21. Oktober 2020

Nicht immer harmlos

Schwerste Enzephalopathie durch Influenza-Viren

Eine Influenza verläuft im Kindesalter meist relativ harmlos mit Fieber und Husten – die häufigsten Komplikationen sind Pneumonie oder Myositis. Eine sehr seltene neurologische Komplikation ist die Influenza-Enzephalopathie, deren Diagnose eine Herausforderung darstellen kann.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Quelle: Daria Sumbadze et al; Alltägliche Virusinfektion mit gravierenden Folgen – Ein Fallbericht über eine Influenza-Enzephalopathie; Kongress für Kinder -und Jugendmedizin, Online-Update 2020, 17. -19. 9.20, Berlin; Poster 78775. Redaktion: Maria Weiß

Daria Sumbadze und ihre Kollegen vom Epilepsie-Zentrum an der DRK-Klinik Westend in Berlin berichten von einem normal entwickelten dreijährigen Mädchen, das initial wegen Fieber und Exsikkose aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ein Rachenabstrich auf Influenza A positiv.

Schwerste motorische Störungen

Im weiteren Verlauf kam es zu zunehmender Somnolenz, schrillem Schreien, tonisch-klonischen Anfällen, Anarthrie, Dysphagie und Inkontinenz bei weiter bestehendem Fieber. Am fünften Tag wurde das Kind in das neuropädiatrische Zentrum verlegt. Zu diesem Zeitpunkt reagierte das Kind nicht mehr auf Ansprache und wies schwerste motorische Störungen auf.

Zweimalig durchgeführte Lumbalpunktionen zeigten nur unspezifische Entzündungszeichen – die Virusserologie auf VZV, HSV, Influenza, Borrelien und Masern war negativ. Im Labor fiel nur ein hohes CRP auf. Das MRT zeigte ein Hirnödem mit Diffusionsrestriktion im tiefen cerebellären Marklager – das EEG initial eine deutliche Verlangsamung mit Zeichen hypersonorer Aktivität. Die in der Bildgebung darstellbare Kleinhirn-Dysfunktion erklärte nur einen Bruchteil der Symptomatik, so dass die Neuropädiater zumindest von einer Mitbeteiligung des Hirnstammes und des supratentoriellen Marklagers ausgingen.

Erst nach drei Monaten wieder Sprechen, Sitzen, Laufen

Trotz bildmorphologischem und enzephalographischem Rückgang der Veränderungen hinkte die klinische Besserung deutlich hinterher – tonisch-klonische Krämpfe, Muskelhypotonie, Dysphagie, Anarthrie, Inkontinenz und verminderte Vigilanz persistierten zuerst. Erst nach einer zehnwöchigen Neurorehabilitation war wieder eine volle orale Ernährung möglich und das kleine Mädchen hatte seine verbal-expressiven und motorischen Fähigkeit weitgehend zurückerlangt. Auch die Aufmerksamkeit war deutlich verbessert.

Der Fall demonstriert, wie unterschiedlich die neurologischen Ausfälle bei einer Influenza-Enzephalopathie sein können. Dadurch wird die Diagnosestellung deutlich erschwert, schreiben die Autoren.

  1. Daria Sumbadze et al; Alltägliche Virusinfektion mit gravierenden Folgen – Ein Fallbericht über eine Influenza-Enzephalopathie; Kongress für Kinder -und Jugendmedizin, Online-Update 2020, 17. -19. 9.20, Berlin; Poster 78775

Bildquelle: © gettyImages/Shidlovski

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