14. Juli 2016

Anaphylaxie: Diese Maßnahmen ergreift der Notarzt im Fall Lara

Sofortmaβnahmen:

  • Sauerstoff 12 l O2 plus Verneblung von 5 mg Adrenalin
  • Bestimmung des Körpergewichtes und Berechnung der Adrenalindosis i. m. mithilfe des Paulino-Systems© für Kindernotfallmedizin 2 . Ergebnis: ca. 40 kg Körpergewicht 0,4 mg Adrenalin intramuskulär (Oberschenkelauβenseite)

Weitere Maβnahmen:

  • Monitoring (SpO2, EKG, Blutdruck)
  • venöser Zugang
  • 1 l Vollelektrolytlösung i. v.
  • 100 mg Methylprednisolon i. v.
  • 4 mg Fenistil i. v.
  • 50 mg Ranitidin i. v .

Übergabebefund auf der Intensivstation im Fall Lara

  • Besserung der Atemnot, SpO2: 94 %,
  • Besserung Kreislauf: RR 90/50 mm Hg,
  • Besserung ZNS: Vigilanz besser.

Nach Fortführung der antiallergischen Therapie verlässt Lara das Krankenhaus am nächsten Tag mit einem Allergie-Notfall-Set.

Das sollten Ihre Patienten unbedingt im Notfallset haben:

  • Antiallergikum H1- Rezeptorblocker zum Trinken
  • Glucokorticoid zum Trinken
  • Adrenalin-Autoinjektor (z.B.: FASTJEKT®, EPIPEN®, Jext®)
  • Salbutamol-Aerosol bei allergischem Asthma

Hintergrundinformationen zur Anaphylaxie

Anaphylaktische Reaktionen treten 7-50 mal pro 100000 Einwohner pro Jahr auf und machen ca. 1% der Behandlungen in zentralen Notaufnahmen aus. 1 bis 3 Betroffene pro 1 Mio. Einwohner sterben jährlich an allergischen Reaktionen. Insektengift ist bei 55 Prozent der betroffenen Erwachsenen und 24 Prozent der Kinder die Ursache.

Klinische Symptomatik der Anaphylaxie

Anaphylaktische Reaktionen sind gekennzeichnet durch dynamische, teilweise dramatische Verläufe, die zum Tode der Patienten führen können und klassischerweise nach ihrem Schweregrad eingeteilt werden. Anaphylaktische Reaktionen manifestieren sich vor allem an Haut, Atemwegen, GI-Trakt und kardiovaskulärem System. 1

Zunächst manifestieren sich überwiegend unspezifische Prodromi:

  • Juckreiz bzw. Brennen an Handinnenflächen, Fuβsohlen oder Genitalbereich
  • metallischer Geschmack, Jucken an Schleimhäuten
  • Angst, Kopfschmerzen oder Desorientierung
  • bei kleinen Kindern stattdessen Unruhe, Rückzugsverhalten
  • Erythem (Flush), Juckreiz an der Haut
  • Urtikaria, Angio- (Quincke-) ödem an Stellen ohne direkten Kontakt zu Allergenen

Je nach Intensität des Allergenkontaktes und allergischer Disposition ist der Symptomverlauf langsam oder foudroyant – Symptome treten gleichzeitig oder nacheinander auf. Gelegentlich kommt es nach Therapie zu biphasischem Verlauf 12 bis 24 Stunden. Die Überwachung dauert daher bis zur sicheren und anhaltenden Remission an. Anaphylaktische Reaktionen werden in 4 Schweregrade unterteilt. Stationäre Überwachung bei allen ausgeprägten schweren Reaktionen ab Grad II.

Todesursachen

Bei zum Tode führenden respiratorischen Organstörungen handelt es sich überwiegend um schwere Asthmaanfälle (B-Problem) mit Atemversagen und konsekutivem Herz-Kreislauf-Versagen. Der Tod infolge Ersticken (A-Problem) bei anaphylaktischen Reaktionen ist bei leitliniengerechter frühzeitiger Therapie selten. Letale Verläufe aufgrund von Kreislaufversagen werden durch schwere kardiovaskuläre Vorerkrankungen begünstigt. Die disseminierte intravasale Gerinnung (DIC) wird ebenso wie die akzidentelle Adrenalinüberdosierung im Rahmen der Therapie als äußerst seltene Todesursache angesehen.

Zur Person: Dr. med. Ulrich Trappe ist Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin und ist im BG Klinikum Hamburg tätig. Er ist aktiver Notarzt, betreut vielfältige Ausbildungsaktivitäten und ist Mitglied im Fortbildungsausschuss der AGNN. Folgen Sie Dr. Ulrich Trappe hier.
Lesen Sie auch den folgenden Beitrag zu den Prinzipien für die Notfalltherapie der lebensbedrohlichen Anaphylaxie

  1. AWMF-Leitline 061-025 S2-Akutmtherapie und Management der Anaphylaxie zitiert nach J. Ring et al. Leitlinie zu Akuttheapie und Managment der Anaphylaxie, Allergo JInt 2014;23:96- 36-52
  2. Paulino-System für die Kindernotfallmedizin, www.paulino-system.de, Hamburg 2015

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