Nahrungsergänzungsmittel bei AMD im Spätstadium
Das Fortschreiten einer geographischen Atrophie (GA) bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) kann laut Studie durch täglich eingenommene antioxidative Nahrungsergänzungsmittel verlangsamt werden. Wie hilfreich sind hochdosierte Vitamine und Spurenelemente bei GA?
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Autorin: Dr. Jana-Sophia Karp | Redaktion: Anna Besson
Die mit Abstand häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen in Deutschland ist, ähnlich wie in anderen europäischen Ländern, die altersabhängige Makuladegeneration. Ihre Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter und wird bei über 60-Jährigen mit mehr als 25 % für frühe oder intermediäre AMD-Formen und 2,4 % für fortgeschrittene Formen angegeben. Die Erkrankung verläuft chronisch progredient und führt im Spätstadium typischerweise zur hochgradigen Visusminderung bis hin zur Erblindung. Es handelt sich dann entweder um eine feuchte Form oder um eine fortgeschrittene trockene AMD. Während die feuchte Spätform heutzutage mit intravitrealen Injektionen (in den Glaskörper) von VEGF-Inhibitoren behandelbar ist, gibt es in Europa derzeit keine zugelassene Therapie für die trockene Spätform, auch geographische Atrophie genannt.
Bisheriger Einsatz von Vitaminen und Spurenelementen bei AMD
Um das Risiko für den Übergang einer AMD in ein Spätstadium – trocken oder feucht – zu reduzieren, können Betroffene prophylaktisch Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. In zwei groß angelegten Studien, den Age-Related Eye Disease Studies (AREDS 1 und 2) wurde die Wirkung hochdosierter Vitamine und Spurenelemente auf das Fortschreiten unterschiedlicher Formen der AMD über viele Jahre untersucht. Auf den Resultaten dieser beiden Studien basieren bis heute die Empfehlungen zur Nahrungsergänzung bei AMD.
Empfohlene Zusammensetzung von Vitaminen und Spurenelementen bei AMD nach AREDS 1 und 2 1,2
- Vitamin C 500 mg
- Vitamin E 400 I.E.
- Zink 25 mg
- Kupfer 2 mg
- Lutein 10 mg
- Zeaxanthin 2 mg
Drusen sind Ablagerungen von Stoffwechselprodukten in der Retina, welche für die AMD typisch sind. Wenn zahlreiche mittelgroße bis große Drusen in beiden Augen auftreten, kann laut AREDS-Studien durch Supplementierung das Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung in eine Spätform reduziert werden. Gleiches gilt, wenn in einem Auge bereits eine Spätform der AMD vorliegt.
Nahrungsergänzungsmittel verlangsamen Progression der GA
Neu ist die Erkenntnis, dass eine Supplementierung mit Antioxidantien, Lutein und Zeaxanthin auch im bereits fortgeschrittenen Stadium der trockenen AMD helfen kann. Eine aktuelle post hoc Analyse der Studiendaten aus AREDS 1 und 2 ergab eine signifikant langsamere Progression in Richtung Zentrum der Makula bei Augen mit nichtzentraler GA.1 Sie betrug 50,7 μm/Jahr, wenn Antioxidantien eingenommen wurden, gegenüber 72,9 μm/Jahr mit Placebo. Von Vorteil war auch, wenn Lutein und Zeaxanthin zu der Substitution gehörten. „Diese Ergebnisse unterstützen die weitere Verwendung von AREDS 2-Ergänzungsmitteln bei Menschen mit später trockener AMD“, erklärte Primärautor Tiarnán Keenan in einer Pressemitteilung des National Eye Institute.2
Ungleiche GA-Progression in zentraler und peripherer Makula
In etwa zwei Drittel aller Augen mit GA beginnt die Atrophie zunächst parazentral und breitet sich dann kontinuierlich in Richtung Makulazentrum aus. Dabei verläuft diese Progression nach zentral deutlich langsamer als in Richtung Peripherie. Dieses Phänomen ist bekannt und wird als „foveal sparing“ bezeichnet – die zugrundeliegenden Mechanismen sind allerdings unbekannt. Die Forscher hoffen, dass die vorliegende Studie einen Beitrag zur weiteren Erforschung dieses Phänomens liefern kann. Sie halten zudem eine zukünftige, prospektive, randomisierte und kontrollierte Studie zur oralen Nahrungsergänzung mit Antioxidantien, Lutein und Zeaxanthin bei Augen mit nicht zentraler GA für gerechtfertigt.
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