28. April 2020

Gliome bei Säuglingen

Babys könnten von gezielter Behandlung profitieren

Bestimmte Hirntumoren bei Säuglingen unterscheiden sich biologisch von anderen Hirntumoren im Kindesalter und könnten mit neuen zielgerichteten Medikamenten im Wachstum aufgehalten werden. Das zeigt eine neue Studie von Wissenschaftlern des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ) und Kollegen aus England und den USA. 1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Hochgradige Gliome, eine besonders aggressive Art kindlicher Hirntumoren haben eine sehr schlechte Prognose – nur etwa 20 Prozent der Patienten überleben länger als fünf Jahre. Bei Säuglingen, die jünger als 12 Monate sind, ist die Überlebenschance jedoch tendenziell besser.

Gliome bei Säuglingen weniger aggressiv

In der bisher größten und umfassendsten Studie über Gliome bei Säuglingen fanden KiTZ-Wissenschaftler und Kollegen heraus, dass sich diese Tumoren molekular von denen älterer Kinder unterscheiden und dadurch weniger aggressiv sind. In Zusammenarbeit mit Kollegen des Institute of Cancer Research, London und des Great Ormond Street Institute of Child Health der UCL sowie des St. Jude Children’s Research Hospital in den USA untersuchten KiTZ-Wissenschaftler die molekularen Eigenschaften von Gliomen bei 241 Kindern aus aller Welt. Die neuen Ergebnisse könnten helfen, Babys, die einen günstigeren Krankheitsverlauf haben, zu identifizieren, um ihnen möglicherweise eine aggressivere Therapie und deren Nebenwirkungen zu ersparen.

Hirntumoren bei Säuglingen getrennt von anderen kindlichen Tumoren klassifizieren

Die Studie ergab, dass Hirntumoren bei Säuglingen oft spezifische molekulare Angriffsstellen aufweisen, die mit bereits zugelassenen zielgerichteten Medikamenten behandelt werden könnten. In mehr als der Hälfte der Tumoren fanden die Forscher eine völlig andere genetische Ursache als bei Hirntumoren von älteren Kindern, obwohl sie unter dem Mikroskop nicht zu unterscheiden waren. Die neuen Ergebnisse sollen künftig auch in die Diagnoserichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingehen, wobei bestimmte Hirntumoren bei Säuglingen getrennt von anderen Hirntumoren im Kindesalter klassifiziert werden.

Verfügbare zielgerichetete Medikamente können Tumorwachstum verhindern

Unter anderem entdeckten die Wissenschaftler spezifische Gendefekte – darunter sogenannte ALK- und NTRK-Genfusionen, für die es bereits zielgerichtete Therapiemöglichkeiten gibt. „Unsere Untersuchungen in Tumormodellen haben gezeigt, dass einige bereits zugelassene zielgerichtete Medikamente das Wachstum der Tumoren verhindern könnten”, erläutert Letztautor David Jones, der am KiTZ die Nachwuchsgruppe für Pädiatrische Gliomforschung leitet. „Dieser Effekt war viel stärker als bei der Standardchemotherapie.”

Darüber hinaus testeten die Forscher die Wirkung unterschiedlicher Medikamente an dreidimensionalen „Mini-Tumoren” aus Patientenproben. Sie stellten fest, dass Tumoren, die eine Fusion von NTRK-Genen mit anderen Genen trugen, besonders empfindlich auf Medikamente reagierten, die das Enzym NTRK blockierten. Tumoren mit diesen Fusionsmutationen reagierten beispielsweise zwei- bis neunmal empfindlicher auf die zielgerichteten Behandlungen als solche ohne.

Eine kleine Anzahl von Kindern, deren Tumoren in der Studie analysiert wurden, wurde bereits erfolgreich mit diesen Medikamenten behandelt. Weitere klinische Studien, in denen diese molekularen Zielstrukturen als therapeutische Angriffsziele geprüft werden sollen, sind bereits in Planung und werden in Kürze anlaufen.

Das „Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg” (KiTZ) ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und der Universität Heidelberg (Uni HD).

  1. Babys mit Hirntumoren könnten von gezielter Behandlung profitieren; Deutsches Krebsforschungszentrum; 23.04.2020.

Bildquelle: © gettyImages/zilli

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