26. März 2021

PIMS

Bei fehlgeleitetem Immunsystem kann Covid-19 auch für Kinder gefährlich werden

Zwar entwickeln die meisten Kinder und Jugendlichen nur leichte Symptome bei einer Covid-19-Infektion – in einigen Fällen kommt es aber offensichtlich zu einem Amoklauf des Immunsystems mit Organbeteiligung. Diese Fälle von PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) hat die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie in einem bundesweiten Register gesammelt und ausgewertet.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Kriterien für PIMS

Um die Kriterien für ein PIMS zu erfüllen, müssen Kinder und Jugendliche (bis 19 Jahre) mindestens 48 Stunden Fieber sowie erhöhte Inflammationsparameter (CRP, PCT, BSG) ohne das Vorliegen einer anderen eindeutigen Ätiologie (z.B. Urosepsis) aufweisen und zusätzlich mindestens zwei der folgenden Kriterien der Organbeteiligung erfüllen:

  • Exanthem, beidseitige nicht purulente Konjunktivitis oder Entzündungsreaktionen an Haut-/Schleimhaut,
  • Arterielle Hypotension oder Schock,
  • Myokardiale Dysfunktion, Perikarditis, Valvulitis oder Koronarpathologien (einschließlich echokardiographischer Zeichen oder erhöhtes Troponin/NT-proBNP),
  • Vorliegen einer Koagulopathie (PT, PTT, d-Dimere Erhöhung),
  • Akute gastrointestinale Probleme (Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Appendizitis-Verdacht),
  • Hämatologische Auffälligkeiten.

Die Falldefinition fordert dabei explizit nicht den Nachweis einer SARS-CoV-2 Infektion, um das Krankheitsbild möglichst breit primär syndromal zu erfassen.

Zwischen Mai 2020 und März 2021 wurden 245 PIMS-Fälle von Kindern und Jugendlichen gemeldet, bei denen ein möglicher Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion wahrscheinlich war (positiver PCR-Test- oder Antigennachweis, positive Serologie oder SARS-CoV-2-Kontakt und Ausschluss anderer infektiologischer Ursachen). Es zeigte sich ein Gipfel von PIMS im Dezember 2020– parallel zum Peak der Covid-19-Hospitalisierungen bei Kindern und Jugendlichen.

Herz-Kreislauf-System am häufigsten betroffen

Die Forscher konnten feststellen, dass Kinder mit PIMS im Vergleich zu stationären pädiatrischen Covid-19-Fällen älter und häufiger männlich sind.  Außerdem fiel auf, dass PIMS-Fälle seltener mit Grunderkrankungen assoziiert sind als bei hospitalisierten Covid-19-Fällen in dieser Altersgruppe. Bei einem Teil der Betroffenen zeigten sich Überlappungen mit dem Kawasaki-Syndrom.

Nur bei etwa einem Drittel der Patienten wurde die Verdachtsdiagnose PIMS schon bei Aufnahme gestellt – Gastroenteritis und Sepsis waren die häufigsten Erstdiagnosen. Die häufigsten Organbeteiligungen betrafen Herz-Kreislauf-System, Magen-Darm-Trakt sowie Haut- und Schleimhäute.

Nur bei 13 % der PIMS-Fälle war der Antigen-Direktnachweise mittels PCR-Test noch positiv – bei 84 % konnten Antikörper nachgewiesen werden. 58 % der Patienten wurden intensivmedizinisch behandelt, fast alle (95 %) erhielten immunmodulatorische Medikamenten und viele (80 %) auch eine systemische Antibiotikatherapie. 

Bisher keine Todesfälle

Die Prognose scheint dennoch relativ günstig zu sein. Bisher sind keine Todesfälle an PIMS zu beklagen und Folgeschäden (überwiegend des Herz-Kreislauf-Systems) wurden bei Entlassung bei weniger al 10 % festgestellt. Allerdings hatte 42,7 % zu diesem Zeitpunkt noch Restsymptome, die ebenfalls zumeist das Herz-Kreislaufsystem betrafen.

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