29. Juli 2021

Kopfverletzung im jungen Säuglingsalter

PECARN gibt Auskunft über Risiko

PECARN ist eine klinische Entscheidungshilfe, um bei leichteren kindlichen Kopfprellungen oder Stürzen das Risiko schwererer Kopfverletzungen einzuschätzen und zu entscheiden, ob ein kraniales CT notwendig ist. Jetzt wurde untersucht, ob PECARN auch bei Säuglingen unter 3 Monaten mit ausreichender Sicherheit anwendbar ist.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Prädiktionsvariablen des PECARN (Pediatric Emergency Care Applied Research Network) sind

  • die Schwere des Verletzungsmechanismus (z.B. Autounfall mit Herausschleudern, Fahrradunfall ohne Helm, hohe Fallhöhe),
  • Bewusstseinsverlust (> als 5 sec oder anomales Verhalten),
  • Kopfschmerzen oder anamnestisch Erbrechen, GSC < 15 oder
  • andere Zeichen einer eingeschränkten Bewusstseins und klinische Zeichen einer Schädelbasisfraktur.

Wird all dies verneint, kann das Risiko für relevante Hirn- und Schädelverletzungen als gering eingeschätzt werden.

Zaynah Abid von der Abteilung für Pädiatrie am Columbia University Irving Medical Center, New York, und sein Team haben jetzt PECARN noch einmal gezielt bei Kindern unter drei Monaten validiert. In einer Kohorte von 10.904 Kindern mit leichten Kopfprellungen waren 1.081 unter drei Monate alt und wurden in der Analyse berücksichtigt. Die meisten Kinder waren irgendwo heruntergefallen und bei 58,6 % war ein Kopf-CT durchgeführt worden.

514 der 1.081 der Säuglinge (47,5 %) erfüllten die Kriterien eines geringen Risikos nach PECARN. Nur eines dieser Kinder (0,2 %) hatte dann doch eine klinisch relevante Hirnverletzung. Von den Kindern, von denen ein Kopf-CT vorlag (n=197), zeigten 10 (8,5 %) eine im CT-sichtbare Hirnverletzung (5,1 %) und 9 (4,6 %) einen Schädelbruch.  

Deutlich höher waren die Raten an Verletzungen bei den 567 Kindern, bei denen nach PECARN nicht von einem geringen Risiko ausgegangen werden konnte. 4,2 % hatten hier eine klinisch relevanten traumatische Hirnverletzung, 21,3 % Verletzungsanzeichen im CT und 28 % einen Schädelbruch.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass PECARN auch bei jungen Säuglingen unter drei Monaten angewandt werden kann. Das Risiko für relevante Verletzungen liegt aber auch bei einem „Low-Risk-PECARN“ nicht bei null, so dass die Kinder sorgfältig beobachtet werden sollten.

  1. Zavnah Abid et al; Risk of Traumatic Brain Injuries in Infants Younger than 3 Months With Minor Blunt Head Trauma; Ann Emerg Medi (2021); DOI: https://doi.org/10.1016/j.annemergmed.2021.04.015

Bildquelle: © gettyImages/FotoDuets

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