Titelbild von Ophthalmologie
Logo von Ophthalmologie

Ophthalmologie

18. Nov. 2024
Frühes Glaukom

Beeinträchtigt die Sehstärke die Lebensqualität?

Beeinträchtigt das frühe Glaukom die sehschärfebezogene Lebensqualität? Wie häufig sind Kontrolluntersuchungen nötig? Die Antworten dazu ermittelte eine Studie1 an Menschen mit okulärer Hypertension im Rahmen eines Follow-ups nach 20 Jahren.

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Beeinträchtigt die Sehstärke die Lebensqualität?
Verringerte Lebensqualität bei frühem Glaukom? (Foto: Getty Images | miljko)

Autor: Shrabasti Bhattacharya | Übersetzung und Redaktion: Anna Besson

Forschende des National Institutes of Health und der Washington University School of Medicine untersuchten die sehstärkebezogene Lebensqualität von Menschen mit einem frühen Glaukom im Vergleich zu Menschen ohne diese Erkrankung. Eingesetzt wurden Fragebögen wie das National Eye Institute Visual Function Questionnaire (NEI-VFQ) oder das Glaucoma Quality of Life Survey (GQL), um die visuelle Funktion der Teilnehmenden zu überprüfen.

Ermittlung der sehkraftbezogenen Lebensqualität

In die  eingebunden waren 679 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit okulärer Hypertension aus der Ocular Hypertension Treatment Study, die zwischen 2016 und 2019 eine Follow-up-Untersuchung nach 20 Jahren und Befragungen zu ihrer sehkraftbezogenen Lebensqualität absolvierten. Das Durchschnittsalter lag bei 73,8 Jahren, zudem waren 60,7 % von ihnen Frauen.

Bei 321 Teilnehmenden entwickelte sich ein primäres Ofenwinkel Glaukom (POWG). Diese Gruppe wurde in folgende Kategorien eingeteilt:

  • Personen mit einseitigem oder beidseitigem POWG, die in keinem Auge einen Gesichtsfeldverlust aufwiesen.
  • Personen mit einseitigem oder beidseitigem POWG, die in einem oder beiden Augen einen Gesichtsfeldverlust aufwiesen, mit oder ohne Veränderungen des Sehnervenkopfes.

Die übrigen 358 Personen, die trotz okulärer Hypertension in keinem Auge ein POWG entwickelten, dienten als Kontrollgruppe. Als POWG-Endpunkt wurden reproduzierbare Veränderungen des Gesichtsfelds oder des Sehnervenkopfes definiert, die auf ein Glaukom zurückzuführen sind und von einem verdeckten Endpunktkomitee bestätigt wurden. Die Hauptendpunkte waren die Unterschiede in den Gesamtpunktzahlen zur sehkraftbezogenen Lebensqualität zwischen den Teilnehmenden, die kein POWG entwickelten, und jenen mit verschiedenen Stadien der Erkrankung.

Auswertung der Lebensqualität

Die Ergebnisse des (NEI-VFQ) von Teilnehmenden mit frühem Papillen-POWG, die keinen Gesichtsfeldverlust entwickelten, und denen ohne POWG unterschieden sich nicht signifikant.

Verglichen mit Teilnehmenden ohne POWG berichteten die Teilnehmenden mit einseitigem Gesichtsfeldverlust jedoch von einer leichten Abnahme der Sehfunktion (Mittelwertdifferenz: -3,33; p = 0,03), während die mit beidseitigem Gesichtsfeldverlust von einer erheblichen Abnahme dieser Werte berichteten (Mittelwertdifferenz: -13,96; p < 0,001 ).

Die Auswertung des GQL-Fragebogens hatte zum Ergebnis, dass die Lebensqualität auch bei Patientinnen und Patienten mit Sehverlust in beiden Augen signifikant beeinträchtigt (p < 0,001) war. Diese blieb jedoch bei Personen, deren Sehvermögen sich nicht verschlechterte, unbeeinflusst. Systemische Komorbiditäten, beidseitiger Gesichtsfeldverlust und andere behandelte Augenerkrankungen in der Vorgeschichte hatten den größten Einfluss auf die sehkraftbezogene Lebensqualität bei Menschen mit frühem Glaukom.

Fazit

Bei Patientinnen und Patienten mit einer okulären Hypertension, die ein POWG ohne Gesichtsfeldverlust entwickelten, kam es im Vergleich zu denjenigen, die diese Erkrankung nicht entwickelten, nicht zu einer verminderten sehkraftbezogenen Lebensqualität. Zu beachten ist allerdings, dass die sehkraftbezogene Lebensqualität von mehreren Faktoren beeinflusst wird wie die sozioökonomische Stellung, die sozioemotionale Unterstützung oder Persönlichkeitsmerkmale, die in dieser Studie jedoch nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Zudem waren die Menschen mit einem fortgeschrittenen Glaukom in dieser Studie unterrepräsentiert. Die Ergebnisse der Studie unterstützen allerdings dabei, die optimale Untersuchungshäufigkeit zu bestimmen und zu entscheiden, wann der Beginn einer Behandlung angemessen ist.

 Dieser Beitrag erschien im Original auf Medscape.de.

Impressum anzeigen
Zurück zum Seitenanfang