Glaukom-Tropfen ohne Konservierungsmittel?
Gerötete Augen, Brennen, Fremdkörpergefühl: Etwa die Hälfte aller Menschen mit Glaukom leidet unter einer Erkrankung der Augenoberfläche. Kann eine Umstellung auf Glaukom-Tropfen ohne Konservierungsmittel die Beschwerden bessern? Wie gut ist die Drucksenkung?
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Autorin: Dr. Jana-Sophia Karp | Redaktion: Anna Besson
Das Glaukom ist eine der drei häufigsten Erblindungsursachen in Deutschland. Die neurodegenerative Erkrankung führt zu einem chronisch fortschreitenden Untergang von Nervenfasern der Netzhaut und in der Folge zu irreversiblen Einschränkungen des Sehvermögens. Die Pathogenese ist multifaktoriell: Alter, genetische Veranlagung sowie Durchblutung spielen beispielsweise eine wichtige Rolle. Trotz intensiver Forschung bleibt der Augeninnendruck allerdings der einzige Risikofaktor, der einer Therapie zugänglich ist. Eine effektive Senkung des intraokulären Drucks (IOD) ist daher Ziel jeder Glaukomtherapie, um eine Progression der neuronalen Schädigung zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.1
Wechsel zu Glaukomtropfen ohne Konservierungsmittel
Eine aktuelle Multi-Center-Studie untersuchte prospektiv 38 Menschen mit primärem Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension. Alle Studienteilnehmer hatten seit mindestens 6 Wochen eine Monotherapie mit Latanoprost Augentropfen erhalten, die als Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid (BAC) enthalten –. Prostaglandin-Analoga wie Latanoprost sind die häufigste First-Line-Medikation bei Glaukom. Aufgrund einer unzureichenden IOD-Senkung unter dieser Therapie bei Studienbeginn, wurde leitlinienkonform auf eine Zweierkombination aus Taflutan 0,015 % (Prostaglandin-Analogon) und Timolol 0,5 % (Betablocker) umgestellt. Weil alle Studienteilnehmer von einer Erkrankung der Augenoberfläche (Ocular Surface Disease, OSD), betroffen waren, wurde eine Fixkombination ohne Konservierungsmittel verwendet.2
Häufige Indikationen zur medikamentösen IOD-Senkung
Das Offenwinkelglaukom ist mit über 90 % die häufigste Form des Glaukoms. Typische Befunde sind: Augeninnendrucksteigerung, glaukomatöse Papillenexkavation, typische Gesichtsfeldschädigung, offener Kammerwinkel.
Okuläre Hypertension bezeichnet die alleinige Erhöhung des IOD über den Normbereich (10–21 mmHg) ohne glaukomatöse Schädigung. Das Ausmaß der Drucksteigerung korreliert mit dem Risiko, zukünftig ein Glaukom zu entwickeln.
Effektivität und Verträglichkeit unkonservierter Antiglaukomatosa
Das am häufigsten bei Augentropfen verwendete Konservierungsmittel BAC führt häufig zu Augenoberflächenerkrankungen wie Hornhautstippung und Bindehautrötung – einem OSD. Es kann aber ebenfalls die Penetration von Wirkstoffen in das Auge begünstigen.
Daher untersuchten die Forscher zum einen die Effektivität der unkonservierten Kombitherapie, indem sie zu festgelegten Tageszeiten (8 Uhr, 11 Uhr, 14 Uhr, 20 Uhr, 23 Uhr, 2 Uhr und 5 Uhr) den IOD bei Studienbeginn sowie nach 3 Monaten verglichen. Der durchschnittliche IOD war von 17,8 mmHg auf 15,3 mmHg, also um 14 % gesunken. Die Drucksenkung war zu jedem Untersuchungszeitpunkt statistisch signifikant.
Zudem wurde der Effekt der Therapieumstellung hinsichtlich OSD evaluiert. In 52 % der Fälle kam es zu einem Rückgang der Hornhautstippung und in 10,5 % zu einer Zunahme. Die Hyperämie der Bindehaut reduzierte sich ebenfalls bei 63,3 % der Studienteilnehmer und nahm in 5,2 % zu.
Die Autoren resümieren: der Wechsel von BAC-konserviertem Latanoprost hin zu einer unkonservierten Fixkombination von Taflutan 0,015 % und Timolol 0,5 % führte zu einer signifikanten IOD-Reduktion sowie der deutlichen Besserung einer bestehenden OSD.
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