Guanfacin erhöht Risiko für Hornhautveränderungen
Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhalten meist eine Therapie mit Methylphenidat, aber auch Guanfacin kommt zum Einsatz. Welche Auswirkungen die Guanfacin-Therapie auf die Augen hat, wurde nun in einer Studie untersucht.
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Autorin: Manasi Talwadekar | Übersetzung und Redaktion: Anna Besson
An Kindern und Jugendlichen mit ADHS wurde über einen Zeitraum von 6 Monaten die Auswirkung einer Guanfacin-Behandlung auf die vorderen und hinteren Augenabschnitte untersucht. Die prospektive Studie wurde von Dr. Işıl Merve Torun aus der Abteilung Ophthalmologie der Medizinischen Gesundheitswissenschaftlichen Universität, Sultan Abdulhamid-Han-Trainings- und Forschungskrankenhaus in Istanbul, Türkei, geleitet.1
Guanfacin in Zweitlinie
In die Studie wurden 32 Kinder und Jugendliche aus der Kinderpsychiatrie eines Istanbuler Krankenhauses eingeschlossen. Das Durchschnittsalter lag bei 9 Jahren und 94,4 % der Teilnehmenden waren Jungen. Diese hatten bereits seit mindestens einem Jahr Methylphenidat erhalten, bevor Guanfacin in das Behandlungsregime aufgenommen wurde. Vor Beginn der Guanfacin-Therapie und sechs Monate danach wurden in 2 detaillierten augenärztlichen Untersuchungen verschiedene okuläre Parameter beurteilt wie:
Nur eine signifikante Veränderung
Nach sechs Monaten Guanfacin-Behandlung wurde eine signifikante Zunahme der Hornhautaberrationen festgestellt, darunter:
- Gesamt-Root-Mean-Square (RMS) (P = 0,029)
- RMS-niedriggradige Aberration (P = 0,014)
- Koma-Aberrationen (P < 0,05)
Auf die anderen gemessenen okulären Parameter zeigte die Therapie keine Wirkung, die zu einer signifikanten Veränderung geführt hätte.
Studie mit Limits
Aufgrund ihrer Stichprobengröße und der Nachbeobachtungszeit von 6 Monaten weist die Studie Einschränkungen auf. Zudem brachen einige Teilnehmende die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab, was die Kontinuität der Studie beeinträchtigte. Da Guanfacin nicht als Erstlinientherapie für ADHS eingesetzt wird, konnten keine Patientinnen und Patienten untersucht werden, die ausschließlich mit Guanfacin behandelt wurden.
Fazit
Die orale Anwendung von Guanfacin bei Kindern und Jugendlichen mit neu diagnostizierter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) führt zu einer Zunahme von Hornhautaberrationen, beeinflusst jedoch keine anderen okulären Parameter. Bei der Verschreibung von Guanfacin empfehlen die Autorinnen und Autoren der Studie, okuläre Nebenwirkungen zu berücksichtigen und regelmäßige augenärztliche Untersuchungen während der Behandlung durchzuführen.
Dieser Beitrag erschien im Original auf Medscape.com.
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