09. Juni 2017

Aus dem Kollegenkreis

Anaphylaxie: Tipps vom Notarzt

Anaphylaktische Reaktionen nach Injektionen, Medikamentengabe oder Insektenstichen gehören zu den häufigsten Notfällen. Erfahren Sie in einem unserer meistgelesenen Beiträge, wie Sie bei einer lebensbedrohlichen Anaphylaxie handeln können.

Dr. med. Ulrich Trappe, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie erklärt hier, welche Medikamente bei einer lebensbedrohlichen Anaphylaxie zum Einsatz kommen sollten und was im Notfallset des Insektengiftallergikers nicht fehlen darf.

Anaphylaktische Reaktionen sind gekennzeichnet durch dynamische, teilweise dramatische Verläufe, die zum Tode der Patienten führen können und klassischerweise nach ihrem Schweregrad eingeteilt werden.

Notfalltherapie bei schwerer lebensbedrohlicher Anaphylaxie

Die meisten Patienten versterben an schweren Asthmaanfällen (B-Problem) mit Atemversagen und konsekutivem Herz-Kreislauf-Versagen. Der Tod infolge Ersticken (A-Problem) im Rahmen anaphylaktischen Reaktionen ist bei leitliniengerechter frühzeitiger Therapie selten. Hier sind die wichtigsten Maßnahmen:

  1. STOPPE die Allergenexposition
  2. Identifiziere Leitsymptome und behandele sie
  3. Bestehen gravierende Beschwerden über das Maß lokal begrenzter kutaner Symptome hinaus (ab Grad II), sollte primär die intramuskuläre Adrenalin-Gabe (s. u.) erfolgen.
  4. Bei bestehender Luftnot (A/B- Probleme) zusätzliche Verneblung von Adrenalin.
  5. Alle weiteren Maßnahmen schließen sich an.

Die medikamentöse Therapie im Notfall

Adrenalin: 0,01 mg/kg Körpergewicht i. m., max. 0,5 mg i. m. ggf. nach 10–15 min. wiederholen.
Injektionsort: Auβenseite Oberschenkel (bei Kindern: Dosierungshilfe Paulino-System©) ggf. zusätzlich inhalative Adrenalin-Verneblung bei Atemproblemen bei Wirkungslosigkeit i. v. Gabe mittels Dauerinfusion 0,05-0,1 μg/kg/min bei Betablocker-Patienten oder bei fehlender Wirkung: Glucagongabe UAW: Angina Pectoris, Myokardinfarkt, HRST.
Paulino-System: Das Paulino-System richtet sich an Ärzte, Rettungsassistenten, Notfallsanitäter, Rettungssanitäter und Pflegende in Notaufnahme, Schockraum, Anästhesie und Intensivstation. Weitere Informationen erhalten Sie unter: http://www.paulino-system.de/.

Anaphylaxie nach Wespenstich: Frischen Sie an diesem Patientenfall Ihr Wissen zur Anaphylaxie auf und sehen Sie, ob Sie ebenso reagiert hätten wie der Notarzt im Fall der zwölfjährigen Lara.
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Therapie A/B-Probleme

  • Sauerstoffinhalation High Flow (12-15 l )
  • Antiobstruktive Therapie s. o.
  • invasive Atemwegssicherung (endotracheale Intubation) nur sehr selten notwendig
  • bei überwiegender A-Problematik = insp. Stridor = Larynxödem/ Mundschleimhautödem Inhalation: Adrenalin (Dosierung nach Körpergewicht, z. B. InfectoKrupp® Inhal)
  • bei überwiegender B-Symptomatik = Bronchokonstriktion = Giemen/Asthma
  • Inhalation mit Salbutamol oder Salbutamol/Ipratropium vgl. NVL Asthma

Therapie C-Probleme

  • Adrenalin intramuskulär (s. o.)
  • Infusion: Balancierte Vollelektrolytlösung, ggf. 2-3 l bei Erwachsenen
  • HES bei volumenrefraktärem Schock
  • Katecholamintherapie: Adrenalin/Noradrenalin per Perfusor

Die Mittel der Wahl bei der allgemeinen antiallergischen Therapie

  • <strong>H1-Blocker
    • </strong>Dimetinden 0,1 mg/ kg iv
    • Clemastin 0,05 mg/kg iv
    • (oral maximale Dosis, in Einzelfällen auch bis zum 4-fachen der zugelassenen Einzeldosis)
  • H2-Blocker
    • zusätzlich empfehlenswert, da geringe UAW und theoretisch wirksam Ranitidin: 2 mg/kg max. 50 mg
  • Glukokortikoide
    • Langsamer Wirkeintritt, wirkt protrahiertem und bihasischem Verlauf entgegen ggf. rektale oder orale Gabe, wenn iv- Zugang nicht verfügbar

Das sollten Ihre Patienten unbedingt im Notfallset haben

  • Antiallergikum H1- Rezeptorblocker zum Trinken
  • Glucokorticoid zum Trinken
  • Adrenalin-Autoinjektor (z. B.: FASTJEKT®, EPIPEN®, Jext®) Salbutamol-Aerosol bei allergischem Asthma

Zur Person: Dr. med. Ulrich Trappe ist Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin und ist im BG Klinikum Hamburg tätig. Er ist aktiver Notarzt, betreut vielfältige Ausbildungsaktivitäten und ist Mitglied im Fortbildungsausschuss der AGNN. Folgen Sie Dr. Ulrich Trappe hier.

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  1. AWMF-Leitline 061-025 S2-Akuttherapie und Management der Anaphylaxie nach J. Ring et al.: Allergo J. Int 2014;23:96- 36-52
  2. Paulino-System für die Kindernotfallmedizin, Hamburg 2015: www.paulino-system.de

Titelbild: iStock. Bildnachweis: huettenhoelscher.

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