12. Mai 2015

Extremsituation Kindernotfall: Mit dem Paulino®-System schnell und sicher handeln

Kindernotfälle sind glücklicherweise selten. Wenn sie aber auftreten, lösen sie selbst bei erfahrenen Ärzten und Rettungsdienstpersonal Nervosität und Stress aus. Neben der starken emotionalen Belastung spielt auch mangelnde Routine eine große Rolle. Der Hamburger Anästhesist und Schmerztherapeut Dr. med. Ulrich Trappe, selbst im Notdienst tätig, hat deshalb ein System für die Kindernotfallmedizin entwickelt: Das Paulino®-System unterstützt Ärzte dabei, im pädiatrischen Notfall schnell und sicher zu handeln.

Leon (drei Jahre) ist beim Spielen vom Klettergerüst gefallen. Er hat starke Schmerzen im Bereich des rechten Ellenbogens und kann den Arm nicht bewegen. Die Erzieherin ruft den Notarzt. Leon weint. Der Arzt gibt Leon ein Zäpfchen mit 500 mg Paracetamol und veranlasst die Immobilisation des Armes durch die Notfallsanitäter, was erhebliche Schmerzen verursacht. Im Kreiskrankenhaus ergibt die Röntgendiagnostik eine Oberarmfraktur, so dass eine Weiterverlegung in das 20 km entfernte Kinderkrankenhaus per RTW organisiert wird. Wegen anhaltend starker Schmerzen bekommt Leon einen intravenösen Zugang, was erst im 5. Versuch erfolgreich ist. Anschließend werden zur Analgesie 500 mg Metamizol als Kurzinfusion verabreicht.

Bei der Aufnahme im Kinderkrankenhaus sind die Schmerzen mäßig, die rechte Hand erscheint pulslos, der Kapillarpuls ist verzögert. Das Ereignis liegt nun drei Stunden zurück. Als Ursache findet sich in der folgenden Notoperation eine Kompression der Arteria brachialis durch ein Knochenfragment im Bereich des Ellenbogens. Nach Osteosynthese ist die Hand wieder normal durchblutet.

Welche Fehler wurden gemacht?

In dieser Fallvorstellung von Dr. Trappe handelt es sich um einen Gefäßnotfall, wie er sich nach ellengelenknahen Oberarmfrakturen im Kindesalter entwickeln kann. Der Anästhesist erläutert die Fehler, die gemacht wurden: „Die Diagnostik wie auch die Akutschmerztherapie waren unzureichend. Bei jedem Verdacht auf Fraktur müssen distal der Fraktur Durchblutung, Sensibilität und Motorik (DMS) im Verlauf untersucht und dokumentiert werden. Die Signalstärkeanzeige (z. B. Pulswelle) des Pulsoxymeters kann hier zum kontinuierlichen Monitoring eine große Hilfe sein.“

Kinder haben ein Anrecht auf eine adäquate Akutschmerztherapie, so Trappe weiter. Diese sollte möglichst wenig invasiv sein und das Schmerzniveau innerhalb von 10-20 Minuten deutlich reduzieren. Analgetika aller Substanzgruppen kommen zum Einsatz und werden üblicherweise nach Körpergewicht dosiert. Leon hätte von der nichtinvasiven Applikation eines Opiods per MAD® (Mucosal Atomization Device) und der oralen Gabe von Ibuprofen profitiert. Ein venöser Zugang hätte dann später unter optimalen Bedingungen gelegt werden können. Die im Beispiel ausgewählten Dosierungen waren inadäquat und ein kontinuierliches Monitoring der Vitalwerte wurde unterlassen.

Die wichtigsten Lerninhalte dieses rekonstruierten Falls sind laut Trappe:

  1. DMS müssen im Verlauf untersucht und dokumentiert werden
  2. Immobilisation von Frakturen ist eine wichtige (auch schmerzlindernde) Maßnahme
  3. Kinder haben ein Recht auf eine adäquate medikamentöse Akutschmerztherapie
  4. Zeitgemäße Akutschmerztherapie für Kinder ist wenig invasiv und hoch effektiv
  5. Nachschlagewerke müssen aktuell gehalten werden.

Paulino®-System: Maßband, Nachschlagewerk und Etiketten für die erfolgreiche Versorgung von Kindern

Mit dem innovativen Paulino®-System möchte Trappe dazu beitragen, solche und andere Fehler im Umgang mit pädiatrischen Notfällen zu vermeiden.

Zum Set gehören ein Maßband, Etiketten zum Markieren der vorbereiteten Medikamente sowie ein Nachschlagewerk. Dieses enthält Tabellen, um die richtige Substanz, die Applikationsform sowie die Dosierung ausgehend von der Körpergröße des Kindes zu ermitteln. So lassen sich Fehlerquellen verringern und eine größere Genauigkeit gewährleisten. Außerdem enthält das Paulino®-Buch Empfehlungen zum Einsatz von Equipment. Alle zwei Jahre erscheint eine aktualisierte Neuauflage, die ältere Ausgabe wird dann in Zahlung genommen.

Der Beitrag wird vertreten von:
Dr. med. Ulrich Trappe
Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Altonaer Kinderkrankenhaus.
Er ist aktiver Notarzt, betreut vielfältige Ausbildungsaktivitäten und ist Mitglied im Fortbildungsausschuss der AGNN.
Das Paulino®-System richtet sich an Ärzte, Rettungs­assistenten, Notfallsanitäter, Rettungssanitäter und Pflegende in Notaufnahme, Schockraum, Anästhesie und Intensivstation.
Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter:
http://www.paulino-system.de/

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