15. März 2018

Brandverletzungen: 5 wichtige Sofortmaßnahmen

Bei der Erstversorgung von Brandverletzten ist die Einschätzung der Tiefe und Ausdehnung einer Verbrennung entscheidend für weitere Maßnahmen. Erfahren Sie in einem unserer meistgelesenen Beiträge, wie Sie Verbrennungen richtig einschätzen und notwendige Versorgungsmaßnahmen rechtzeitig einleiten können. (Lesedauer: 3 Minuten)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel von Dr. med. Angelika Bischoff, veröffentlicht in der Fachzeitschrift MMW Fortschritte der Medizin. Redaktionelle Aufbereitung: Marina Urbanietz.

5 Schritte bei der Notfallversorgung von Brandverletzten

  1. Ausmaß der verbrannten Fläche mit Hilfe der Neuner-Regel nach Wallace beuteilen
  2. Verbrannte Areale sofort aber max. 10 Minuten mit Wasser kühlen
  3. Areale mit sterilen Tüchern oder Metalline-Folien abdecken: Keine Salbenverbände oder Gele (Auskühlungsgefahr und Erschwerte Beurteilbarkeit der Verbrennungstiefe) verwenden 
  4. Begleitende Schäden mit therapeutische Priorität beachten: Blutungen in die Körperhöhlen; schweres Schädel-Hirn-Trauma; große Frakturen; Thorax- oder Abdominaltrauma; spinales Trauma
  5. Atemwege kontrollieren: Koniotomie bei Inhalationstrauma mit Schwellungen der oberen Atemwege Inhalative Kortikosteroide sind heute obsolet (kein Nutzen und Schwächung der pulmonale Infektenabwehr)

Neuner-Regel nach Wallace: Der Körper wird in Oberflächen-Areale von je 9% eingeteilt: Kopf/Hals: 9%; Arme: 2×9%, Rumpf: 2×18%, Beine 2×18%, Genitale: 1%). Wichtig: Bei kleineren Verbrennungen empfiehlt sich die Handflächenregel: Die Handfläche inklusive Finger entspricht etwa 1% der Körperoberfläche.

Abb. 1: Aufteilung der Körperoberfläche nach der Neunerregel

Wann ist eine Intubation notwendig?

Laut Experten sollten Verbrennungsopfer in folgenden Fällen intubiert werden 1:

  • Es bestehen zirkuläre Verbrennungen am Hals
  • Verbrennungen der Körperoberfläche betragen mehr als 40%
  • Es liegt Polytraumatisirung vor
  • Der Patient befindet sich in einem Schockzustand

Wann ist ein Volumenersatz indiziert?

Ein Volumenersatz über großvolumige Zugänge oder intraossär ist indiziert bei Verbrennungen ab Grad II (über 15% der Körperoberfläche, bei Kindern bereits ab 10%). Zum Einsatz kommen ausschließlich kristalloide Lösungen (Ringerlaktat oder -acetat). Experten empfehlen hierfür 500 bis 1000 ml innerhalb der ersten Stunde bei Erwachsenen. Bei einem 20 kg schweren Kind mit 25% verbrannter Körperoberfläche gilt ein Richtwert von 250 bis 500 ml Volumenersatz.

Verbrennungszentrum: Wann sollten Sie Betroffene einweisen?

Schwer brandverletzte Patienten sollten umgehend in ein Verbrennungszentrum eingewiesen werden. Experten raten die Entscheidung über den Hubschraubertransport großzügig zu fällen, da ein schwer Brandverletzter innerhalb der 30 Minuten in ein spezialisiertes Verbrennungszentrum gebracht werden sollte.

Folgende Patienten sollten umgehend in ein Verbrennungszentrum eingewiesen werden:

  • Verbrennungen an funktionell wichtigen Stellen mit erschwerten Abheilungsprozessen: Dabei handelt es sich insbesondere um Gesicht, Hals, Hände, Füße, Anogenitalregion sowie im Bereich großer Gelenke
  • Zweitgradige Verbrennungen mit einem Anteil der verbrannten Körperoberfläche von mehr als 15%
  • Drittgradige Verbrennungen mit einem Anteil der verbrannten Körperoberfläche von mehr als 10%
  • Patienten mit mechanischen Begleitverletzungen
  • Patienten mit Inhalationstraumata
  • Patienten mit schweren Vorerkrankungen
  • Kinder < 8 Jahren (Einweisung in ein Verbrennungszentrum für Kinder)
  • Erwachsene > 60 Jahren
  • Patienten mit Verbrennungen durch elektrischen Strom

Wichtig: Kreislaufinstabile Patienten müssen vor der Einweisung zuerst in der nächstmöglichen Klinik kardial stabilisiert werden.

Zentrale Vermittlungsstelle: Es gibt in Deutschland 20 Verbrennungszentren. Die Betten werden im Notfall von der Zentrale in Hamburg vermittelt. Tel.: 040/42851-4950. Eine PDF-Liste mit allen Betten für schwer Brandverletzte finden Sie auf der Web-Seite der Feuerwehr Hamburg.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

  1. MMW Fortschritte der Medizin, SpringerVerlag 7/2016: Bischoff, A. Rasche und richtige Hilfe für Brandverletzte
  2. Medical Tribune, 15.03.2016: Gessner, C. Brandwunden zeitgemäß versorgen.

Titelbild: iStock. Bildnachweis: whiterabbit83.

Abbildung 1: Pharm. Ztg. 153, Nr. 23 (2008) 2320-2325.

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