29. Dezember 2021

Blinddarmentzündung als Covid-19-Manifestation vor allem bei Schulkindern

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 führt bei Kindern eher selten zu den typischen Covid-19-Symptomen, wie man sie von Erwachsenen kennt. Es kommt aber häufiger zu gastrointestinalen Symptomen bis hin zum akuten Abdomen. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß. Redaktion: Sebastian Schmidt

Die Ausstattung des Gastrointestinaltraktes mit ACE-2- und TMPRSS2-Rezeptoren (transmembrane Serinprotease 2) macht ihn zu einem möglichen Zielorgan einer SARS-CoV-2-Infektion. Kinder scheinen hier besonders betroffen zu sein: Etwa ein Viertel der Kinder mit Covid-19 (und 90 % derjenigen mit einem multisystemischen Entzündungssyndrom – MIC-S) entwickeln nach bisherigen Daten Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.

Andrea Lo Vecchio von der Universität Neapel und sein Team werteten in einer multizentrischen Kohortenstudie die Fälle von 685 Kindern mit Covid-19 oder MIC-S (n=57) aus. Die Kinder waren im Mittel 7,3 Jahre alt und 257 (37,5 %) entwickelten gastrointestinale Symptome, die mit einem erhöhten Risiko für eine Hospitalisierung (OR 2,64) und für die Aufnahme auf eine Intensivstation assoziiert waren (OR 3,9).

Bei 65 Kindern (9,5 %) entschied man sich aufgrund der ausgeprägten Symptome für ein Abdomen-CT, bei 27 von ihnen (41,5 %) auch für eine Operation unter der Annahme eines akuten Abdomens. Bei 39,6 % wurde eine disseminierte Adenomesenteritis diagnostiziert, bei 33,5 % eine Appendizitis, bei 21,3 % eine Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum, bei 6,9 % eine Pankreatitis und bei 4,6 % eine Darminvagination. Bei 23 der 27 operierten Kinder wurde eine Appendektomie durchgeführt. In fünf Fällen war es bereits zu einer Perforation des Blinddarms gekommen und bei drei Kindern zu einer Peritonitis. In vier Fällen musste eine Darminvagination chirurgisch behoben werden.

Als Risikofaktoren für schwere abdominale Symptome erwiesen sich u.a. höheres Alter der Kinder (5-10-Jährige aOR 8,33 und > 10-jährige aOR 6,37 im Vergleich zu Vorschulkindern), Lymphopenie (aOR 8,93) und das Vorliegen eines MIS-C (OR 6,28). Über die Hälfte der Betroffenen (56,1 %) der MIS-C-Patienten entwickelten schwere gastrointestinale Symptome.

  1. Andrea Lo Vecchio et al; Factors Associated With Severe Gastrointestinal Diagnoses in Children With SARS-CoV-2 Infection or Multisystem Inflammatory Syndrome; JAMA (2021); (12):e2139974. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.39974

Bildquelle: © gettyImages/T Turovska

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