02. September 2021

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie

Grundschulkinder sind dicker und schlapper

In den Grundschulen wird einiges aufzuholen sein: Nicht nur Wissenslücken sind bei den Kindern durch die Pandemie entstanden – auch die körperliche Fitness lässt nach den Lockdown-Maßnahmen und Schließungen von Schulen und Sporteinrichtungen zu wünschen übrig. Im Gegenzug dazu bringen die Kinder deutlich mehr Kilos auf die Waage, wie eine österreichische Studie gezeigt hat. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß, Redaktion: Dr. Linda Fischer

Die kardiorespiratorische Fitness (CRF) in der Kindheit gilt als wichtiger Gesundheitsmarker auch für das spätere Leben. Übergewicht, abdominelles Fett, und metabolisches Syndrom sind bei körperlich fitten Kindern deutlich seltener anzutreffen.

Wie in vielen anderen Ländern auch, waren in Österreich die Bewegungsmöglichkeiten für Kinder während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 deutlich eingeschränkt. Nicht nur die Schulen und Kitas waren geschlossen – auch Sportstätten und Spielplätze wurden gesperrt. Das Team um Gerald Jarnig vom Grazer Institut für Bewegungswissenschaften hat bei 760 Grundschulkindern zwischen sieben und zehn Jahren untersucht, welche Auswirkungen dies auf die CRF und den Body-Mass-Index (BMI) hat.

Die teilnehmenden Kinder aus dem Raum Klagenfurt (Stadt und Land) waren aus einem anderen Grund bereits im Herbst 2019 untersucht worden. Sie wurden gewogen und gemessen und absolvierten einen Lauftest zur Feststellung der körperlichen Ausdauer. Im September 2020 wurden die Untersuchungen dann wiederholt.

Nach dem Lockdown 20 % mehr dicke Kinder

Bereits im Herbst vor der Pandemie waren 20,3 % der Kinder übergewichtig oder fettleibig. Nach dem Lockdown waren es 24,1 % – das entspricht einer Zunahme von etwa 20 %. Jungen waren hierbei etwas stärker betroffen als Mädchen (Zunahmen um 4,5 % vs. 3.1 %).

Die körperliche Fitness wurde mit einem 6-Minuten-Lauftest untersucht. Im Jahr 2019 liefen die Kinder in dieser Zeit im Mittel 917 Meter weit – im September 2020 waren es mit nur noch 815 m 11 % weniger. Dieser Rückgang der kardiorespiratorischen Fitness betraf Jungen und Mädchen gleichermaßen. Auch bei Mitgliedern von Sportvereinen wurde ein Rückgang der CRF-Scores beobachtet – sie starteten aber auf einem höheren Niveau. Das Autorenteam geht davon aus, dass sich diese ausgeprägten Verschlechterungen auch im zweiten Pandemiejahr noch fortgesetzt haben.

Nicht nur der Bewegungsmangel könnte zu den zusätzlichen Kilos und dem Rückgang der körperlichen Fitness beigetragen haben. Auch veränderte Ernährungsgewohnheiten und die psychische Belastung durch die Pandemie haben möglicherweise eine Rolle gespielt, vermuten das Team.

  1. Gerald Jarnig et al; Association of COVID-19 Mitigation Measures With Changes in Cardiorespiratory Fitness and Body Mass Index Among Children Aged 7 to 10 Years in Austria; JAMA Netw Open (2021);4(8):e2121675;  doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.21675

Bildquelle: © gettyImages/Constantinis

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