15. April 2015

RSV bei Neu- und Frühgeborenen: Rückblick auf die zu Ende gehende Wintersaison

Bei Erwachsenen führt eine Infektion mit dem Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) meist nur zu einem gewöhnlichen Schnupfen. Für Neugeborene jedoch kann eine Infektion mit einer gefährlichen Bronchiolitis einhergehen. Besonders in der Wintersaison (November – April)1 besteht Infektionsgefahr.

In der gerade vergangenen Saison rollte die Grippewelle besonders stark über Deutschland. Der Gipfel der akuten respiratorischen Erkrankungen in Deutschland in den Kalenderwochen 9 und 10 übertraf sogar den Gipfel der Saison 2012/2013, die bereits als aussergewöhnlich heftig galt. 2 Dabei bestand für die Altersgruppe der 0-4-Jährigen bis zur KW 4/2015 ein erheblich größeres Risiko einer Infektion mit RS-Viren als mit Influenza-Viren, wie der Rückblick auf die Saison-Übersichtsdiagramme des RKI zeigt. 2 Und auch generell ist RSV der häufigste Erreger von Erkrankungen der unteren Atemwege in den ersten beiden Lebensjahren. 3 Gerade deshalb ist es also wichtig bei Risiko-Kindern an die RSV-Immunisierung zu denken.

Besonders Frühgeborenen können schwere Komplikationen erleiden

Bekommt ein Kleinkind durch eine RSV-Infektion eine Bronchiolitis, kann diese einen schweren Verlauf nehmen und eine Jahre anhaltende Hyperreagibilität des Bronchialsystems nach sich ziehen. 3 Ein hohes Risiko für einen solchen schweren Krankheitsverlauf haben vor allem Frühgeborene. 4 In Deutschland kommen jährlich mehr als 60.000 Kinder zu früh zur Welt, davon 8.000 vor der 30. Schwangerschaftswoche. Aber auch Kinder mit Lungenerkrankungen oder angeborenen Herzfehlern sind besonders gefährdet.

Eine leitliniengerechte RSV-Prophylaxe schützt Risikokinder

In der Leitlinie RSV-Prophylaxe bei Risikokindern werden Impfempfehlungen und Indikationen erläutert. 4

Ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nach einer RSV-Infektion haben:

  • Kleinkinder im Alter von ≤ 24 Lebensmonaten zum Beginn der RSV-Saison, die we­gen mittelschwerer oder schwerer bronchopulmonaler Dysplasie/chronischer Lungenerkrankung (Bedarf der O 2 – Supplementation und/oder CPAP/Beatmung im Alter von 36 Wochen) bis wenigstens sechs Monate vor Beginn der RSV-Saison mit O 2 behandelt wurden.
  • Säuglinge im Alter von ≤ 12 Lebensmonaten zum Beginn der RSV-Saison mit hämodynamisch relevanter Herzerkrankung (vor allem operations- bzw. interventionsbedürftige Herzfehler, mitpulmonalarterieller Hypertonie, pulmonalvenöser Stauung oder Zyanose sowie bei schwerer Herzinsuffizienz unter medikamentöser Therapie).

Ein mittleres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nach einer RSV-Infektion haben Säuglinge:

  • im Alter von ≤ 12 Monaten zum Beginn der RSV-Saison, die als Frühgeborene mit einem Gestationsalter von ≤ 28+6 Schwangerschaftswochen geboren wurden.
  • im Alter von ≤ 6 Monaten zum Beginn der RSV-Saison, die als Frühgeborene mit einem Gestationsalter von 29+0 bis 34+6 SSW geboren wurden, mit mindestens zwei der folgenden Risikofaktoren: Entlassung aus der neonatologischen Primärversorgung direkt vor oder während der RSV-Saison, Kinderkrippenbesuch oder Geschwister in externer Kinderbetreuung, schwere neurologische Grunderkrankung
  • im Alter von ≤ 12 Monaten zum Beginn der RSV-Saison mit einer anderen Grunderkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung (z. B. anhaltendem O2-Bedarf), der respiratorischen Kapazität (z. B. neuromuskuläre Erkrankung, Trisomie 21, Zwerchfellhernie) oder schwerer Immundefizienz.
  • im Alter von > 12 bis ≤ 24 Monaten zum Beginn der RSV-Saison mit hämodynamisch relevanter Herzerkrankung (vor allem operations- bzw. interventionsbedürftige Herzfehler mit pulmonalarterieller Hypertonie, pulmonalvenöser Stauung oder Zyanose) sowie bei schwerer Herzinsuffizienz unter medikamentöser Therapie.

Empfehlung zur RSV-Immunisierung

Der Leitlinie, die u. a. von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie erarbeitet wurde, zufolge sollen die Eltern über die Risiken und Vorteile aufgeklärt werden. Anschließend soll individuell entschieden werden, ob eine Prophylaxe notwendig ist. Aufgrund der hohen Kosten des Impfstoffs Palivizumab wird empfohlen, dass Kinder mit hohem Risiko die Prophylaxe auf jeden Fall erhalten sollen und Kinder mit mittlerem Risiko diese erhalten können.

Die erste Dosis der Prophylaxe mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab sollte bei stationären Patienten, z. B. Frühgeborenen in der Neonatalpflege, 48-72 Stunden vor Entlassung oder spätestens unmittelbar nach der Entlassung erfolgen.

Eine zu Beginn oder unter der Saison begonnene Prophylaxe sollte über die Saison weiter durchgeführt werden. Das ist natürlich nur unter Mithilfe der Eltern möglich, so das diese explizit über die Folgetermine informiert werden sollten. Es wird empfohlen, dass Kinder, die Palivizumab erhalten und mit RSV ins Krankenhaus aufgenommen werden, für die Dauer der RSV-Saison weiterhin Palivizumab in monatlichen Abständen erhalten, um weitere Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. 6 Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, den Impfstoff während der RSV-Saison monatlich intramuskulär zu applizieren. Die Schutzwirkung beginnt mit der Verabreichung der ersten Dosis, erreicht aber erst nach der zweiten Dosis ihr Wirkmaximum. 3

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