24. September 2021

Untypischer Anstieg von respiratorischem Synzytial Virus (RSV)

RSV-Prophylaxe vorziehen!

Mehrere Länder berichten von einer ungewöhnlichen Zunahme an Aufnahmen in Kinderkliniken durch Atemwegsinfektionen mit Nachweis von respiratorischem Synzytial Virus (RSV). Fachgesellschaften raten daher zu einer vorgezogenen RSV-Prophylaxe.1

Lesedauer: 2 Minuten

  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Gesellschaft für Neonatologie und Intensivmedizin (GNPI), Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP), Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) und der Gesellschaft für Virologie / Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (GfV/DVV), unterstützt durch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).

RSV-Atemwegsinfektionen treten vermehrt in den Wintermonaten, z.B. in Deutschland zwischen November und März auf.  Während der Pandemie kam es am ehesten durch die Lockdown bedingten Beschränkungen zu einem deutlich reduzierten Auftreten von RSV Infektionen im Kindesalter.

In mehreren Ländern (England, Schweiz, USA, Australien) wird jedoch in den letzten Wochen ein für die Sommer-Jahreszeit untypischer Anstieg an Krankenhausaufnahmen von Kindern mit RSV bedingten Atemwegsinfektionen beobachtet. Über das Labornetzwerk der virologischen Labore werden die RSV-Infektionen in Deutschland kontinuierlich erfasst, hier zeigte sich zunächst kein ungewöhnlicher Anstieg, aber dennoch für die Jahreszeit untypische häufige Einzelnachweise. Zusätzlich wurden in 16 Kinderkliniken zwischen 12.7. und 1.8.2021 insgesamt 50 Kinder mit RSV-Infektionen der unteren Atemwege stationär (zwischen 0 und 5 Aufnahmen/Klinik pro Woche) aufgenommen. Nach aktuellen Zahlen des Respiratorischen Viren Netzwerkes (clinical-virology.net/de) ist die aktuelle Fallzahlentwicklung aber deutlich steigend, variiert aber regional signifikant.

Mehrere Fachgesellschaften haben sich daher in einer gemeinsamen Stellungnahme für folgende Empfehlungen ausgesprochen:

  • Sie empfehlen ab sofort RSV in die Differentialdiagnostik bei Kindern mit Atemwegsinfektionen auch in diesjährigen Sommer einzubeziehen und eine entsprechende Virusdiagnostik aus Atemwegsmaterialien (Rachenabstrich/ Rachenspülwasser) zu veranlassen.
  • Sie empfehlen einen um 1 Monat vorgezogenen Beginn der medikamentösen RSV-Prophylaxe ab Anfang Oktober 2021 für Hochrisikogruppen gemäß den Indikationen der AWMF-Leitlinie.
  • Aufgrund der derzeit nicht absehbaren epidemiologischen Entwicklung der RSV Saison kann eine länger als 5 Monate dauernde Prophylaxe mit Palivizumab erforderlich sein. Eine Klärung mit dem GBA und der KBV wegen der Kostenübernahme einer möglichen längeren Prophylaxe erfolgt parallel.
  • Bei rascher, lokaler Zunahme an RSV Infektionen (z.B. Aufnahme mehrerer Kinder mit RSV-Infektion der unteren Atemwege in einer lokalen Kinderklinik) sollte auch vor Oktober 2021 bereits mit einer RSV Prophylaxe bei Hochrisikopatienten begonnen werden.

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