09. März 2020

Covid-19

Kinder mit milderen Symptomen, aber gleicher Infektionsrate

Eine Auswertung von 391 Covid-19-Fällen in der chinesischen Stadt Shenzhen zeigt unter anderem, dass die Infektionsrate bei Kindern unter 10 Jahren vergleichbar mit der bei Erwachsenen ist. Allerdings verläuft die Erkrankung meist mit weniger starken Symptomen.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem medRxiv-Artikel.1 Redaktion: Christoph Renninger

Bei 91% keine schwere Erkrankung

Zwischen dem 14. Januar und dem 12. Februar 2020 wurden in Sehenzhen 391 Infektionen mit SARS-CoV-2 bestätigt, bei 77% der Fälle erfolgte die Identifikation anhand der aufgetretenen Symptome. Das Durchschnittsalter der Erkrankten lag mit 45 Jahren über dem der Durchschnittsbevölkerung, 79% der Patienten waren zwischen 30 und 69 Jahre alt. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen war annähernd ausgeglichen (187 bzw. 204 Fälle).

Bei der ersten klinischen Untersuchung wiesen die meisten Patienten milde (26%) oder moderate (65%) Symptome auf, lediglich bei 9% waren diese schwerwiegend. Fieber war mit 84% das häufigste Symptom, während 6% der Patienten keinerlei Symptome oder Anzeichen zeigten. Von den 228 Patienten mit bekanntem Ausgang verstarben drei.

Schwere Symptome traten häufiger bei Männern auf (Odds Ratio 2,5) und es zeigte sich ein Trend, dass mit höherem Alter das Risiko für schwere Krankheitsverläufe anstieg.

Kurze Inkubation, langer Krankheitsverlauf

Die Wissenschaftler gehen von einer medianen Inkubationszeit von 4,8 Tagen aus. 95% der Patienten, die Symptome entwickeln, tun dies innerhalb von 14 Tagen nach der Infektion. Die mediane Dauer bis zur Erholung betrug 32 Tage bei Patienten zwischen 50 und 59 Jahren. Für jüngere Patienten (20-29 Jahre) war die Dauer signifikant kürzer (27 Tage), bei älteren Patienten (70 Jahre oder älter) deutlich länger (36 Tage).

Bei einer schweren Symptomatik bei Stellung der Diagnose verlängerte sich die Zeit bis zur Genesung um 58%, bei moderaten Symptomen um 19% im Vergleich zu Patienten mit milden Symptomen. Die 3 Todesfälle traten zwischen 35 und 44 Tagen nach Beginn der Symptome und 27-33 Tage nach Bestätigung der Diagnose auf.

6-fach erhöhtes Risiko im Haushalt und bei Reisen

Insgesamt konnten 1286 enge Kontaktpersonen der Patienten identifiziert werden. 95% dieser Kontaktpersonen wurden für mindestens 12 Tage überwacht. Bei 89 von ihnen konnte eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen werden. Die Übertragunsrate lag insgesamt bei 9,6%, bei Personen, die im gleichen Haushalt leben bei 14,9%. Eine erhöhte Transmission zeigte sich für Haushaltskontakte (Odds Ratio 6,3) und bei gemeinsamen Reisen (Odds Ratio 7,1).

Übertragungen zwischen Kontaktpersonen ähneln sich in allen Altersgruppen, mit einem Trend zu mehr Übertragungen bei älteren Personen. Bemerkenswerterweise lag die Infektionsrate für Kinder unter 10 Jahren mit 7,4% in einem ähnlichen Bereich wie bei der Durchschnittsgruppe (7,9%).

Warum ist die Situation bei Kindern besonders?

Die Autoren schließen, dass Kinder als Überträger von SARS-CoV-2 in Betracht gezogen werden müssen, auch wenn Symptome bei ihnen seltener oder in milderer Form auftreten. „Kinder werden genauso wahrscheinlich infiziert wie Erwachsene, aber sie werden nicht krank”, so Dr. Justin Lessler, Baltimore, einer der Studienautoren.2 Infektionen können so übersehen und weitergetragen werden, zumal Kinder Viren deutlich länger als Erwachsene ausscheiden.

Als mögliche Erklärung, weshalb Kinder weniger anfällig für bestimmten Viren sind, werden diskutiert:3

  • Rezeptoren, die zur Andockung des Virus an Körperzellen benötigt werden, sind weniger stark exprimiert oder entwickelt.
  • Das Immunsystem spricht weniger stark auf die Virusinfektion an und die Symptome sind geringer ausgeprägt.

Allerdings geben die Autoren zu Bedenken, dass sogar bei sehr engen Kontakten lediglich jede 6. Person angesteckt wurde. Sie weisen jedoch auch auf die Limitationen der Studie hin, welche in verschiedenen Protokollen und Definitionen während der Erhebung bestehen.

  1. Bi Q et al. Epidemiology and Transmission of COVID-19 in Shenzhen China: Analysis of 391 cases and 1,286 of their close contacts. medRxiv, 04.03.2020 (Preprint, kein Peer Review)
  2. Are children actually ‘as likely’ to get COVID-19 as adults? Medical News Today, 06.03.2020
  3. Braun A. Kinder sind durch das neuartige Coronavirus kaum gefährdet. SWR Wissen, 04.03.2020

Bildquelle: © Getty Images/Pornpak Khunatorn

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