13. November 2020

Covid-19

Kinder könnten häufiger durch kreuzprotektive Antikörper geschützt sein

Kinder scheinen eine Infektion mit SARS-CoV-2 besonders gut wegzustecken und haben oft nur leichte oder gar keine Symptome. Einer der Gründe dafür könnte laut einer Studie in Science sein, dass sie häufiger als Erwachsene Antikörper gegen andere Coronaviren aufweisen, die nur harmlose Erkältungen auslösen.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

SARS-CoV-1 und -2 sind nicht die ersten Coronaviren, mit denen sich Menschen infizieren können. Schon lange kennt man die verwandten Beta-Coronaviren (HCoV-OC43, HCoV-HKU1, HCoV-NL63 und HCoV-229E), die weltweit zirkulieren und in der Regel nur zu leichten Erkältungen führen. Die daraus folgende Immunität ist zeitlich begrenzt, so dass es immer wieder erneut zu Infektionen kommen kann.

Ein möglicher Schutz vor SARS-CoV-2 durch gegen Beta-Coronaviren gerichtete Antikörper wurde bisher eher für unwahrscheinlich gehalten. Forscher des Francis Crick Instituts in London sind jetzt aufgrund ihrer Untersuchungsergebnisse zu einer anderen Einschätzung gekommen.

Die Forscher um Kevin W. Ng haben einen neuen Test zum Nachweis von SARS-Cov-2-Antikörpern entwickelt. Dabei fiel auf, dass der Test auch bei den Kontrollseren aus der Zeit vor der Covid-19-Pandemie des Öfteren positiv ausfiel. Dem gingen die Forscher weiter nach, indem sie Blutproben mehrerer noch früherer Kohorten untersuchten. Auch hier wurden Antikörper nachgewiesen, die offensichtlich auf SARS-CoV-2 reagierten. Die Prävalenz lag bei Erwachsenen bei 5,3 %, bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren sogar bei 43,8 %.  

Kreuzreaktive Antikörper gegen S2-Einheit des Spike-Proteins

In genaueren Analysen wurde deutlich, dass sich die kreuzprotektiven Antikörper vor allem gegen die S2-Einheit von SARS-CoV-2 richten. Das ist einer der beiden Bestandteile des Spike-Proteins, das die Viren benötigen, um die Zelle zu infizieren. S1 wird benötigt, um an die Zelle zu binden, S2 macht das Eindringen möglich.

Die Forscher konnten zeigen, dass die S2-Einheit von SARS-CoV-2 eine deutlich größere Übereinstimmung mit den Erkältungsviren hat als die S1-Einheit. In Zellkulturen zeigte sich dann, dass die kreuzreaktiven Antikörper tatsächlich Zellen vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützten können. Damit ist allerdings noch nicht bewiesen, dass dies auch im menschlichen Körper funktioniert. Wäre dies der Fall, hätte man eine Erklärung, warum Kinder meist leichtere Covid-19-Verläufe haben. Die höhere Prävalenz der Antikörper in dieser Altersgruppe erklärt sich durch das vermehrte Auftreten von Erkältungserkrankungen.

  1. Kevin W. Ng et al; Preexisting and de novo humoral immunity to SARS-CoV-2 in humans; Science (2020):eabe1107; DOI: 10.1126/science.abe1107

Bildquelle: © gettyImages/FamVeld

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