31. Januar 2016

Kindernotfall Anaphylaxie

Mehr Sicherheit durch Einheitsdosis Epinephrin

Gebrannte Erdnüsse oder Erdnuss-Flips isst fast jedes Kind gern. Doch bei einer Erdnuss-Allergie können bereits kleinste Mengen dieser Leckereien einen anaphylaktischen Schock auslösen. Die sofortige Gabe von Epinephrin kann dann lebensrettend sein. Bisher mussten Notärzte die Dosierung von Epinephrin bei Kindern pro Kilogramm Körpergewicht berechnen. Damit ist bald Schluss, entschied jetzt das BfArM. Erfahren Sie hier, in welchen Einheitsdosen Sie Epinephrin künftig beim Kindernotfall einsetzen dürfen.

Neue Einheitsdosis für Epinephrin-Injektionen bei Kindern

Epinephrin ist eines der wichtigsten Medikamente in der Akuttherapie der Anaphylaxie, da es im Notfall schnell den Pathomechanismen der Anaphylaxie durch Vasokonstriktion, Erniedrigung der Gefäßpermeabilität, Bronchodilatation und Ödemreduktion entgegenwirkt. 1

Bei Epinephrin-Produkten zur Injektion in der Konzentration von 1 mg/ml (1:1.000 Lösung) kann demnächst bei Kindern und Jugendlichen in der Indikation Anaphylaxie auf die zeitaufwendige Berechnung des Körpergewichtes verzichtet werden. Entsprechend empfiehlt das BfArM die Injektionen wie folgt zu dosieren: 2

  • Über 12 Jahren: 0.5 mg i.m. (0.5 ml 1:1000 Lösung)
  • 6 bis 12 Jahren: 0.3 mg i.m. (0.3 ml 1:1000 Lösung)
  • 6 Monaten bis 6 Jahren: 0.15 mg i.m. (0.15 ml 1:1000 Lösung)
  • Unter 6 Monaten: 0.01 mg/kg i.m. (0.01 ml/kg 1:1000 Lösung)

Diese Dosen können unter Berücksichtigung von Blutdruck, Puls und Atemfunktion mehrmals in 5 – 15-Minuten-Intervallen wiederholt werden, falls erforderlich. 2

Durch die neuen Dosierungsempfehlungen soll künftig mehr Therapiesicherheit erreicht, Dosierungsfehlern vorgebeugt und die Anwendung im Falle eines anaphylaktischen Schocks erleichtert werden. 3 Mit der Änderung des Dosierungsschemas setzte das BfArM Mitte Dezember 2015 eine Empfehlung der Europäische Arzneimittelagentur (EMA) um, die bereits im Juli letzten Jahres im Rahmen eines Paediatric Worksharing getroffen wurde.

Hersteller sollen Gebrauchsinformation innerhalb von 60 Tagen anpassen

Die neuen Dosierungsempfehlungen werden künftig in Form einer einheitlichen Tabelle in den Fachinformationen unter dem Punkt 4.2 Dosierung und Art der Anwendung zu finden sein. 3

Neben der Dosierungsänderung werden zusätzlich Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die i.m. Anwendung von Epinephrin unter Punkt 4.4 in der Fachinformation ergänzt werden. 2,3 So muss darauf hinweisen werden, dass die intramuskuläre Injektion bei der Initialbehandlung der Anaphylaxie generell zu bevorzugen ist, während die intravenöse Applikation für die Behandlung auf der Intensivstation oder in der Notaufnahme besser geeignet ist. 2

Die Hersteller werden 60 Tage Zeit haben, um Gebrauchsinformationen der Epinephrin-Produkte zur Injektion in einer Konzentration von 1 mg/ml (1:1.000) entsprechend anzupassen. Von den Neuerungen ausgeschlossen sind Epinephrin enthaltende Injektionspens in den Stärken von 0,3 mg und 0,15 mg. 4

  1. LL S2. Allergo J Int 2014; 23: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie
  2. Paediatric Worksharing: Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte
  3. Ausgabe der ifap @rzneimittelnews vom 01.01.2016: Einheitsdosis für Epinephrin-Injektionen zur Notfallmedikation
  4. Apotheke Adhoc. Dezember 2015: Neumann K. Einheitsdosis für Epinephrin
  5. Schönfelder A et al. Erdnussallergie. Elternratgeber. 11: 1/2008: Pädiatrische Allergologie

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