindestens vier Quartale lang aufzubewahren. Mehr über Aufbewahrungsfristen in der Arztpraxis erfahren Sie im Praxisärzte-Blog des Virchowbundes.

© Virchowbund / Lopata.
© Virchowbund / Lopata.

RA Andrea Schannath berät Ärzte im Virchowbund kostenlos bei allen Fragen z.B. aus dem Vertragsarzt- und Arbeitsrecht. Erfahren Sie mehr unter www.virchowbund.de/recht.

Bildquelle: © gettyImages/SARINYAPINNGAM

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