18. Dezember 2020

Kinder als unterschätzte Virusschleudern

Prävalenz von SARS-CoV-2-Infektionen genauso hoch wie bei Erwachsenen

Nachdem bei geöffneten Schulen die Covid-19-Fallzahlen im Herbst stark angestiegen sind, stellt sich die Frage, welchen Beitrag Kinder und Jugendliche zur Infektionsverbreitung leisten. In unserem Nachbarland Österreich wurde an den Schulen jetzt eine große Kohortenstudie zur Feststellung der Prävalenz von SARS-CoV-2-Infektionen durchgeführt.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Lange Zeit wurde die Bedeutung von Kindern bei der Ausbreitungsdynamik von SARS-CoV-2 wahrscheinlich unterschätzt. Da sie selbst meist gar keine oder nur geringfügige Symptome zeigen, wurden sie nur selten getestet und es gab anfangs auch einige Hinweise, dass sich unter 12-jährige Kinder wohl nicht so leicht anstecken.

Forschende aus Österreich wollten jetzt genauer wissen, welche Infektionsgefahr von Schulkindern ausgehen kann. Dies ist entscheidend für die Frage, welchen Stellenwert Schulschließungen im Pandemiegeschehen haben können. Auch bei uns in Deutschland werden im harten Lockdown die Schulen jetzt wieder bis zum 10. Januar geschlossen.

Kohortenstudie bei über 10.000 Schülern und Lehrern

Im Rahmen des Schul-SARS-CoV-2-Monitoring wurden zwischen dem 28. September und dem 22. Oktober über 10.000 Schulkinder und Lehrerinnen und Lehrer an 243 Schulen zu verschiedenen Zeitpunkten alle drei bis fünf Wochen (bis zu 10 mal) getestet. Von den zufällig ausgewählten Teilnehmenden gehörte etwa die Hälfte zur Volksschule (entsprechend einer Grundschule bis zur 4. Klasse) – die andere Hälfte zur Sekundarstufe 1 (5. bis 8. Klasse). Um den Kindern den oft als unangenehm empfundenen tiefen Rachenabstrich zu ersparen, wurden die Proben durch Rachen-Mund-Spülungen mit 1-minütigem Gurgeln gewonnen. Die Validität dieses kinderfreundlicheren Tests wurde im Vorfeld von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern überprüft.

Knapp 3 % der Proben waren nicht verwertbar. Insgesamt waren 40 der verbleibenden 10.156 Proben positiv – das entspricht einer Gesamtprävalenz von 0,39 %. Die hier noch nicht erfassten Ergebnisse aus dem Monat November weisen auf einen deutlichen Anstieg hin.

Keine Unterschiede zwischen Schülern und Lehrern

Was auch gezeigt wurde: Es gab keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Schultypen und damit zwischen jüngeren und älteren Kindern. Auch zu den Lehrkräften als Erwachsenenpopulation bestand kein Unterschied. Es konnte somit nicht bestätigt werden, dass kleinere Kinder sich weniger infizieren.

Allerdings wurde deutlich, dass Schulen mit einem hohen bis sehr hohen Index für soziale Benachteiligung eine deutlich höhere Prävalenz aufweisen als solche mit einem geringen oder moderaten Index. Hier gab es bis zu dreieinhalb mehr Infizierte – unabhängig von Klassengrößen und der Bevölkerungsdichte im Umfeld der Schulen. Dies stimmt mit der Beobachtung überein, dass die Pandemie insgesamt ärmere Menschen härter trifft als besser Gestellte.

Das Fazit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Jüngere Schulkinder sind genauso häufig mit SARS-CoV-2 infiziert wie ihre erwachsenen Lehrenden. Da die meisten Kinder keine oder nur geringe Symptome haben, ist die Dunkelziffer der Infizierten wahrscheinlich hoch und die Kinder könnten unwissentlich als kleine „Superspreader“ fungieren und Geschwister, Eltern und Großeltern in den Familien anstecken.

  1. Ergebnisse der Erstuntersuchung der Schul-SARS-CoV-2-Monitoringstudie; Konsortium der Medizinischen Universität Graz, der Medizinischen Universität Innsbruck, der Medizinischen Fakultät der JKU Linz und der Universität Wien in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung
  2. Neue Coronastudie – so ansteckend sind Kinder wirklich; Spiegel online 10.12.2020

Bildquelle: © gettyImages/andresr

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