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Pädiatrie kompakt

10. Jan. 2023
Zu viel des Guten

Säugling mit Vitamin-D-Intoxikation auf der Intensivstation

Ein sieben Monate alter Säugling wurde mit Gewichtsabnahme, Exsikkose, Vigilanzminderung, Elektrolytstörungen und Nephrocalcinose auf die Intensivstation aufgenommen. Es stellt sich heraus, dass ihm seine Eltern – in guter Absicht – ein „hochpotentes“ Vitamin-D-Präparat verabreicht haben. 1

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Säugling bekommt Tropfen
Hochkonzentrierte Flüssigkeitszubereitungen von Vitamin D sollten bei Kindern möglichst vermieden werden; Symbolbild (Foto: © Getty Images / nicoletaionescu)

Autorin: Maria Weiß | Redaktion: Marie Fahrenhold

Ein sieben Monate alter Säugling wurde mit Gewichtsabnahme, Exsikkose, Vigilanzminderung, Elektrolytstörungen und Nephrocalcinose auf die Intensivstation aufgenommen. Die Diagnose nach Ausschluss von adrenogenitalem Syndrom, Nebennieren- und Schilddrüsenstörungen: Ein Übermaß an Vitamin-D. 

Für alle Säuglinge in Deutschland wird zur Rachitisprophylaxe zusätzlich eine orale Supplementierung mit 400–500 IE Vitamin D3 pro Tag (10–25 µg) bis zum zweiten erlebten Frühsommer mit dann höherer UV-Exposition und Vitamin-D-Eigensynthese empfohlen. Das sind in der Regel 1–1,5 Jahre nach Geburt. Als höchste sichere tägliche Zufuhr gelten bei Säuglingen 25–35 µg/d – auch das liegt schon deutlich über dem eigentlichen physiologischen Bedarf.

Auf Anraten von Freunden „potenteres“ Präparat bestellt

Zuerst hatten die Eltern des kleinen Patienten alles richtig gemacht und ihrem Kind die ärztlich verordnete Vitamin-D-Prophylaxe von 500 IE (12,5 mg/d) pro Tag verabreicht. Auf Anraten von Freunden bestelltem sie dann aber im Internet ein „potenteres“ Präparat, mit einer Tagesdosis von 40.000 IE in 40 Tropfen. Entsprechend war bei ihrem Kind die Konzentration von 25-Hydroxycholecalciferol im Serum mit über 600 µg/l (Referenzbereich 20–70 µg/l) extrem erhöht und Parathormon (intakt) mit 4,4 ng/l (Referenzbereich 15–65 ng/l) deutlich supprimiert.

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) weiß von mehreren solcher Fälle. Wird Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel und nicht als Fertigarzneimittel gehandelt, sind der Dosierung keine Beschränkungen auferlegt. Die Anwender wähnen sich in Sicherheit, da die Mittel frei verkäuflich sind. Bei langfristiger Überdosierung kann es zu einer potenziell lebensbedrohlichen Hypercalcämie mit Calcium-Ablagerungen in Gefäßen und Niere kommen.

Aus Sicht der AkdÄ wären Höchstmengen von Vitamin D bis zu einer Tagesdosis von höchsten 20 µg/d in frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll. Hochkonzentrierte Flüssigkeitszubereitungen von Vitamin D sollten schon allein wegen der Gefahr akzidenteller Überdosierungen bei Kindern möglichst vermieden werden.

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