MIS-C bei einem Kleinkind, das sich zunächst mit Fieber und Pyurie vorstellte
Ein MIS-C (Multisystem inflammatory syndrome in children) ist eine sehr seltene Komplikation nach einer Covid-19-Erkrankung im Kindesalter. Die Diagnose anhand der ersten Symptome ist nicht immer einfach, wie der Fall eines knapp zweijährigen Jungen aus Ost-Asien zeigt.1
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Autorin: Maria Weiß | Redaktion: Dr. Nina Mörsch
Der kleine Junge wurde in der Notaufnahme mit seit zwei Tagen bestehendem Fieber über 39°C ohne weitere lokale Symptome vorgestellt. Im Urin wurde eine Pyurie nachgewiesen, sodass Dr. Kinyui Alice Lo vom Department of Family Medicine, National University Health System, Singapore und ihre Kollegen einen Harnwegsinfekt diagnostizierten, der ambulant mit Cephalexin behandelt wurde. Die Eltern gaben an, dass ihr Sohn vor etwa 5 Wochen eine milde PCR-bestätigte Corona-Infektion durchgemacht hatte.
Diagnose Harnwegsinfekt erwies sich als falsch
Ein Tag später kamen die Eltern aufgrund des persistierenden hohen Fiebers und einmaligen Erbrechens nach Einnahme des oralen Antibiotikums erneut in die Notaufnahme. Das Kind wirkte übellaunig, aber ansonsten gesund. Die Eltern wurden mit einer erhöhten Cephalexin-Dosis wieder nachhause geschickt, kamen aber zwei Tage später erneut in die Notaufnahme. Der Junge hatte immer noch hohes Fieber, war aber hämodynamisch stabil. Jetzt zeigte die körperliche Untersuchung ein gereiztes Kind mit beidseitiger nicht-eitriger Konjunktivitis, aufgesprungenen Lippen und erythematösen Extremitäten.
Hohe Entzündungsparameter und Koronarbeteiligung
Zur weiteren Diagnostik wurde der Junge stationär aufgenommen. Die Laboruntersuchungen ergaben deutlich erhöhte Entzündungsmarker (CRP 108 mg/l, BSG 29 mm/h, Procalcitonin 3,76 µg/l), eine milde Thrombozytopenie und ein deutlich erhöhtes NT-proBNP (10.271 pg/ml).
Es wurden SARS-CoV-2-Antikörper nachgewiesen, der PCR-Test war aber negativ. Das Thorax-Röntgenbild einschließlich der Herzkontur war unauffällig – in der transthorakalen Echokardiographie zeigte sich aber eine leichte Dilatation der rechten und linken vorderen absteigenden Koronararterie bei normaler biventrikulärer systolischer Funktion. Wiederholte Urinkulturen ergaben im Unterschied zur ersten Urinuntersuchung kein bakterielles Wachstum mehr – die am Aufnahmetag abgenommene Blutkultur ergab ein Wachstum von Moxarella osloensis.
Kriterien einer MIS-C erfüllt
Mit diesen Befunden erfüllte der Junge mit mehr als 5-tägigem Fieber sowie mukokutaner, hämatologischer und kardialer Manifestation einer systemischen Entzündung die Kriterien eines MIS-C – auch wenn die Corona-Infektion fünf und nicht vier Wochen her war. Differenzialdiagnostisch wurde auch an ein inkomplettes Kawasaki-Syndrom gedacht – hier waren aber nur drei von fünf Kriterien erfüllt.
Therapie
Therapeutisch wurde mit 4,4 mg/kg ASS und einer i.v.-Antibiose mit Augmentin begonnen. Zusätzlich erhielt der Junge zwei Dosen intravenöses Immunglobulin. Wegen ausbleibender Besserung wurde am Tag 5 nach Aufnahme für drei Tage 10 mg/kg i.v. Methylprednisolon gegeben, was zu einer raschen Besserung führte.
Nach 8 Tagen konnte das Kind mit 50 mg/d ASS und ausschleichender Prednisolon-Dosis entlassen werden. Augmentin war bereits abgesetzt worden, da der Moxarella-Nachweis als Kontamination interpretiert wurde.
Die Koronarauffälligkeiten waren auch nach drei Monaten noch nachweisbar. Nach sechs Monaten zeigte die Echokardiographie einen Normalbefund, das NT-proBNP war auf 186 pg/mL zurückgegangen und die Thrombozytenzahl hatte sich normalisiert. ASS wurde daraufhin abgesetzt. Nach neun Monaten war dann wieder eine leichte Dilatation der linken Koronararterien nachweisbar, sodass in sechs Monaten eine weitere Kontrolluntersuchung geplant ist.
Schlussfolgerung
Der Fall macht deutlich, dass es im Kindesalter auch nach leichten Covid-19-Verläufen zu einem MIS-C kommen kann. Die Symptome können anfangs sehr unspezifisch sein und leicht mit anderen pädiatrischen Erkrankungen verwechselt werden. Man sollte daher bei unklaren Symptomen immer nach einer kürzlichen Covid-19-Erkrankung fragen und den weiteren Verlauf genau beobachten, schreiben die Autorin und ihre Kollegen.
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