26. August 2020

eHealth

Wie werden Videosprechstunden vergütet?

Videosprechstunden und andere digitale Services bieten verschiedene Vorteile, zum Beispiel mehr Flexibilität für Behandler und Patienten, aber auch mehr Effizienz in der Praxis. Doch wie können diese Leistungen abgerechnet werden?

Lesedauer: 5 Minuten

Weiterhin keine Begrenzung für Videosprechstunden

Verschiedene telemedizinische Maßnahmen, die im Rahmen der Covid-19-Pandemie erstmals umgesetzt wurden, sind auch für das dritte Quartal 2020 verlängert worden. Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben beispielsweise die bestehenden Begrenzungsregelungen zur Anzahl von ausschließlichen Video-Behandlungsfällen vorerst bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Damit können nun unbegrenzt viele Behandlungen durch Ärzte und Psychotherapeuten per Videosprechstunde abgerechnet werden. Zusätzlich entfällt die Begrenzung der Anzahl der im Rahmen von Videosprechstunden abgerechneten Gebührenordnungspositionen auf 20 Prozent aller berechneten GOP je Vertragsarzt/Psychotherapeut und Quartal.

Seit dem 16. Juli 2020 können Ärzte ihren Patienten per Videosprechstunde auch eine AU ausstellen. Neben dem Patientengespräch ist es außerdem möglich, mittels Video-Call multidisziplinäre Fallkonferenzen mit Fachärzten und Videofallkonferenzen mit beteiligten Pflege(fach)kräften durchzuführen.

Generelle Anforderungen/Voraussetzungen

Voraussetzungen für die Durchführung und Abrechnung einer Videosprechstunde sind in allen Fällen der Einsatz eines zugelassenen und (nach Anlage 31b zum BMV-Ä) zertifizierten Videosystems und die vorherige Meldung bei Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Für diese Meldung stellt der Videodienstanbieter nach der Registrierung eine entsprechende Bescheinigung aus, die der KV übermittelt werden muss. (Der Ablauf unterscheidet sich dabei von KV zu KV. Eine Übersicht zum Vorgehen finden Sie bei der KBV.)

Bei vielen Videodienstanbietern finden Sie die entsprechenden Formulare auf der entsprechenden Webseite. medflex, der zertifizierte Videodienst- und Messenger von coliquio, bietet beispielsweise nicht nur die Bescheinigung über die erforderlichen Nachweise und die Selbstauskunft zum Download an, sondern auch die Bestätigung der Anmeldung für Ihre Praxis und einen Vordruck der Einwilligungserklärung zur Videosprechstunde für Ihre Patienten. 

Auch bisher unbekannte Patienten, die weder im aktuellen noch im vorherigen Quartal die Praxis aufgesucht haben, können mittels Videosprechstunde einen Arzt konsultieren. Dazu müssen:

  • die Gesundheitskarte in die Kamera gehalten,
  • die Daten vom Arzt dokumentiert und
  • das Bestehen des Versicherungsschutzes vom Patienten mündlich bestätigt werden.

Der zusätzliche Aufwand, um diese Stammdaten zu erheben, wird mit dem neuen extrabudgetären Zuschlag GOP 01444 (Bewertung: 10 Punkte / 1,10 Euro) berücksichtigt. Der Zuschlag soll vorerst bis 30. September 2021 im EBM-Katalog bleiben und danach, so die KBV, durch neue technische Verfahren obsolet werden.

Was kann abgerechnet werden?

Die Vergütung der Videosprechstunde läuft über die jeweiligen Versicherten- oder Grundpauschale (ausgenommen GOP 03030, 04030, 12220 und 12225) oder die jeweiligen Konsiliarpauschalen (ausgenommen GOP 25210 und 25211). Kommt der Patient im Quartal nicht in die Praxis und findet die Konsultation ausschließlich per Videosprechstunde statt, wird die Abrechnung mit der Pseudo-Gebührenordnungsposition (GOP) 88220 gekennzeichnet. In diesem Fall wird durch die KV ein fachgruppenspezifischer Abschlag von 20-30 % auf die Pauschale oder den Zuschlag vorgenommen.

Weitere Zuschläge:

  • Zuschläge für die fachärztliche Grundversorgung (PFG-Zuschläge),
  • Zusatzpauschalen für die Wahrnehmung des hausärztlichen Versorgungsauftrags (GOP 03040 / 04040),
  • Zuschläge für die Unterstützung der hausärztlichen Versorgung durch qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenten (GOP 03060 / 03061),
  • Zuschlag für die Behandlung durch konservativ tätige Augenärzte (GOP 06225).

Für privatversicherte Patienten können folgende GOÄ-Ziffern abgerechnet werden:

  • Ziffer 1: Beratung mittels Fernsprecher
  • Ziffer 2: Übermittlung von medizinischen Dateien
  • Ziffer 3: Das gewöhnliche Maß überschreitende Beratung mittels Fernsprecher
  • Ziffer 60: Konsiliarische Erörterung zwischen zwei oder mehreren Ärzten
  • Ziffer 70: Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) nach Beratung

Zusätzlich können die folgenden Zuschläge für Privatpatienten abgerechnet werden:

  • Zuschlag A: Für Leistungen, die außerhalb der Sprechstunde erbracht wurden
  • Zuschlag B: Für Leistungen, die außerhalb der Sprechstunde erbracht wurden, speziell in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr oder 6 und 8 Uhr
  • Zuschlag C: Für Leistungen in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr erbracht wurden
  • Zuschlag D: Für Leistungen, die an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen erbracht wurden

  • Die nachfolgenden Regelungen gelten vorerst bis zum 30. September 2020.

