04. Februar 2021

Wachstumshormone bei Kindern: Führen sie später zu Herzproblemen?

Die Behandlung mit Wachstumshormonen (HGH) im Kindesalter ist im Vergleich mit Personen ohne HGH-Therapie mit mehr kardialen Ereignissen bei Erwachsenen assoziiert. Das legen Ergebnisse einer großen Kohortenstudie in JAMA Pediatrics nahe. Das absolute kardiale Risiko ist aber für frühere Patienten trotz allem gering. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Die Kernaussagen der Studie

Die Behandlung mit Wachstumshormonen (HGH) im Kindesalter ist im Vergleich mit Personen ohne HGH-Therapie mit mehr kardialen Ereignissen bei Erwachsenen assoziiert. Die Assoziation ist nun in einer großen Kohortenstudie quantifiziert worden: In einem durchschnittlichen Alter von 25 Jahren ist bei HGH-Therapierten das Risiko für ein kardiales Ereignis um 69 % erhöht im Vergleich mit Kontrollen ohne HGH-Behandlung. Das absolute Risiko aber ist mit 25,6 kardialen Ereignissen pro 10 000 Personenjahre für frühere Patienten gering.

HGH-Therapie bei Kleinwuchs

Kinder, deren Körperlänge unterhalb der 3. Perzentile der Norm liegt oder die deutlich langsamer wachsen als die Altersnorm, sollten auf mögliche Ursachen hin untersucht werden. Liegt eine Form von Kleinwuchs vor, die auf einem Wachstumshormon-Mangel (GHD) basiert, kann eine Therapie mit HGH indiziert sein und bei frühzeitigem Behandlungsbeginn können die Kinder eine normale Körperhöhe erreichen.

Aus früheren Untersuchungen hatte es bereits Hinweise darauf gegeben, dass die kardiovaskuläre Mortalität und die zerebrovaskuläre Morbidität nach einer HGH-Behandlung in der Kindheit erhöht ist. Wegen methodischer Mängel dieser Studien aber bestand weiterer Klärungsbedarf.

Nachbeobachtung rund 15 Jahre

Die aktuelle prospektive, populationsbasierte Kohortenstudie basiert auf schwedischen Register- und Krankenkassen-Daten mit Kontrollgruppe. Die Therapiegruppe bestand aus Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 18 Jahren, die zwischen 1985 und 2010 mit rekombinantem Wachstumshormon (rhGH) behandelt worden waren.

Die Indikationen waren:

  • GHD,
  • postnataler Kleinwuchs bei „small for gestational age“ (SGA) und
  • idiopathischer Kleinwuchs.

Für jeden HGH-therapierten Teilnehmer wurden 15 Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung ohne HGH-Behandlung identifiziert, die in Bezug auf Alter, Geschlecht und Region vergleichbar waren. Die Nachbeobachtung dauerte im Median 14,9 Jahre (0-25 Jahre).

Die Ergebnisse

Die Daten von 53.444 Personen wurden berücksichtigt, darunter 3.408 Patienten und 50.036 Kontrollpersonen. Es gab 1.809 kardiovaskuläre Ereignisse. Die Inzidenz betrug 25,6 pro 10.000 Personenjahre für frühere Patienten und 22,6 Ereignisse pro 10.000 Personenjahre für die Kontrollen ohne rhGH-Therapie (Hazard Ratio: 1,69).

Das Risiko war über die verschiedenen Indikationsgruppen hinweg nicht signifikant unterschiedlich. Für Frauen aber war es mit einer Hazard Ratio von 2,08 höher als bei Männern mit 1,66.

Diese große Kohortenstudie weist nach Meinung der Autoren auf ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse nach einer HGH-Behandlung im jungen Erwachsenenalter hin, vor allem bei Frauen. Die Untersuchung könne methodisch bedingt keine Kausalität aufzeigen. Das Risiko steige aber mit der kumulativen Dosis von rhGH an, es gebe eine klare Assoziation, heißt es.

Dieser Beitrag erschien im Original auf univadis.de, 29.12.2020

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