15. April 2021

Covid-19

Multisystemisches Inflammatorisches Syndrom folgt nach 2 bis 5 Wochen

Das sogenannte Multisystemische Inflammatorische Syndrom (MIS-C) stellt bei Kindern eine lebensgefährliche Komplikation einer SARS-CoV-2-Infektion dar. US-Wissenschaftler haben 1.733 Fälle in Bezug auf das klinische Bild sowie die zeitliche und geographische Verbreitung ausgewertet – und kommen zu dem Schluss, dass es sich um eine verzögerte immunologische Antwort auf die Corona-Infektion handelt. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Das MIS-C ist definiert als hyperinflammatorisches Syndrom im zeitlichen Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung und ähnelt klinisch einem Kawasaki-Syndrom oder einem toxischem Schocksyndrom. Von den 1.733 betroffenen Kindern und Jugendlichen aus den USA waren auffällig viele nicht weißer Herkunft (71,3 %), 57,6 % waren männlich.

Mehr als die Hälfte müssen auf die Intensivstation

Bei den meisten Patienten (90.4 %) waren mindestens 4 Organsysteme betroffen. Am häufigsten waren gastrointestinale Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von Hautauschlägen und konjunktivaler Hyperämie. 54 % der MIS-Patienten entwickelten einen hypovolämischen Schock und 58,2 % mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Kardiale Störungen wie Perikarderguss, Myokarditis oder Koronarveränderungen traten bei etwa einem Drittel auf. Die Mortalität lag insgesamt bei 1,4 %.

Es zeigten sich deutliche Unterschiede in den verschiedenen Altersgruppen. Die jüngsten Kinder (0 – 4 Jahre) hatten den geringsten Anteil an schweren Manifestationen, obwohl auch hier 44,3 % intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Junge Erwachsenen zwischen 18 und 20 Jahren gaben am häufigsten eine klassische Covid-19-Symtomatik im Vorfeld an (63 %) und hatten die höchste Rate an Mykokarditis (30 %), Pneumonie (36,4 %) und ARDS (18,3 %).

Die zeitliche Verteilung der Fälle von MIS-C zeigte zwei Gipfel, die den Covid-19-Peaks mit 2- bis 5-wöchiger Verzögerung folgten. Wie bei Covid-19 auch, traten die meisten Fälle zuerst in den großen Städten und später dann auch in ländlichen Gegenden auf. Dies unterstützt nach Aussage der Autoren die Hypothese einer verzögerten Immunreaktion.

  1. Ermias D. Belay et al; Trends in Geographic and Temporal Distribution of US Children With Multisystem Inflammatory Syndrome During the COVID-19 Pandemic; JAMA Pediatr (2021); doi:10.1001/jamapediatrics.2021.0630

Bildquelle: © gettyImages/FatCamera

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653