19. Oktober 2020

Kinder-Kardiologie

Leitlinien-Update zu Thoraxschmerzen, Synkope, Kawasaki-Syndrom

Auf dem diesjährigen Online-Kongress “Kinder -und Jugendmedizin aktuell” gab Prof. Dr. Sven Dittrich, Universitätsklinikum Erlangen, ein Update zu den Neuerungen dreier Leitlinien, die großen Bezug zur primären Abklärung in pädiatrischen Praxen haben: Thoraxschmerzen, Synkope und das Kawasaki-Syndrom. Lesen Sie hier das Wichtigste im Überblick. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Quelle: Kongress „Kinder- und Jugendmedizin aktuell – Online Update 2020 aus Berlin“, Vortrag von Prof. Dr. Sven Dittrich, Kinder- und Jugendklinik der Universitätsklinik Erlangen “Update Kardiologie: Update Leitlinien – Thoraxschmerz, Synkope, Kawasaki Syndrom“, 19. September 2020. Redaktion: Dr. Linda Fischer

Thoraxschmerzen: Basisdiagnostik über Anamnese und klinischen Befund

Kardiale Ursachen für Thoraxschmerzen bei Kindern sind selten (≤1%). Um eine Überdiagnostik zu vermeiden, ist eine strukturierte Anamnese und ein klinischer Befund inklusive Blutdruckmessung essenziell. Die Abnahme von Laborparametern und technische Untersuchungen sind selten indiziert und sollten nur bei Notwendigkeit erfolgen.

Häufige Warnzeichen für kardiale Ursachen
Warnanzeichen für kardiale Ursachen von Thoraxschmerzen in der Anamnese sind unter anderem

  • das Vorliegen einer Synkope,
  • Palpitationen,
  • plötzlich einsetzender, anhaltender Schmerz,
  • Schmerzen unter intensiver Belastung,
  • vorangehendes Fieber,
  • kardiale Grunderkrankungen und
  • eine positive Familienanamnese inklusive Marfan-Syndrom.

In der klinischen Untersuchung sind häufige Warnzeichen der Allgemeinzustand (AZ), Blässe, Kaltschweißigkeit, Dyspnoe, pathologischer Puls oder Hepatosplenomegalie.

Synkope im Kindes- und Jugendalter

Synkopen treten am häufigsten in einem Alter von zehn bis 21 Jahren auf. Klinische Charakteristika einer Synkope sind ein rasches Einsetzen der Bewusstlosigkeit, Verlust des Muskeltonus, und spontane und vollständige Erholung. Die Patienten werden über eine strukturierte Anamnese und klinische Befunderhebung mit Vitalparametererhebung inklusive Blutdruckmessung und der Ableitung eines EKGs untersucht.

Klinischer Befund und EKG zur Identifizierung kardialer Ursachen
Warnhinweise, die eine weitere kardiologische Abklärung veranlassen, werden auch hier über eine Anamnese ermittelt:

  • Wie kam es zur Synkope?
  • Traten Prodomi auf?
  • Gab es einen atypischen Trigger? (Schreck, kaltes Wasser, große Erregung?)
  • Sind gegebenenfalls genetisch bedingte, kardiale Grunderkrankungen vorhanden?

Bei Vorliegen einer kardialen Grunderkrankung werden im klinischen Befund vegetative Symptome erwartet, wie reduzierter AZ, blasses Hautkolorit, Kaltschweißgkeit, Dyspnoe, Herzgeräusche, pathologische Werte für Puls, Herzfrequenz und Blutdruck und erniedrigte Sauerstoffsättigung.

Die EKG-Ableitung kann Aufschluss über kardiale Ursachen geben. Besonders streicht Prof. Dittrich folgende Veränderungen und Pathologien heraus:

  • Anhaltende Tachykardien,
  • abnormale QTc-Zeit (Cave: bei klinischem Verdacht schließt ein einzelnes EKG mit normaler QTc-Zeit ein Long-QT-Syndrom nicht aus!),
  • Brugada-Syndrom
  • Repolarisationsstörungen, z.B. die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom
  • Tiefe Q-Zacken in I und aVL (z.B. bei Koronaranomalien)

Kawasaki-Syndrom bei Kindern

Das Kawasaki-Syndrom (KS) ist eine akute systemische Vaskulitis, die zu 80% bei Kindern unter fünf Jahren auftritt. Klassische Symptome sind Fieber über fünf Tage und das Vorliegen von vier der folgenden fünf Kriterien: Konjunktivitis, Enanthem (z.B. trockene Lippen, Lacklippen, Himbeerzunge), Extremitätenbeteiligung zunächst mit Schwellungen und Rötungen an Händen und Füßen, meist stammbetonte, nicht vesikuläre Exantheme und die meist unilaterale zervikale Lymphadenopathie mit 1,5 cm großen Lymphknoten. Liegen nicht alle Kriterien vor, handelt es sich um ein inkomplettes KS.

Deswegen gehört das KS in die Differenzialdiagnose unklarer Fiebererkrankungen. Die Laborparameter geben einen Hinweis auf das Ausmaß der Inflammation, eine Echokardiographie ist unverzichtbar und muss gegebenenfalls wiederholt erfolgen.

Akuttherapie mit Prednison
Bekannterweise wird das KS mit Immunglobulinen und Aspirin behandelt. Eine neue, bei initial vergrößerten Koronararterien empfohlene Form der Akuttherapie ist Prednison. Es kann angewendet werden, wenn mehr als eins der folgenden atypischen Kriterien vorliegt: Alter des Patienten ≤1 oder ≥7 Jahre, männliches Geschlecht, deutlich erhöhte Inflammationsparameter oder eine Krankheitsdauer bis zum Therapiebeginn ≤4 oder ≥14 Tage.

  1. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.; Video-Vortrag von Prof. Dr. S. Dittrich: Update Kardiologie: Update Leitlinien – Thoraxschmerz, Synkope, Kawasaki Syndrom. 19. September 2020, 15:15 Uhr.

Bildquelle: © Getty Images / skyNext

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