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Ophthalmologie

19. März 2025
IOL bei Presbyopie

Speziallinsen: Was können sie leisten – was nicht?

Vor einer Katarakt-OP müssen Betroffene die Entscheidung treffen, welche Art Kunstlinse implantiert werden soll: Einstärkenlinse, Linse mit erweiterter Tiefenschärfe (EDOF-Linse) oder Multifokallinse. Sind Presbyopie-korrigierende IOL besser als konventionelle?

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Speziallinsen: Was können sie leisten – was nicht?
Vor einer Katarakt-OP können Betroffene zwischen klassischen Einstärkenlinsen und Presbyopie-korrigierenden Kunstlinsen auswählen. (Foto: Getty Images | Martinns)

Autorin: Dr. Jana-Sophia Karp | Redaktion: Anna Besson

Bei der Planung einer Katarakt-OP müssen Patientinnen und Patienten gemeinsam mit ihrem Operateur die wichtige Entscheidung treffen, welche Art Intraokularlinse (IOL) implantiert werden soll. Die Industrie liefert ständig neue Modelle und es fällt zunehmend schwerer, den Überblick über die unterschiedlichen Linsen und ihre Funktionalitäten zu behalten.
Um auch als Nicht-Operateur die alternativen Möglichkeiten richtig einzuordnen, muss zwischen drei Linsentypen unterschieden werden: Einstärkenlinsen, Linsen mit erweiterter Tiefenschärfe und Multifokallinsen. In einem virtuellen Vortrag beantwortete der erfahrene Katarakt-Operateur Dr. Detlef Holland (Kiel) die Frage: „Moderne IOL mit Zusatzfunktion: Was darf der Patient erwarten und was nicht?“1

Monofokallinse – die Standard-Kunstlinse

Am häufigsten werden bei der Operation des Grauen Stars Linsen mit einem Brennpunkt, sogenannte Monofokallinsen, implantiert. Die Standardlinse ist heutzutage faltbar, so dass sie über einen kleinen Schnitt von 2,2 bis 2,4 mm, der sich ohne anschließende Naht wieder verschließt, implantiert werden kann.

Die Brechkraft bei Einstärkenlinsen wird meist so gewählt, dass in der Ferne scharf gesehen wird (emmetrope Zielrefraktion) – für das Sehen in der Nähe muss dann eine geeignete Korrektur getragen werden (z.B. Lese- oder Gleitsichtbrille). Wird die Linsenstärke für optimales Sehen in der Nähe ausgewählt (myope Zielrefraktion), muss entsprechend für die Ferne eine Brille getragen werden.

Monofokallinsen gelten als die Linsen mit der höchsten Abbildungsqualität und den geringsten störenden optischen Phänomenen wie beispielsweise Blendung. Die Kosten für eine hochwertigen Standardlinse werden vollständig von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Brillenunabhängigkeit durch Speziallinsen

Besteht der Wunsch nach Brillenunabhängigkeit, können Multifokallinsen mit mehreren Brennpunkten eine Lösung sein. Trifokale Linsen werden den bifokalen meist vorgezogen, denn sie ermöglichen ein gutes Sehen ohne Korrektur in allen Entfernungen, wobei oft 50 % der Lichtmenge für die Ferne, 20 % für den Intermediärbereich und 30 % für den Nahbereich genutzt werden.

Nachteilig ist ein vermindertes Kontrastsehen im Vergleich zu Monofokallinsen sowie verschiedene optische Phänomene, insbesondere bei weiter Pupille, zu denen typischerweise Halos (Lichtringe um einzelne Lichtquellen) und Glare (Blendung) gehören. Presbyopie-Korrektur mittels Speziallinsen ist also immer ein Kompromiss zwischen Brillenunabhängigkeit und optischen Einschränkungen wie Kontrastverlust, Blendung und somit reduzierter Nachtfahrtauglichkeit.

Eine Alternative bieten Linsen mit erweiterter Tiefenschärfe, sogenannte EDOF-Linsen (Extended Depth of Focus), die ebenfalls eine etwas reduzierte Sehqualität in der Ferne sowie die beschriebenen Nebenwirkungen aufweisen. Diese sind jedoch deutlich geringer ausgeprägt als bei Trifokallinsen. Allerdings wird bei gutem Fern- und Visus meist eine zusätzliche Lesebrille benötigt.

Vereinfachtes Abbildungsprinzip verschiedener IOL2
Vereinfachtes Abbildungsprinzip verschiedener IOL
(Foto: Lapp, L. et. al)

a) Monofokallinsen haben einen Brennpunkt.
b) Bifokale Linsen besitzen zwei Brennpunkte für Ferne und Nähe.
c) Bei trifokalen Linsen besteht ein dritter Fokus im Intermediärbereich.
d) Linsen mit erweiterter Tiefenschärfe (EDOF-Linsen) haben einen ausgedehnten Fokus.

Fazit

Wenn Patientinnen und Patienten sich weitgehende Brillenunabhängigkeit wünschen, können Speziallinsen mit erweiterter Tiefenschärfe oder Multifokallinsen eine praktikable Lösung sein. Die Presbyopie-Korrektur mit Hilfe von Speziallinsen ist und bleibt jedoch immer ein Kompromiss zwischen Brillenunabhängigkeit und optischen Nebenwirkungen wie Kontrastverlust, Blendung und somit reduzierter Nachtfahrtauglichkeit. Grundsätzlich gilt, je mehr Funktion die IOL ermöglicht, umso mehr Nebenwirkungen sind zu erwarten. Welche Linse die beste ist, hängt daher ganz von den individuellen Bedürfnissen ab.

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