13. April 2017

Operation bei kindlicher Hüftfehlstellung: Es geht auch ohne!

Seit 1996 ist die Hüftsonografie Bestandteil der U3-Untersuchung. Dennoch wird das Diagnoseverfahren immer noch bis zu 70.000 Säuglingen pro Jahr vorenthalten. Lesen Sie hier, warum Experten für Orthopädie und Unfallchirurgie dies kritisieren sowie welche Vorteile für den frühen Hüftultraschall durch Studien belegt sind.

Insgesamt seien bis zu 15 Prozent aller Hüftprothesen-Eingriffe bei Patienten unter 50 Jahren auf eine Hüftdysplasie zurückführen, heißt es in einer Mitteilung im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU).

Früher Hüftultraschall als Präventionsmaßnahme

Eine Operation, bei der das Becken an drei Stellen durchtrennt, die Hüftpfannenposition normalisiert und in der korrigierten Stellung das Becken wieder zusammenschraubt wird, sei bei einer frühen Diagnose mittels Ultraschall nicht nötig. “Unser Ziel muss es daher sein, alle Neugeborenen mittels Ultraschall zu untersuchen“, so der Kongress-Präsident des DKOU, Prof. Dr. Rüdiger Krauspe.

Denn mit dieser risikoarmen und verlässlichen Präventionsmaßnahme könnten Hüftreifungsstörungen schon früh erkannt werden, auch wenn der Säugling klinisch unauffällig ist.

Halbierung des Operationsrisikos

Allerdings nehmen manche Eltern die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahr und auch einige Kinderärzte halten das Hüft-Screening für überflüssig. So wurde in den Jahren 2006 bis 2009 nur bei rund 85 Prozent der Säuglinge die empfohlene Hüft-Sonografie bei der U3-Untersuchung angewendet.

Neben den entsprechend versäumten Untersuchungen komme hinzu, dass jeder vierte Hüft-Ultraschall nicht sachgemäß durchgeführt wurde, so die Kritik der DKOU-Mitteilung. Abhilfe soll hier ein qualitätssicherndes Programm schaffen.

Denn professionell – und nach den Vorgaben – durchgeführt, lasse sich die Zahl der Operationen bewiesenermaßen deutlich senken: „Studien zeigen, dass die Säuglings-Sonografie nicht nur ökonomisch überlegen ist – sie halbiert auch das Risiko für eine Operation“, so Prof. Krauspe.

Ernste Konsequenzen durch eine Hüftfehlstellung

Ursache einer Hüftgelenksdysplasie ist die verzögerte Verknöcherung der knorpeligen Hüftgelenkspfanne. Dadurch verschiebt sich der Gelenkkopf des Oberschenkelknochens, der sogar aus der Hüftpfanne herausrutschen kann.

Unbehandelt kann es somit zu Komplikationen, wie einer Fehlstellung, kommen. Betroffene Kinder können die Beine dann nicht mehr richtig vom Körper abspreizen. Ein Hohlkreuz oder Watschelgang können bei Kindern Anzeichen sein.

Treten diese Symptome auf, sollte ein Orthopäde konsultiert werden. Ansonsten drohe auch noch eine Wirbelsäulenverkrümmung, warnt der DKOU-Präsident. Ebenso können Schmerzen und eine Hüftgelenksarthrose als Spätfolgen auftreten.

Nicht invasive Therapiemöglichkeiten

Wird die Erkrankung schon in den ersten Lebenswochen richtig diagnostiziert, kann sie mittels spezieller Maßnahmen behandelt werden, ohne dass eine Operation erfolgen muss:

  • Sitz-Hock-Gips: Im Anfangsstadion erfolgt die Behandlung der instabilen Hüfte standardmäßig für vier bis sechs Wochen mit einem Sitz-Hock-Gips
  • Pavlik-Bandage: Bei konsequenter Mitarbeit der Eltern kann diese Bandage helfen, die Hüfte zu zentrieren und Zeit für die Nachreifung zu gewähren
  • Beuge-Spreiz-Schiene (z. B. Tübinger Schiene): vgl. oben

Übrigens: Wie die Ultraschalluntersuchung Kinder vor einer Hüftarthrose im Alter sowie vor unnötigen Operationen schützen kann, erfahren Sie auf dem DKOU, der von 21-.23. Oktober 2015 in Berlin stattfand.

  1. Pressemitteilung zum Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2015: Orthopäden und Unfallchirurgen fordern Ultraschall bei allen Säuglingen

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