    Psychotherapie: Psychotherapeuten dürfen neben Einzeltherapie-Sitzungen auch Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Sitzungen (auch neuropsychologische Therapie) per Video durchführen. Hinweise zur Abrechnung: Für diese Sonderregelung wurde der EBM so angepasst, dass die entsprechenden Gebührenordnungspositionen auch abgerechnet werden dürfen, wenn die Leistungen in einer Videosprechstunde durchgeführt wurden.

    Sozialpsychiatrie: Die funktionelle Entwicklungstherapie bei Kindern und Jugendlichen ist vorerst auch per Video möglich. Die neue Leistung (Gebührenordnungsposition 14223) beinhaltet videogestützte Maßnahmen einer funktionellen Entwicklungstherapie durch qualifizierte nichtärztliche Mitarbeiter gemäß der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung (SPV-Mitarbeiter). Sie findet als Einzelbehandlung statt und kann pro abgeschlossenen 15 Minuten berechnet werden. Voraussetzung: Der Patient muss in den letzten vier Quartalen (einschließlich des aktuellen Quartals) mindestens einmal in der Praxis gewesen sein.

    Unfallversicherung: Vertragsärzte, beteiligte Ärzte sowie Psychotherapeuten können Unfallverletze per Videosprechstunde behandeln, um die Versorgung dieser Patienten sicherzustellen. Für diese Arzt-Patienten-Kontakte kann die Nummer 1 UV-GOÄ abgerechnet werden, wobei eine entsprechende Kennzeichnung als Videobehandlung erfolgen muss. Auch Psychotherapeuten können entsprechend der Behandlungsziffern (P-Ziffern) Videosprechstunden abrechnen.

    Substitutionsbehandlung: Das therapeutische Gespräch zur Substitutionsbehandlung ist weiterhin acht Mal im Behandlungsfall möglich und kann auch im Rahmen einer Videosprechstunde durchgeführt werden. Die Regelung gilt für therapeutische Gespräche, die mindestens zehn Minuten dauern. Seit 1. Juli 2020 ist dafür jedoch der „Zuschlag Therapiegespräch“ (GOP 01952) bei ausschließlich telefonischem Kontakt zwischen Arzt und Patient nicht mehr berechnungsfähig.

Technik- und Förderzuschlag

Für Videosprechstunden gibt es für Ärzte und Psychotherapeuten außerdem Unterstützungen, die die Kosten des Videodienstes abdecken bzw. den Einstieg erleichtern sollen:

  • Der Technik-Zuschlag GOP 01450 (Bewertung: 40 Punkte / 4,33 Euro) ist bei allen Videosprechstunden oder Videofallkonferenzen (zum Beispiel mit Pflegekräften) anzugeben. Den Zuschlag ist limitiert auf maximal 50 Videosprechstunden pro Arzt und Quartal (gedeckelt auf rund 200 Euro). Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.
  • Bis zum 30. September 2021 gibt es die Anschubfinanzierung GOP 01451 (Bewertung: 92 Punkte). Praxen erhalten den Zuschlag für bis zu 50 Videosprechstunden im Quartal. Voraussetzung sind mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal.

Ärzte und Psychotherapeuten können darüber hinaus bestimmte Leistungen für Gespräche, Fallkonferenzen, Fallbesprechungen und Einzelpsychotherapien abrechnen, die per Videosprechstunde erfolgen.

Nicht nur Videosprechstunden sind relevant

Treten Sie digital mit Ihren Patienten beratend in Kontakt, kann dies prinzipiell als medizinische Leistung abgerechnet werden. Das betrifft nicht nur die Videosprechstunde, sondern auch die schriftliche Kommunikation, beispielsweise mit einem Messenger. Mit dem medflex-Messenger lässt sich auch die sichere Übermittlung medizinischer Dateien durch Ärzte oder medizinische Fachangestellte abrechnen. Dazu zählen Befunde, AU, Laborwerte, aber auch Zweitmeinungen anderer Ärzte, beispielsweise bei einem Konsil.

Hier können bei Kassenpatienten für den Messenger auch noch die folgenden Leistungen abgerechnet werden:

  • 01430: Verwaltungskomplex, Übermittlung med. Dateien
  • 01435: Fachärztliche Bereitschaftspauschale, Beratung
  • 01645: Ärztliches Zweitmeinungsverfahren

Bei Privatpatienten können neben den zuvor genannten Zuschlägen in Folge einer Videosprechstunde oder im Rahmen einer Konsultation per Messenger die folgenden Ziffern berechnet werden:

  • Ziffer 70: Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) nach Beratung
  • Ziffer 75: Ausführlicher Befundbericht
  • Ziffer 80: Gutachten

Weiterführende Informationen:

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Bildquelle: © gettyImages/Jean-philippe WALLET

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