Smartphone und KI: Neue Rolle bei der Früherkennung?
Screening-Verfahren zur Früherkennung von Augenerkrankungen bei Kindern sind auf Krankenhäuser und augenärztliche Praxen beschränkt. Künstliche Intelligenz (KI) könnte diese teuren Methoden möglicherweise ablösen. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier.
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Autorin: Manasi Talwadekar | Übersetzung und Redaktion: Anna Besson
Smartphones sind allgegenwärtig und werden viel zum Fotografieren genutzt. Um der weltweiten Herausforderung zu begegnen, Augenerkrankungen wie Myopie, Strabismus oder Ptosis bei Kindern frühzeitig zu erkennen, wurde ein KI-Modell entwickelt. Dieses soll eine Alternative zu den herkömmlichen Screenings darstellen und es bereits in der häuslichen Umgebung ermöglichen, Erkrankungen an aufgenommenen Kinderaugen frühzeitig zu diagnostizieren.
Vom 1. Oktober 2022 bis zum 30. September 2023 wurde an der Augenklinik des Shanghai Ninth People’s Hospital eine Querschnittsstudie durchgeführt, die Kinder mit diagnostizierter Myopie, Strabismus oder Ptosis untersuchte.
Der Studienaufbau
In die Studie eingeschlossen waren 476 Kinder mit Myopie (n = 251), Strabismus (n = 180) und/oder Ptosis (n = 171). Um das auf Deep Learning basierende KI-Modell zu trainieren, verwendeten die Forschenden 1.419 Smartphone-Bilder. Dabei bewerteten sie die Sensitivität, Spezifität und Genauigkeit des Modells.
KI: hohe Sensitivität und Spezifität
Das Modell zeigte eine hohe Sensitivität: Myopie, Strabismus und Ptosis wurden in 84 %, 73 % und 85 % der Fälle korrekt erkannt. Zudem war das KI-Modell auch in der Lage, Personen ohne Myopie, Strabismus und Ptosis korrekt zu erkennen (Spezifität: 76 %, 85 % und 95 %). Die Genauigkeit des Modells lag für alle drei Erkrankungen bei 80–92 %, während die Gesamtleistung (Performance) zwischen 83 % und 94 % variierte.
Die Studie war als monozentrische Studie und mit einer kleinen Stichprobengröße angelegt. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse könnte dadurch einschränkt sein, denn pro teilnehmendem Kind wurde nur ein Foto verwendet, was die Fähigkeiten des Algorithmus begrenzen könnte. Die variierende Stichprobengröße der drei Erkrankungen könnte zudem die Sensitivität des Modells bei der Erkennung von Strabismus beeinflusst haben.
Fazit
Die Autorinnen und Autoren gehen davon aus, dass das KI-Modell Familien dabei unterstützen könnte, Kinder auf Myopie, Strabismus und Ptosis zu screenen. Die KI könnte so eine frühzeitige Diagnose ermöglichen und das Risiko von Sehverlusten und schwerwiegenden Einschränkungen durch verspätete Untersuchungen reduzieren.
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