24. Juni 2021

Langzeitfolgen von PIMS-TS

Nach 6 Monaten noch schwach und emotional labil

Das pädiatrische inflammatorische Multiorgan-Syndrom temporär assoziiert mit SARS-CoV-2 (PIMS-TS) beschreibt eine seltene, aber schwere Komplikation einer Covid-19-Infektion bei Kindern und Jugendlichen. In einer retrospektiven Kohortenstudie aus Großbritannien wurde untersucht, welche Langzeitfolgen bei betroffenen Kindern zu erwarten sind. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Das pädiatrische inflammatorische Multiorgan-Syndrom temporär assoziiert mit SARS-CoV-2 (PIMS-TS) beschreibt eine seltene, aber schwere Komplikation einer Covid-19-Infektion bei Kindern und Jugendlichen. In einer retrospektiven Kohortenstudie aus Großbritannien wurde untersucht, welche Langzeitfolgen bei betroffenen Kindern zu erwarten sind.

PIMS-TS ist ein postinfektiöses hyperinflammatorisches Syndrom, das der Covid-19-Infektion zeitlich versetzt folgt.

Typische Symptome sind Fieber, Ausschlag, Bindehautentzündung und gastrointestinale Störungen. In einigen Fällen kann es auch zu einem Multiorganversagen kommen, das einen Aufenthalt auf der pädiatrischen Intensivstation erforderlich macht. Allein in Großbritannien und Irland sind zwischen März und Juni 2020 mehrt als 250 Fälle von PIMS-TS dokumentiert worden.

46 Kinder über 6 Monate nachverfolgt

Wenig ist bisher über mögliche Langzeitfolgen bekannt. Justin Penner aus London und seine Arbeitsgruppe haben 46 Kinder mit PIMS-TS über sechs Monate nachverfolgt. Die Kinder waren zwischen 8 und 13 (im Mittel 10,2) Jahre alt und zu 65 % männlich, 17 % hatten vor der Covid-19-Infektion relevante Vorerkrankungen. Alle Kinder hatten zum Zeitpunkt der PIMS-TS-Diagnose deutlich erhöhte Marker einer systemischen Inflammation. Verstorben ist keines der Kinder.

Nach sechs Monaten war mit einer Ausnahme bei keinem der Kinder eine systemische Inflammation mehr nachweisbar. 90 % der Kinder mit einem positiven SARS-CoV-2-Antikörpertiter zu Beginn waren auch nach sechs Monaten noch positiv.   

Nach sechs Monaten kaum spezifische Organsymptome

Das Echokardiogramm zeigte bei 44 der 46 Kinder (96 %) nach einem halben Jahr keine Auffälligkeiten. Die bei 45 Kindern anfangs bestehenden gastrointestinalen Symptome bestanden bei 6 (13 %) immer noch fort. Renale, hämatologische und otolaryngologische Befunde hatten sich nach den sechs Monaten überwiegend zurückgebildet. Allerdings zeigte sich bei der neurologischen Untersuchung bei 52 % der Kinder nach sechs Wochen noch Auffälligkeiten und bei 39 % auch noch nach sechs Monaten.

Die anfangs eingeschränkte Muskelkraft hatte zwar wieder deutlich zugenommen, im 6-Minuten-Geh-Test schnitten aber 18 der 40 betroffenen Kinder (45 %) immer noch sehr schlecht für ihr Alter ab. 38 % der Kinder hatten nach Aussage der Eltern noch mit emotionalen Problemen zu kämpfen. Trotz dieser Einschränkungen nahmen aber 45 der 46 Kindern nach sechs Monaten wieder am regulären Schulunterricht teil.

Fazit: Organspezifische Komplikationen scheinen somit bei den Kindern sehr selten zu sein – es drohen aber vermehrt Muskelschwäche und emotionale Labilität. Dies sollte auch bei der Rehabilitation berücksichtig werden, so die Autoren.

  1. Justin Penner et al; 6-month multidisciplinary follow-up and outcomes of patients with paediatric inflammatory multisystem syndrome (PIMS-TS) at a UK tertiary paediatric hospital: a retrospective cohort study; Lancet Child & Adolescent Health (2021); 5(7): 473-482; DOI: https://doi.org/10.1016/ S2352-4642(21)00138-3

Bildquelle: © gettyImages/Halfpoint

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